Ukraine-Krieg | Evakuierung von Oleschky abgeschlossen
Humanitäre Aktion könnte Vorbild für weitere Rettungsmissionen sein, so die Hoffnung. Wenn sich beide Kriegsparteien genügend vertrauen
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Hunde und Katzen zuerst: Die Haustiere der Evakuierten aus Oleschky erreichten die Ukraine noch vor ihren Besitzern, die kurz darauf folgten. Foto: IMAGO/ITAR-TASS Die Evakuierungsmission in Oleschky ist abgeschlossen. Fotos und Videos ukrainischer Stellen vom Sonnabend zeigen, wie Bewohner der seit über vier Jahren umkämpften Frontstadt im Gebiet Cherson die belarussisch-ukrainische Grenze im Gebiet Tschernihiw überqueren. Kurz zuvor hatten bereits die Haustiere der Evakuierten von Kiew kontrolliertes Gebiet erreicht.
Für die Evakuierten, größtenteils ältere Menschen, endet damit eine lange Reise vorerst. Am Vortag wurden sie mit Bussen aus dem gegenüber Cherson gelegenen Oleschky mit Bussen in den russischen Schwarzmeerort Anapa gebracht, von wo sie nach Gomel im südlichen Belarus, unweit der ukrainischen Grenze, geflogen wurden.
Die Evakuierung sei problemlos verlaufen, schrieb der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez auf Telegram. An der russischen Grenze habe es weder Filtrationen gegeben, noch seien die Telefone durchsucht worden. Den Menschen werde jede notwendige Hilfe gewährt, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj, der die Behörden zu »effizienter Arbeit« aufrief, um den Evakuierten bei der Eingewöhnung zu helfen.
Offizielle Zahlen, wie viele Menschen aus Oleschky evakuiert wurden, gibt es bislang nicht. Nach Angaben des Journalisten Alex Salvi, der für die rechtskonservative US-Nachrichtenseite »Newsmax« vor Ort war, sollen elf Busse Richtung Ukraine und vier Busse Richtung Russland aufgebrochen sein. Bei voller Besetzung der Busse hätten sich demnach 550 Menschen für eine Evakuierung in von Kiew kontrolliertes Gebiet der Ukraine entschieden und 250 für Russland.
Russischen Medienberichten zufolge soll es weitere Evakuierungsfahrten nach Russland und auf die Krim gegeben haben, die nicht Teil der gemeinsamen russisch-ukrainischen Aktion waren.
Laut Beobachtern sollen sich zum Zeitpunkt des Waffenstillstands noch 1500 bis 2000 Zivilisten in Oleschky aufgehalten haben. Demnach hätte sich die Hälfte der verbliebenen Einwohner oder sogar mehr dazu entschieden, in der Stadt und damit unter russischer Kontrolle zu bleiben, merkt der Telegram-Kanal Insider UA an. Die meisten der einst 24.000 Einwohner hatten Oleschky direkt nach Kriegsbeginn oder nach dem Bruch des Kachowka-Staudamms 2023 verlassen, als große Teile der Stadt überflutet wurden.
Auch wenn die Kämpfe nach Ablauf der Waffenruhe am Sonntagabend mit voller Intensität wiederaufgenommen werden dürften, bezeichnen beide Seiten die Evakuierungsmission als Erfolg. Lubinez, der sich gut gelaunt mit seinem russischen Gegenpart, Jana Lantratowa, zeigte, äußerte die Hoffnung, dass die Erfahrungen aus der humanitären Mission in Oleschky »die Grundlage für einen neuen Mechanismus zur Bewältigung komplexer humanitärer Krisen bilden werden, bei dem die Sicherheit der Menschen und das Recht auf Leben im Mittelpunkt stehen.«
Die Erfahrung von Oleschky habe gezeigt, »dass solche Vereinbarungen es ermöglichen, Menschen selbst unter schwierigsten Bedingungen zu helfen. Es ist wichtig, diese Arbeit dort fortzusetzen, wo die Zivilbevölkerung auf Unterstützung wartet«, lobte Lantratowa ihren ukrainischen Kollegen.
Auch aus dem Kreml gab es Lob für die beiden Menschenrechtsbeauftragten. »Zwischen ihnen hat sich ein guter Dialog entwickelt. Das ist wichtig. Sie fangen langsam an, einander zu vertrauen. Das ist gut für die Menschenrechtsarbeit«, so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Neben viel Lob kommt vor allem aus der Ecke der Kriegsbefürworter in der Ukraine Kritik an Lubinez und dem Waffenstillstand. Auf Facebook wetterte der Publizist und Historiker Wachtang Kipiani gegen Lubinez, vor allem wegen seiner gemeinsamen Auftritte mit Lantratowa. Der Menschenrechtsbeauftragte würde falsche Prioritäten setzen und Russlands Interessen dienen, behauptete Kipiani weiter.
Auch viele Kriegsblogger konnten dem Waffenstillstand nicht viel Positives abgewinnen. Russland würde die Pause nutzen, um seine Stellungen in der Region zu festigen, Soldaten abzulösen und Munition anzuliefern. Frühere Waffenpausen waren an eben jenen (beiderseitigen) Vorwurf gescheitert. Vor allem die »Bild« hatte die Annahme mit nicht belegter Berichterstattung angeheizt. Viele ukrainische Kommentatoren sprangen darauf an. Ihre gemeinsame Schlussfolgerung lautet: »Der Waffenstillstand kommt Russland zugute, nicht der Ukraine – das ist Moskaus Plan.« Belege dafür – wie erwähnt – gibt es nicht.
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