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Sorben | Tracht des Jahres: Schwarz, weiß und vielfältig
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) empfängt Ostersängerinnen aus der Niederlausitz in der Potsdamer Staatskanzlei.
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Die Ostersängerinnen in der Staatskanzlei von links: Marion Knorr, Romy Ruff, Nadine Adam, Stephanie Bierholdt, Diana Schuster und Astrid Schramm Foto: dpa/Britta Pedersen »Chwalśo Kněza!« (Lobet den Herrn). Das singen sechs Frauen auf Sorbisch und Deutsch. Sie stehen am Mittwoch auf der Bühne des Brandenburg-Saals in der Potsdamer Staatskanzlei und tragen schwarze und weiße Röcke, Jacken und Hauben. Welches Kleidungsstück schwarz ist und welches weiß, und ob hinten noch ein Stück grüner oder blauer Stoff in den Rock eingenäht ist, hängt davon ab, aus welchem Ort die Sängerinnen kommen und ob sie schon sechs Wochen vor Ostern singen, am Karfreitag oder zur Auferstehung von Jesus Christus am Ostersonntag.
2011 habe man den Brauch des Ostersingens in der Niederlausitz wiederbelebt, erzählt Diana Schuster. Das sei gar nicht so einfach gewesen. Historische Fotos lieferten oft keine eindeutigen Hinweise, wie die Tracht an welchem Tag auszusehen hatte. Gewährsfrauen, die sich noch erinnerten, lebten nicht mehr viele. Und wenn die Enkel fragten, »Oma, wie habt ihr das damals gemacht?«, dann kamen unter Umständen von drei alten Frauen drei unterschiedliche Antworten.
Eine der Frauen auf der Bühne ist aus dem sächsischen Rohne. Dort werde wie anno dazumal die ganze Nacht durch bis zum Morgengrauen des Ostersonntags gesungen. In der brandenburgischen Niederlausitz – in Jänschwalde, Gulben, Werben und Sielow – werde das heutzutage so nicht mehr gemacht, erzählt Schuster. »Wir fangen um vier Uhr früh an.«
Die Tracht der sorbischen Ostersängerinnen ist zurzeit Tracht des Jahres, so wie es 2013 bereits die ebenfalls sorbische Niederlausitzer Festtagstracht gewesen ist und 2017 als dritte Tracht aus Brandenburg die Fläming-Tracht. »Brandenburg steht zum dritten Mal auf dem Siegerpodest, noch dazu mit einer Tracht aus meiner engeren Heimat«, freut sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der in Forst im Lausitzer Braunkohlerevier zu Hause ist.
»Eine Tracht ist mehr als Stoff und ein paar Bänder«, sagt Woidke am Mittwoch, als er die Ostersängerinnen in der Staatskanzlei empfängt. »Eine Tracht steht für Heimatverbundenheit, eine Tracht steht für Geschichte.« Sie stehe auch für Zukunft, ist der Ministerpräsident überzeugt. »Es gibt Hoffnung.« Viele Jahre drohte die niedersorbische Sprache und Kultur auszusterben. Doch jetzt lernen wieder mehr junge Leute diese nur noch selten verwendete slawische Sprache. Das erfuhr Woidke am Dienstag von Dawid Statnik, dem Vorsitzenden des sorbischen Dachverbands Domowina.
Neben den sechs Ostersängerinnen sowie vielen Männern und Frauen in Fläming-Tracht sind auch Andrea Pursche und andere gekommen, die die Niedersorbische Festtagstracht angelegt haben. Was es gebracht habe, dass diese Festtagstracht 2013 die damals achte Tracht des Jahres war? Es habe »ein Sichtfenster geöffnet« und den Tourismus im Spreewald gestärkt, sagt Pursche. Sie muss es wissen. Sie ist in der Touristenformation von Lübbenau für das Marketing zuständig. Pursches Haube ist besonders groß, bunt und festlich – ein Hingucker!
»Wir tragen Heimat auf der Haut.«
Im Deutschen Trachtenverband sind 5000 Vereine mit zusammen einer Million Mitgliedern organisiert. »Wir tragen Heimat auf der Haut«, erklärt Verbandspräsident Knut Kreuch in Potsdam – und beschwert sich, dass der Heimatbegriff oft missbraucht werde. Kreuch ist Sozialdemokrat und Oberbürgermeister von Gotha in Thüringen. Brandenburg habe nur einen kleinen Trachten-Landesverband in »unserem zum Glück wiedervereinigten Vaterland«, berichtet Kreuch. Umso bemerkenswerter, dass drei von inzwischen 21 deutschen Trachten des Jahres von hier seien.
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