Faultline Faultline Kommando 161

Germany · nd · · 2h

Stellenabbau | Elektroriese Media Markt plant Personalstreichung

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Angestellte, die gehen sollen, seien »kurzfristig und ohne Vorankündigung« zu Gesprächen eingeladen worden, um über Aufhebungsverträge zu sprechen, so Verdi. Foto: IMAGO/Eibner Trotz sprudelnder Umsätze in den ersten neun Monaten dieses Geschäftsjahres will die Elektronikkette Media Markt und Saturn mit rund 17.000 Mitarbeitenden in Deutschland Stellen streichen. Der Konzern mit Sitz in Düsseldorf beteuert auf nd-Anfrage, dass es keinen Zusammenhang mit der geplanten Übernahme durch den chinesischen Onlineriesen JD.com gebe. Verdi sieht das anders. »Wenn Investoren oder neue Eigentümer höhere Renditen erwarten, wird häufig zuerst beim Personal gespart«, steht in einem Flugblatt der Dienstleistungsgewerkschaft.

Noch streiten sich die chinesische Regierung und Brüssel über die Übernahmedetails und behördliche Genehmigungen. Eigentlich sollte der Deal bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres über die Bühne gehen.

Deutschlands größer Elektrohändler, Media Markt und Saturn, dessen Muttergesellschaft die Ceconomy AG ist, teilt »nd« mit: »Durch die Transaktion mit JD.com werden keine Arbeitsplätze abgebaut.« Aber ein eindeutiges Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen gibt es auch nicht. Vielmehr schaue sich das Unternehmen »regelmäßig an, wo wir investieren und wo wir Kosten sparen können«.

An anderer Stelle spricht Ceconomy davon, »mehr Kundennähe« schaffen zu wollen, indem es mehr Kapazitäten in »Beratung, Verkauf und Service« einsetzen will. Dafür soll es künftig »klarere Verantwortlichkeiten und einfachere Strukturen« geben.

»Wer nicht schnell unterschreibt, soll finanzielle Nachteile haben.«

Nach Informationen der Gewerkschaft Verdi will Media Markt-Saturn »je nach Marktgröße« Arbeitsplätze abbauen. Führungs- und Koordinierungsebenen zu reduzieren und Aufgaben auf weniger Schultern zu verteilen, sei das erklärte Ziel, so Verdi.

Verdi kritisiert nicht nur die Abbaupläne, sondern auch die Vorgehensweise von Ceconomy. Angestellte, die gehen sollen, seien »kurzfristig und ohne Vorankündigung« zu Gesprächen eingeladen worden, um über Aufhebungsverträge zu sprechen. »Wer nicht schnell unterschreibt, soll finanzielle Nachteile haben«, steht in dem Flugblatt. Verdi warnt Betroffene davor, leichtfertig Aufhebungsverträge zu unterschreiben.

JD.com mit Sitz in Peking hatte laut Verdi noch im vergangenen Jahr versichert, das Filialnetz für mindestens drei Jahre zu erhalten, keine Arbeitsplätze abzubauen und die Tarifbindung zu respektieren. Aufgrund der jüngsten Abbaupläne meldet die Gewerkschaft jetzt Zweifel daran an.

Laut Ceconomy-Chef Remko Rijnders diktiere JD.com den anstehenden Stellenabbau nicht. Vielmehr sei es so, dass Ceconomy sich »von JD.com nicht vorschreiben lässt, ob und wo wir Stellen streichen«. Die Frist für das Angebot von JD.com sei der 10. November. Wenn bis dahin die behördlichen Freigaben der EU-Komission nicht da sein sollten, sei »der Deal hinfällig«. Die Behörden haben laut Rijnders aber signalisiert, dass es rechtzeitig eine Antwort geben wird.

Die EU-Kommisson prüft seit mehr als einem Jahr, ob JD.com den geplanten milliardenschweren Kauf von Ceconomy-Aktien mithilfe des chinesischen Staates finanzieren werde. Das wären nach europäischem Recht unzulässige Subventionen, die den Wettbewerb auf dem EU-Binnenmarkt verzerren könnten. China wirft der EU inzwischen vor, »umfangreiche und unnötige Informationen« zu sensiblen Daten einzufordern und droht mit Gegenmaßnahmen, falls sie die Untersuchungen fortsetzt. 

Aber nicht nur aus Brüssel kommt Gegenwind. In Österreich, wo Media Markt-Saturn ebenso vertreten ist, läuft eine Investitionsprüfung. Die Regierung beurteilt die Folgen für öffentliche Ordnung und nationale Sicherheit bei einer möglichen chinesischen Übernahme. Auch Wien muss den Deal absegnen, damit dieser finalisiert werden kann.

Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:

→ unabhängig und kritisch berichten → übersehene Themen aufgreifen → marginalisierten Stimmen Raum geben → Falschinformationen etwas entgegensetzen → linke Debatten voranbringen

Mit »Freiwillig zahlen« machen Sie mit. Sie tragen dazu bei, dass diese Zeitung eine Zukunft hat. Damit nd.bleibt.

Read the full story at the source

Source: nd