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Smarte Ringe | Der Oura-Ring
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Tanz mir den Selbstoptimierungswahn Foto: julien Tromeur / Unsplash Meine Freundin macht gerade bei einer Studie mit, bei der sie für zwei Wochen einen sogenannten »Oura-Ring« trägt. Ein Marktführer der Smart-Ringe, die Tag und Nacht getragen werden und allerhand Körperdaten aufzeichnen: Sie messen körpereigene Herzfrequenz, Temperatur, Schlaf und generelle Bewegungsaktivität.
Die Gesundheitsdaten werden anschließend in eine App übertragen und übersichtlich zusammengestellt: Wie lange war ich in der Tiefschlaf-, Leichtschlaf- oder REM-Phase? Wann am Tag war mein Stresslevel außergewöhnlich hoch, wann war ich besonders entspannt? Die App erstellt daraus ein Profil und kommt mit freundlichen Ratschlägen um die Ecke, wie etwa: Heute vielleicht ein bisschen früher ins Bett, wenn du es schaffst, liebe XY?
Eigentlich spannend – und irgendwie auch praktisch. Wobei ich mir denke: Dass ich schlecht geschlafen habe, merke ich meistens selbst. Und wer seinen Stress erst durch eine App angezeigt bekommen muss, sollte vielleicht zur Abwechslung mal auf den eigenen Körper hören.
An dieser Stelle widmet sich Leni Karrer der bezahlten Care-Arbeit und schreibt alle zwei Wochen über Phänomenales aus Popkultur, digitaler Welt und Feminismus.
Eine andere Bekannte und ihre gesamte Familie tragen ein »Whoop-Band«, im Grunde dasselbe Prinzip wie beim Ring. Dort kann man allerdings zusätzlich in der App eine Gruppe erstellen und die Daten vergleichen. Die Freundin sieht also jederzeit, wie viel ihre Schwester und ihr Vater geschlafen haben. Schon allein der Gedanke daran, dass nicht nur ich, sondern auch andere meinen Schlaf überwachen, macht mir leider Herzrasen.
Doch die Smart-Firmen werben mit lebensverändernder Gesundheitsoptimierung: »Deinen Körper zu verstehen ist nur der erste Schritt«, heißt es auf der Website, und »Oura […] gibt dir proaktive Empfehlungen und verbindet dich bei Bedarf mit der passenden medizinischen Fachkraft.«
Gesund leben zu wollen ist nicht neu und natürlich nicht verwerflich, aber heutzutage muss Gesundheit scheinbar sicht- und vor allem messbar sein.
Deutlich wird das unter anderem auch auf Social Media, wo der Optimierungs- und Mess-Wahn inzwischen sämtliche Lebensbereiche unterwandert hat: Ernährung, Sport, Beziehungen. So etablieren Influencer*innen Morgen-, Frühstücks- und Abendroutinen, zählen Kalorien und Kilometer, essen antientzündlich oder gleich »Anti-Krebs«, und bewerben den neuen Trendsport Hyrox, der auf maximale Auslastung zielt. Die Autorin Marie Joan nennt diese Bewegung »Health Maxxing«.
Während man früher eher gezeigt hat, was man besitzt, zeigt man heute, wie diszipliniert man ist. Und das geht eben besonders gut mithilfe von Daten. Ein Beispiel dafür ist auch der Boom der Lauf-App »Strava«, die nach dem Joggen die Strecke aufzeichnet und anschließend gepostet werden kann, fast wie ein »Beweisfoto«.
Was steckt hinter diesem Bedürfnis, den eigenen Körper beständig zu kontrollieren und zu optimieren? Vielleicht geht es doch weniger ums gesünder Leben, sondern eher darum, weniger Angst zu haben. Denn wenn wir unseren Körper ständig im Blick behalten, scheint er weniger unberechenbar. In unserer teilüberfluteten Welt ist der Wunsch nach Sicherheit groß – und Daten liefern diese vermeintliche Sicherheit.
Doch jüngst steht die Firma Oura vor Gericht: Kläger werfen dem Unternehmen vor, die Schlafdaten lediglich mithilfe von Algorithmen und künstlicher Intelligenz zu schätzen – dass die Sensoren des Rings gar nicht imstande seien, die körperlichen Aktivitäten so präzise zu erfassen.
Also doch alles Unfug? Dann bin ich ja froh. Am Abend liege ich neben meiner Freundin im Bett und schlafe erstaunlich schlecht. Am nächsten Morgen schaut sie auf ihren Ring. Die App sagt sinngemäß: Nimm dir Zeit für Erholung.
Ich war zunächst amüsiert. In der folgenden Nacht schlief ich hervorragend – und am Morgen war ich plötzlich gespannt auf die Auswertung. Ich konnte es kaum erwarten, zu erfahren, was der Ring zu meiner Nacht zu sagen hatte: »Effizienz: Optimal. Mach so weiter, und du bekommst die Ruhe, die du brauchst.«
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Source: nd