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Sterbebegleitung | Letzte Hilfe – Am Ende wissen, wie es geht
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Eine Kerze brennt zur Trauer nach dem Tod eines Menschen in einem Hospiz. Foto: dpa/Birgit Reichert Wenn ein Mensch stirbt, zieht er sich mitunter immer mehr zurück. Er lehnt Besuche ab, verliert das Interesse an Essen und Trinken und schläft immer mehr. Angehörige fragen sich: Wie soll ich mit der Situation umgehen? »Man muss akzeptieren, wenn schon Handhalten nicht mehr gewünscht wird«, sagt Ingrid Stork als Leitende in einem »Letzte-Hilfe-Kurs« in Trier.
Sie schildert, wie sich der Atem bei Sterbenden verändert. Und wie belastend Atemaussetzer für Angehörige sind. Der Sterbeprozess sei bei jedem anders, aber: »Der letzte Sinn des Menschen, der geht, ist das Gehör. Und deshalb der Hinweis: Man sollte sich immer gut überlegen, welche Gespräche man am Bett eines sterbenden Menschen führt«, sagt Annika Robling, Gesundheits- und Krankenpflegerin im Hospiz Trier, die den Kurs mit Stork leitet. Der Kurs wolle »Menschen ermutigen, an der Seite der Sterbenden zu bleiben, statt sich, oftmals aus Angst vor dem, was kommen könnte, abzuwenden.«
Die Teilnehmerinnen im Kurs sind gekommen, weil sie mehr über Tod und Sterben wissen wollen. »Meine Mutter ist im Januar gestorben und im Moment begleite ich meinen Freund, der schwer krank ist«, sagt Rita. Sie suche Austausch, wolle Tipps und Hinweise von erfahrenen Menschen bekommen.
Renate sagt, sie habe schon mehrere Menschen bis zum Tod begleitet. »Manchmal bin ich ratlos, wie man eine Situation vielleicht besser anpackt.« Sie fühle sich alleingelassen, wenn man mit keinem wirklich darüber reden könne. Der Kurs schließt genau diese Lücke: »Wir wollen die Scheu nehmen, dass sich Menschen mit dem Thema beschäftigen«, sagt Robling. Und dazu beitragen, dass sich Menschen besser vorbereitet fühlen. Das Wissen, wie man Menschen begleite, sei verloren gegangen, meint sie. »Früher ist in den Familien gestorben worden.«
Um dieses Wissen zurückzugewinnen, bietet die gemeinnützige Organisation Letzte Hilfe Deutschland bundesweit Kurse an. Der erste fand 2015 in Schleswig statt, heute gibt es 6000 Kursleitende quer durch die Republik, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Filipa Sickmüller sagt.
Die Idee hatte Palliativmediziner Georg Bollig. Er habe gesagt: »Letzte Hilfe ist genauso wichtig wie Erste Hilfe.« Laut Sickmüller gibt es heute Kurse in fast 20 Ländern – in Europa, aber auch in Brasilien und Australien. »Wir sind groß geworden.« In Deutschland werden sie oft im Hospiz angeboten, aber auch in Unternehmen. »Auch in einem Café können wir darüber sprechen. Der Tod gehört ja zum Leben dazu.«
Für Robling ist es ganz wichtig, dass man auf die Bedürfnisse und Wünsche der Sterbenden eingeht. Wenn jemand Ruhe wolle, sollte man das akzeptieren. Das Lieblingsessen kochen oder einen Geburtstag feiern, wenn das gewollt ist. »Man sollte versuchen, das Beste aus jedem Moment zu machen. Was nicht heißt, dass es immer schön ist.«
Immer mehr Menschen wollten zu Hause sterben. Dabei gebe es etliche Angebote zur Unterstützung, erzählt Trauerbegleiterin Stork. Beispiel sei die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, die einen ambulanten Hospizdienst in den eigenen vier Wänden ermöglicht. Ärzte und Pflegekräfte sind rund um die Uhr erreichbar. »Viele kennen das Angebot nicht«, sagt Stork.
Der Kurs beinhalte auch Informationen zu regionalen Anlaufstellen und Hilfsangeboten, biete Hinweise zu der Zeit nach dem Tod und zum Umgang mit Trauer sowie Hinweise zur Bestattung. Vorkenntnisse brauche man keine.
Wie man Menschen beim Sterben noch etwas Gutes tun könnte? Airsprays oder Duftlampen kämen oft gut an, erzählt Robling aus ihrer Erfahrung aus sieben Jahren Arbeit im Hospiz. Aromaöle seien angenehm auch bei Massagen und zur Mundpflege. »Der Mund ist oft trocken und das ist gut zum Befeuchten.«
Wenn gewünscht, könne man aber auch ein Schwämmchen in Wasser, Kaffee, Tee, Prosecco oder Caipirinha tauchen und dann den Mund damit betupfen. »Es ist alles erlaubt, was Freude macht.«
Und niemand müsse Profi sein, sagt Stork. »Wenn man in die letzten Tage und Wochen geht, dann ist es einfach gut, jemanden an der Seite zu haben.« dpa/nd
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Source: nd