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Stichwahl | Lula gewinnt Präsidentenwahl in Brasilien

Luiz Inácio Lula da Silva bejubelt ein historisches Comeback, sein rechter Rivale Flávio Bolsonaro will das Ergebnis der Präsidentenwahl anfechten.

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Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und sein Vizepräsidentschaftskandidat Geraldo Alckmin bei einer Siegeskundgebung nach dem Gewinn der Stichwahl Foto: Ettore Chiereguini/AP/dpa Brasília.  Nach einer spektakulären Aufholjagd hat sich Brasiliens linksgerichteter Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva in der Präsidentenstichwahl knapp gegen seinen rechtsgerichteten Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt und sich eine vierte Amtszeit gesichert. Lula bezeichnete seinen Wahlsieg am Sonntag auch als Abstimmung über die Demokratie. Bolsonaro kündigte an, das Ergebnis juristisch anzufechten.

Dem Wahlgericht zufolge entfielen auf Lula bei der Stichwahl 51,8 Prozent der Stimmen, Bolsonaro kam demnach auf 48,2 Prozent. Die erste Wahlrunde Anfang Oktober hatte Bolsonaro überraschend mit 47 Prozent der Stimmen gewonnen, Lula kam auf 45 Prozent. 

Die letzten Befragungen vor der jüngsten Wahl hatten noch Bolsonaro vorn gesehen: Für die Stichwahl sagten Umfragen 51 Prozent der Stimmen für Bolsonaro und 49 Prozent für Lula voraus – ein Abstand innerhalb der Fehlermarge und keinesfalls eine klare Tendenz. Mit seinem Wahlsieg gelang Lula nun eine spektakuläre Aufholjagd. Damit sicherte sich der Linkspolitiker, der kommende Woche 81 Jahre alt wird, eine vierte Amtszeit. »Die Brasilianer sind zur Wahl gegangen, weil es uns gelungen ist, sie davon zu überzeugen, dass die Wahl für die Sicherung der Demokratie sehr wichtig ist«, sagte Lula vor jubelnden Anhängern in São Paulo. Mit heiserer Stimme dankte er zudem »der Großzügigkeit der brasilianischen Jugend«, der er seinen Wahlsieg zuschrieb. 

Die jungen Brasilianerinnen und Brasilianer seien in der Zeit zwischen den beiden Wahlgängen auf die Straße gegangen und hätten sich in den Onlinenetzwerken mobilisiert, um eine »virada« zu erreichen – wie die Brasilianer einen Comeback-Sieg in einem Fußballspiel nennen.

Bolsonaro weigerte sich, Lulas Sieg anzuerkennen. »Es ist unmöglich, das Ergebnis anzuerkennen«, sagte Bolsonaro in Brasília. »Ich werde die Annullierung dieser Wahlen beantragen«, fügte Bolsonaro hinzu. Zur Begründung verwies der konservative Politiker auf die Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale.

Die gerichtliche Verlängerung der Abstimmung war aufgrund von Problemen im öffentlichen Nahverkehr notwendig geworden – was Wähler mutmaßlich an der Stimmabgabe hinderte. Der Richter am Obersten Gerichtshof, Cristiano Zanin, hob die »Schwere der Vorfälle« hervor. 

Lula hatte seine Forderung nach einer Verlängerung der Stimmabgabe damit begründet, dass am Wahltag in mehreren Städten Busse aus dem Verkehr gezogen worden seien. Auch Bolsonaro hatte sich für eine Verlängerung der Stimmabgabe ausgesprochen. Er verwies auf starke Regenfälle im Süden und Südosten Brasiliens, wo er besonders großen Rückhalt genießt.

Die Wahl in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft galt als Richtungsentscheidung. Lateinamerika ist in den vergangenen Jahren durch Wahlen in Argentinien, Chile, Bolivien, Kolumbien und Peru deutlich nach rechts gerückt. Ein Erfolg Flávio Bolsonaros hätte den Rechtsruck auf dem Kontinent weiter vorangetrieben. Durch den Sieg Lulas dürfte Brasilien nun neben Mexiko als große linke Bastion in der Region erhalten bleiben.

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum war unter den ersten Staatschefs, die Lula zu seinem Sieg gratulierten. »Es lebe die Demokratie, das brasilianische Volk hat gewonnen«, schrieb Sheinbaum am Sonntag bei X. »Herzlichen Glückwunsch, Präsident Lula«, fügte sie hinzu. Lula erhielt zudem Glückwünsche von Chiles rechtspopulistischem Präsidenten José António Kast sowie von Ecuadors rechtem Staatschef Daniel Noboa – beide enge Verbündete von US-Präsident Donald Trump.

Lula steht für umfangreiche Sozialprogramme, Klimaschutz durch besseren Schutz des Amazonas-Regenwalds und Multilateralismus. Während seiner dritten Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit im Land deutlich, außerdem bekam er die Inflation in den Griff. 

Lula profilierte sich außerdem damit, dass er den mit Strafzöllen untermauerten Drohungen von US-Präsident Trump trotzte. Den Bolsonaros wirft Lula wegen ihrer Nähe zu Trump vor, sich »unterwürfig« gegenüber den USA zu verhalten. 

Der 45 Jahre alte Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des wegen eines Putschversuchs gegen Lula verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Er sieht sich als politischer Erbe seines rechtsextremen Vaters, gibt sich aber gemäßigter. Jair Bolsonaro war wegen eines geplanten Putsches nach seiner Wahlniederlage 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt worden.  Agenturen/nd

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