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Stichwahl Brasilien | Brasilien: Lula punktet über das linke Lager hinaus

Lulas Charisma wirkt über die Anhängerschaft seiner Partei PT und die Linke insgesamt hinaus. Nur so kann er Wahlen gewinnen. Ein Kommentar.

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Wende geglückt: Anhänger von Luiz Inácio Lula da Silva feiern den Sieg in Brasília. Foto: AFP/Evaristo Sa Lula hat doppelt Geschichte geschrieben: Erstmals hat der Zweite der ersten Runde in Brasilien die Stichwahl gewonnen, und erstmals tritt planmäßig ein Brasilianer eine vierte Präsidentschaft an – am 1. Januar 2027 im Alter von dann 81 Jahren, den Geburtstag feiert er am 27. Oktober.

Außer dem charismatischen Politiker selbst haben nicht mehr viele mit dieser Virada gerechnet – einer Wende, die vor drei Wochen als extrem unwahrscheinlich eingeschätzt wurde. Aber Lula hat es wie 2022 in Kolumbien Gustavo Petro geschafft, Wähler*innen zu mobilisieren. Elf Millionen Stimmen mehr als in der ersten Runde, mehr als vier Millionen Stimmen Vorsprung auf den ultrarechten Flávio Bolsonaro sind ein eindrucksvolles Ergebnis, das Lula vor allem seinen Hunderttausenden Unterstützer*innen verdankt, die – angefangen von den sozialen Medien bis hin zu Wahlkampfständen und Haustürbesuchen – alles für ihn in die Waagschale geworfen haben.

Der Sieg von Lula ist nicht nur eine gute Nachricht für Brasilien, sondern für ganz Amerika und darüber hinaus. Uruguay steht damit nicht allein in Südamerika mit einer progressiven Regierung; Mexiko bekommt in Lateinamerika einen gewichtigen Bündnispartner gegen die Ultrarechte, die in der Region um sich greift. Brasilien bleibt weiterhin eine regionale Macht, die den Multilateralismus verteidigt, die für den Schutz des Regenwaldes eintritt und die sich dem »Schild der Amerikas« verwehrt – dem Bündnis, das Washington mit 14 lateinamerikanischen und karibischen Ländern geschlossen hat und das unverblümt auf das Recht des Stärkeren setzt.

Lula hat einmal mehr gezeigt, wie man über ideologische Grenzen hinweg Wahlen gewinnt. Und danach hat er immer mit vielen Kompromissen regiert, die vielen in der Linken aus guten Gründen nicht schmecken.

Nach seiner Wiederwahl wird Lula in seiner letzten Amtszeit Brasiliens Demokratie verteidigen und festigen müssen, die unter der Amtszeit des ultrarechten Jair Bolsonaro 2019 bis 2023 schwer gelitten hat. Sein Vorgänger sitzt wegen eines Putschversuchs gegen Lulas Wahlsieg 2022 im Hausarrest.

Wer in der Linken Lulas Nachfolger werden könnte, ist die Frage, die parallel zu seiner letzten Amtszeit beantwortet werden muss. Sie gehört zu den vielen Herausforderungen, denen sich Lula zum Ende seiner phänomenalen politischen Karriere stellen muss. Denn ein Vakuum will er sicher nicht hinterlassen.

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