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Tennis | Alexander Zverev: Der lange Weg an die Spitze der Weltrangliste
Mit 29 Jahren hat es der Hamburger aus einer russischen Tennis-Familie ganz nach vorn geschafft. Zurückgeworfen wurde er von Problemen immer wieder.
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Jubel in Wien: Alexander Zverev – die neue Nummer eins Foto: imago/Branislav Racko Am Ende reichte ein Zweitrundensieg gegen Tallon Griekspoor. Nach dem 6:4, 7:5 gegen den Niederländer in Wien stand fest: Alexander Zverev ist die neue Nummer eins der Tenniswelt. Ganz offiziell wird der Hamburger am Montag die Führung in der Weltrangliste übernehmen – und das als erster Deutscher 35 Jahre nach Boris Becker. Gleichzeitig löst er die Legende aus Leimen als Rekordhalter ab: Denn Zverev wird mindestens 13 Wochen an der Spitze stehen. Besser waren hierzulande nur die Frauen: Angelique Kerber führte die Weltrangliste 34 Wochen an, die weltweite Rekordhalterin Steffi Graf insgesamt 377 Wochen.
Zverevs Weg schien vorgezeichnet: Seine Eltern Alexander und Irina spielten ebenfalls professionell Tennis. 1991 zogen sie aus Moskau nach Hamburg, wo Sohn Alexander sechs Jahre später zur Welt kam. Dessen Bruder Mischa, 1987 noch in der Sowjetunion geboren, vertrat den Namen Zverev in der Welt des weißen Sports ebenfalls passabel. Beim Uhlenhorster HC eiferte Alexander ihm nach – und schaffte es auch bei den Junioren bis auf Platz eins der Weltrangliste.
»Manchmal muss man auf die besten Dinge im Leben warten«, sagte Zverev nun nach seinem Sieg in Wien. 2016 gewann er seinen ersten Titel auf der ATP-Tour, eine Dekade später sitzt er im Alter von 29 Jahren auf dem Tennis-Thron. Dort nahm er seit Einführung der Weltrangliste im Jahr 1973 als insgesamt 30. Spieler Platz. Noch elitärer ist der Kreis jener, die sowohl bei den Junioren als auch den Männern die Nummer eins waren: Nur sechs Spielern gelang dies: Ivan Lendl, Stefan Edberg, Marcelo Rios, Roger Federer, Andy Roddick – und Alexander Zverev.
Im Moment des großen Erfolgs blieb Zverev angenehm reflektiert. »Ich wäre ein Idiot, hier zu sitzen und zu sagen, ich wäre so gut wie Jannik Sinner gewesen. Das war ich nicht. Ich war der zweitbeste Spieler, weil Carlos Alcaraz verletzt war und nicht spielen konnte.« Seine größten Konkurrenten, der Italiener Sinner und der Spanier Alacaraz, wurden in diesem Jahr von Verletzungen ausgebremst, 2025 hatten sie noch alle vier Grand Slams unter sich ausgespielt. Aber das Leiden gehört bekanntlich zum Sport dazu. So wird Zverevs Leistungsvermögen ständig von einer Typ-1-Diabetes-Erkarunkung beeinflusst. Fehlende Lebensfreude, Einsamkeit, Erschöpfungszustände – seine mentalen Probleme machte er vor rund einem Jahr öffentlich. Zudem belasten Zverev die Vorwürfe von körperlicher Gewalt durch zwei ehemalige Partnerinnen, die jedoch nie ausreichend bewiesen werden konnten.
Stets dem öffentlichen Interesse ausgesetzt zu sein, ist sicher nicht einfach, in schwierigen Zeiten geht es wohl nicht ohne Mut. Diese Eigenschaft jedenfalls hat Zverev auf dem Tennisplatz noch mal besser gemacht. Gut war er schon immer, davon zeugen zahlreiche Titel und Triumphe wie 2021 beim Olympiasieg in Tokio. Doch jetzt spielt er aktiver und aggressiver. »Ich habe mein Spiel geändert dieses Jahr. Mit 29 Jahren. Ich glaube, das würde nicht jeder machen«, sagte er in Wien und stellte fest: »Das Jahr ist natürlich ein Traum.« Wohl wahr: Seinem lang ersehnten ersten Grand-Slam-Sieg bei den French Open in Paris ließ er in New York bei den US Open gleich den zweiten folgen. Und nun ist er die Nummer eins.
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