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Tag des Kaffees | Kaffeebauern: »Wissen die Kunden, wie hart unsere Arbeit ist?«

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Setzen neuer Kaffeepflanzen – sie haben zunehmend mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Foto: Imago/Dreamstime Wie fühlt es sich an, die Menschen hier in Deutschland zu treffen, die Ihren Kaffee kaufen?

Es ist aufregend, die Menschen zu sehen, die unseren selbst gepflückten Kaffee trinken. In die Läden zu gehen, das Päckchen in der Hand zu halten und festzustellen, dass der Kaffee nicht nur in kleinen Läden, sondern auch in riesigen Märkten verkauft wird. Wir sind an allen Schritten der Kaffeeproduktion beteiligt, von der Saat bis hin zur Ernte. Aber was dann am Ende der Lieferkette damit passiert und wer unsere Konsumenten sind, war uns neu.

Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern produzieren in mühsamer Arbeit den Rohstoff für das beliebte Getränk. Eine dieser Erzeugerinnen ist die 40-jährige Maria Elizabeth Rodriguez aus Nicaragua. Sie leitet die Kooperative Cosatin, die 322 nicaraguanische Produzenten zusammenbringt, um ihren biologischen, fair gehandelten Kaffee in hiesigen Läden zu verkaufen. Auf Einladung der Initiative Partnerschaftskaffee, die sich um bessere Vermarktungsmöglichkeiten für besondere Kaffees von Kleinbauern und Kooperativen aus Lateinamerika bemüht, war sie kürzlich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus El Salvador und Honduras auf Vortragsreise in Deutschland.

Was denken Sie darüber, wie hier Kaffee konsumiert wird?

Ich dachte, dass hier viel mehr Kaffee getrunken wird. Es ist zwar viel, aber ich habe bemerkt, dass der hohe Preis meines biologischen Kaffees ein Problem für die Menschen darstellt. Eigentlich müssten wir als Produzenten inzwischen mehr Geld bekommen, aber hier sehen wir, wie schwierig es ist, diese Art von Kaffee zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Ich frage mich, ob die Kundschaft weiß, wie hart die Arbeit ist, die hinter dem sauberen biologischen Kaffee steckt? Wir kennen den ganzen Prozess in seiner Schwere; es ist schön, dieses Wissen hier auf Augenhöhe weiterzugeben, dafür braucht es das Interesse zu lernen.

Mit welcher Botschaft sind Sie hierher gereist?

Dass die Menschen die Anstrengungen sehen, die wir unternehmen, damit der Kaffee hier landen kann. Und dass der Klimawandel uns alle betrifft. Die Menschen sollen verstehen, was wir schon seit langer Zeit unternehmen, um den Kaffee vor diesem Phänomen zu schützen und warum wir biologisch anbauen.

Wie leben und arbeiten Sie mit dem Klimawandel?

Dieses Jahr haben unsere Kaffeepflanzen mehr als einen Monat zu spät geblüht. Das führt zu verspäteter und geringerer Ernte. Auch die Qualität sinkt. Jedes Jahr wird es weniger. Wir geraten unter großen Druck, weil wir unsere Verträge erfüllen müssen. Wir überlegen uns, was wir dagegen tun können. Eine Strategie ist die Aufforstung von Schattenbäumen. Es werden Bananenstauden neben die Kaffeesträucher gesetzt, die extremen Regen abfedern und als zusätzliches Einkommen neben dem Kaffee dienen sollen.

Die EU-Entwaldungsverordnung bereitet uns Kopfzerbrechen. Es ist schwierig, die ganzen Standards zu erfüllen. Solche Richtlinien sind nicht immer im Sinne der kleinen Produzenten. Auch der steuerliche Kontext in Nicaragua erschwert alles: Wir haben in unserer Kooperative vor Kurzem eine Kaffeeröstmaschine gekauft, so eine Anschaffung kann schnell finanzielle Not mit sich bringen. Es kann auch sein, dass man bei der Produktion draufzahlt – dies ist nicht gängig, aber es passiert.

Sie haben bei Ihrer Reise hiesige kleinbäuerliche Erzeugerinnen und Erzeuger besucht, Obst- und Weinbauern in Süddeutschland zum Beispiel. Wie denken Sie über die Landwirtschaft hier?

Wir waren sehr verwundert, dass es ähnliche Probleme gibt. Zwar ist das Leben anders und der Klimawandel scheint sich hier etwas langsamer zu vollziehen, aber auch hier sind die Bauern von Ungezieferbefall und extremem Wetter betroffen. Wir hier haben uns gegenseitig verstanden gefühlt – am Ende sind wir alle Kleinerzeuger. Besonders gestaunt habe ich über einer sehr jungen Erzeuger. In Nicaragua haben wir ein Problem, die Jungen für den Anbau zu begeistern.

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Source: nd