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Streik | Streikende Hafenarbeiter: Working Class Heros
113 Häfen weltweit: Unsere Kolumnistin feiert den Arbeitskampf als effektives Instrument, um Kapitalismus, Krieg und Rechtsregierungen zu sabotieren.
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Streikende Arbeiter im Hafen von Piräus während eines 24-stündigen Arbeitskampfes in der vergangenen Woche Foto: dpa/Thanassis Stavrakis Danke! Danke! Danke!
An die Arbeiter und Arbeiterinnen, die einen Tag vor Halloween 113 Häfen weltweit zum Stillstand gebracht haben, um – na klar für Arbeitsplatzsicherheit und bessere Löhne, aber vor allem – gegen Krieg zu demonstrieren. Also nicht nur zu demonstrieren, sondern die Maschinerie direkt aufzuhalten. Denn Waffen gelangen nicht von alleine in Kriegsgebiete. Die meisten von ihnen müssen von Euch auf Schiffe verladen werden. Oder eben nicht verladen werden. Vergangenen Freitag habt Ihr geschätzt 50.000 Container aufgehalten. In US-Dollar: fast drei Milliarden.
Und wenn Streik eine Person wäre, wäre er ein Superheld.
Er würde eine gelbe Warnweste und einen Umhang aus Segeltuch tragen. Aber er wäre kein er, sondern er und sie und er und noch viel mehr – ein Schwarm, der sich nur manifestiert, wenn Tausende dasselbe Ziel verfolgen. Leader of the Pack, sozusagen der Super-Superheld, wäre der Generalstreik. Superkraft: Gewaltlosigkeit.
Mithu Melanie Sanyal ist Schriftstellerin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin, Tochter eines indischen Ingenieurs und einer polnischstämmigen Sekretärin, aufgewachsen in Düsseldorf. In ihren Sachbüchern und Romanen – ihr erster: »Identitti« war ein Riesenerfolg, in ihrem zweiten: »Antichristie« geht es um den bewaffneten Kampf gegen das Empire –, in Hörspielen und Essays verhandelt sie Fragen von Feminismus, Rassismus und sexueller Gewalt. Was Mithu Sanyal veröffentlicht, löst Debatten aus, und zwar ergiebige. Sie wird für uns über alles zwischen Alltag, Politik und Literatur schreiben.
Warum ist das wichtig? Weil wir bei Gewaltlosigkeit in der Regel an Hände in den Schoß legen und die Autokraten dieser Welt machen lassen denken. Denkste! Diese Kolumne verwandelt sich ja langsam in eine Sammlung von die-sollte-man-dringend-kennen-Studien. Deshalb ist hier meine absolute Lieblingsstudie: die Chenoweth-Studie.
Die Politikwissenschaftlerinnen Erica Chenoweth und Maria J Stephan haben 323 Widerstandsbewegungen im Zeitraum zwischen 1900 und 2006 untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass gewaltfreie Methoden fast doppelt so häufig erfolgreich waren wie bewaffnete. Nicht nur war die Zahl der Toten und Verletzten deutlich niedriger, auch war die Wahrscheinlichkeit, dass das Land fünf Jahre später noch eine Demokratie war, bei gewaltfreiem Vorgehen zehnmal so hoch.
Das ist eine Studie, die in jeder Schule unterrichtet werden müsste! Ebenso wie gewaltfreie Methoden, besser bekannt als soziale Verteidigung oder ziviler Widerstand. Ein weiterer Superheld, der sich nur manifestiert, wenn Tausende dasselbe Ziel verfolgen.
Das mag ja alles in deiner Fantasiewelt – und bei kleinen Scharmützeln – funktionieren, aber das hier ist die wirkliche Welt und hier hat ziviler Widerstand noch nie ... oh!
Richtig! Der erste Vorstoß der Faschisten in Deutschland, der Kapp-Putsch, wurde 1920 nicht vom Militär verhindert, sondern von einem Generalstreik. Dem größten der deutschen Geschichte. Es gab keinen Zugverkehr, keine Zeitungen, keine Post, die Telefonverbindungen waren unterbrochen, alle Fabriken, sogar die Behörden waren geschlossen. Die Unternehmer dagegen standen dem Kapp-Putsch ... hm ... ergebnisoffen gegenüber und wechselten erst in letzter Sekunde auf die siegreiche Seite.
Seit den apokalyptischen Wahlergebnissen, nein nicht in Berlin, sondern in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, denke ich viel über den Kapp-Putsch nach. Wie wäre es, wenn die Gewerkschaften für den Fall der Fälle einen Generalstreik planen würden? Nur so eine Idee.
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