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Sozialismus | Letzte Ruhestätte von Rosa Luxemburg ein Ort der Demokratie

Am Zentralfriedhof Friedrichsfelde wird eine Plakette angebracht, an die Arbeiterbewegung erinnert und die DDR geschmäht

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Während der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung im Januar 2025 Foto: dpa/Sebastian Gollnow Das Nationaltheater in Weimar ist 1919 der Geburtsort der Weimarer Republik gewesen und deshalb als Ort der Demokratie genauso anerkannt wie das Elternhaus der Sozialistin Clara Zetkin im sächsischen Wiederau. In Berlin ist der Alexanderplatz ein Ort der Demokratie, weil er während der Revolution von 1848 Straßenkämpfe erlebte und am 4. November 1989 eine friedliche Kundgebung für Presse-, Meinungs-, Reise- und Versammlungsfreiheit sowie für freie Wahlen. Geschätzt eine halbe bis eine Million Teilnehmer zählte diese Kundgebung, die live im Fernsehen übertragen wurde.

Eine Stiftung des Bundes vergibt Plaketten, die Orte in Deutschland kennzeichnen, an denen die Demokratie errungen, verteidigt, eingefordert oder gestaltet wurde. In der Hauptstadt gibt es solche Plaketten unter anderem auch für das Lette-Haus, wo im März 1894 die Gründung des Bundes Deutscher Frauenvereine beschlossen wurde, und für das Schloss Schönhausen, in dem ab Ende Dezember 1989 der Zentrale Runde Tisch der DDR tagte. Nun erhält am kommenden Montag auch die auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde gelegene Gedenkstätte der Sozialisten eine solche Plakette. Sie soll am Nachmittag an der Toranlage enthüllt werden. Angekündigt sind Reden von Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) und Umweltstadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne).

In einer interaktiven Karte der Orte der Demokratie ist die Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung als solche bereits verzeichnet. Im begleitenden Text heißt es, der im Mai 1881 eröffnete Friedhof in Friedrichsfelde habe sich seit der Beisetzung des SPD-Gründervaters Wilhelm Liebknecht im Jahr 1900 zur bevorzugten Begräbnisstätte führender Vertreter der deutschen Arbeiterbewegung entwickelt. 150.000 Menschen hatten sich seinerzeit dem Trauerzug angeschlossen. Am 15. Januar 1919 wurde Wilhelm Liebknechts Sohn Karl Liebknecht von rechten Freikorpssoldaten ermordet. Als er zehn Tage später in Friedrichsfelde beerdigt wurde, folgten seinem Sarg 100.000 Menschen. Noch einmal 100.000 Trauernde kamen im Juni jenen Jahres zur Beisetzung von Rosa Luxemburg, deren in den Landwehrkanal gestoßene Leiche im Januar noch nicht entdeckt war. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatten zum Jahreswechsel die KPD gegründet. Es gehe auch darum, so der Erläuterungstext, »eine kritische Auseinandersetzung mit dem ideologischen Selbstverständnis der DDR und dessen Auswirkung auf die Erinnerung an die Arbeiterbewegung anzuregen«.

Die Tradition der alljährlichen Liebknecht-Luxemburg-Ehrung brach in den 1990er und 2000er Jahren nicht ab. Immer wieder strömten damals 100.000 Menschen zur Gedenkstätte der Sozialisten, um rote Nelken niederzulegen. Eine Nachrichtenagentur verwendete in ihren Berichten darüber jahrelang immer aufs Neue haargenau denselben Satz, in der DDR sei dieses Gedenken »zum Ritual erstarrt« gewesen.

Ganz erstarrt kann es aber nicht gewesen sein. Denn im Januar 1988 beriefen sich DDR-Oppositionelle auf einen Satz, den Rosa Luxemburg zweifelnd mit Blick auf die russische Revolution geschrieben hatte: Freiheit sei immer die Freiheit der Andersdenkenden. Die Oppositionellen bastelten nun eigene Transparente für die Liebknecht-Luxemburg-Ehrung – und wurden verhaftet. Vera Lengsfeld wurde verurteilt und in den Westen abgeschoben. Sie war dann ab 1990 Bundestagsabgeordnete der Grünen, wechselte 1996 zu CDU und blieb noch bis 2005 im Parlament.

Heute bewegt sich Lengsfeld im Dunstkreis der AfD. Auf ihrer Internetseite warnt die 74-Jährige vor einer rot-grün-roten Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus. Es kämen »schwere Zeiten auf Deutschland zu«, schreibt sie. »Im Augenblick laufen Vorbereitungen, die französischen Krawalle nach Deutschland zu ziehen.« Die Polizei bereite sich auf Ausschreitungen vor, die es so sicher geben werde wie das Amen in der Kirche. »Der Brandbeschleuniger liegt mit Hilfe von SPD und Grünen in Berlin schon bereit.«

Derweil plant das Bündnis LL-Demo für den 10. Januar 2027 seine Liebknecht-Luxemburg-Demonstration vom U-Bahnhof Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten. »Wir werden am 10. Januar 2027 in Erinnerung an Rosa und Karl friedlich unsere Standpunkte und Forderungen bekunden«, heißt es im bereits veröffentlichten Aufruf. Im Blick behält das Bündnis die Dauerbaustelle auf dem Friedhofsvorplatz, welche die Demonstration im Januar der Jahre 2025 und 2026 gefährdete und behinderte, aber nicht verhindert hat.

Nach Auskunft des zuständigen Bezirksamts Berlin-Lichtenberg soll die Baumaßnahme auch den kommenden Januar noch nicht beendet sein. »Der aktuelle Bauzeitenplan sieht eine Fertigstellung des Vorplatzes bis April 2027 vor«, antwortete eine Referentin von Umweltstadträtin Keküllüoğlu auf nd-Nachfrage. »Der Vorplatz ist bis Januar 2027 nicht vollständig fertiggestellt. Entsprechend wird die Zugänglichkeit über die Platzfläche nicht uneingeschränkt möglich sein. Die Durchführung des Gedenkens an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist allerdings sichergestellt.«

Das deckt sich mit den Informationen von Ellen Brombacher vom LL-Bündnis. Sicherheitshalber will das Bündnis im November nachsehen, wie die Bauarbeiten voranschreiten. Nachdem sich auf der Baustelle lange Zeit überhaupt nichts getan hatte, gebe es derzeit keine weiteren Verzögerungen, versichert das Bezirksamt. Dann hätte die Zitterpartie endlich ein Ende.

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Originally published bynd
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