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Serie »Droneland« | Kontrolle aus der Luft

Die Serie »Droneland« erzählt von einem europäischem Über­wachungs­staat, der Kriege führt und jeden Winkel der Gesellschaft ausleuchtet.

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Sibel Kekilli (r.) im Exoskelett. Es muss ja nach Zukunft aussehen. Foto: dpa/Felix Abraham Sobald Europol-Ermittler Aart Westerfeld (Oliver Masucci) nach oben schaut, sieht er einen Himmel voller Drohnen. In der Near-Future-Dystopie-Serie »Droneland« sind Drohnen ein allgegenwärtiges Phänomen. Der öffentliche Raum wird flächendeckend überwacht, kartografiert, alles wird gespeichert und ist später per KI-gestützter Datenbank abrufbar. Die Polizei begutachtet Tatorte in virtuellen 3D-Räumen, in denen das Geschehen vor- und zurückgespult werden kann.

Aart Westerfeld muss zusammen mit seiner Kollegin Nina Bittmann (Sophie Mousel) in einem Mordfall ermitteln, bei dem ein EU-Politiker umgebracht wurde. Wahrscheinlich waren die Täter eine Gruppe internationaler Terroristen namens »Sons of the Night«, die auch gerade erst einen Anschlagversuch auf den EU-Präsidentschaftskandidaten verübt haben. Je weiter die beiden Beamten ermitteln, auf desto mehr Widerstände stoßen sie. Hatte der ermordete Politiker Geheimdienstkontakte? Versucht hier jemand etwas zu verbergen? Stecken womöglich die EU-Behörden mit drin? Irgendwann erklärt den beiden Ermittlern ihre Vorgesetzte, gespielt von Sibel Kekilli, die in einem Exoskelett-Anzug durch die Behörde läuft, dass sie von einigen Datensätzen besser die Finger lassen sollten.

Der von Magenta TV und ZDF koproduzierte Sechsteiler »Droneland« basiert auf Tom Hillenbrands Roman »Drohnenland«, für den er 2015 den renommierten Kurd-Laßwitz-Preis erhielt. Hillenbrand, ehemaliger »Spiegel«-Redakteur, schreibt seit einigen Jahren Science-Fiction- und Krimiromane am Fließband, die zwar keine großen literarischen Highlights sind, aber sehr gut und pointiert die Möglichkeiten und Gefahren technologischer Entwicklungen in fiktionalisierter Form ausloten.

Die so drängenden Themen KI und Drohnen spielen in Hillenbrands Büchern eine große Rolle. Vor zehn Jahren, als der Roman erschien, hatten die Drohnen noch lange nicht die brisante Aktualität wie heute. Wobei es in »Droneland« vor allem um den fast schon perfektionierten Überwachungsstaat geht, ganz ähnlich wie es zuletzt auch das Serien-Remake »Smillas Gespür für Schnee« inszeniert hatte, wo Drohnen allenthalben durch die Luft fliegen und ein autoritärer Staat damit seine Bürger diszipliniert.

Drohnen dürften in nächster Zeit im Science-Fiction-Genre eine immer größere Rolle spielen.

»Droneland« bietet auch gleich noch ein komplexes World-Building. Die terroristische Bedrohung in dieser 2040 spielenden Geschichte ist Folge kolonialer »Solarkriege«, die die EU mit nordafrikanischen Ländern führte. Auch das ist ein in der Science-Fiction derzeit immer wieder bemühter Stehsatz, wie er auch in Luise Meiers Roman »Hyphen« (2024) vorkommt, wo das moderne Europa und Deutschland im Zuge ökologischer Technologien neue Kolonialregime errichten. Angesichts derzeitiger Debatten um eine europäische Verteidigungspolitik ist auch das aktueller, als es vor Jahren vorstellbar schien.

»Droneland« erzählt das alles als futuristische Dystopie, die ästhetisch an »Blade Runner« oder »Children of Men« erinnert. Es kommen Polizeicheckpoints vor, wo Riot-Cops wahllos Menschen verprügeln, genauso große militante Demos, heruntergekommene Viertel, eine Widerstandsbewegung und ein unangreifbar scheinender Tech-Mogul, der in einem science-fiction-mäßigen Villenkomplex mitten in der Ostsee lebt. Dazu gibt es Rückblenden in Westerfelds Vergangenheit als Soldat, wo er an einem nicht beabsichtigten Massaker an der Zivilbevölkerung in einem nordafrikanischen Land teilnahm.

Streckenweise wirkt »Droneland« dann aber auch wieder wie ein ganz biederer »Tatort«, in dem zwei Kommissare brav ihrem Fall nachgehen. Die internationale Produktion kann zwar nicht mit Hollywood-Filmen mithalten, ist aber weit von der europäischen Low-Budget-Arthouse-Science-Fiction entfernt. Ein wenig erinnert das an den französischen Science-Fiction-Film »Zone 3« (2025), in dem ebenfalls alle naselang bewaffnete Drohnen durch die Luft sausen. Wobei »Droneland« aus der Perspektive kritischer Polizisten erzählt wird, der Film aus Frankreich dagegen den Figuren des Widerstands etwas mehr Raum gibt.

Drohnen dürften in nächster Zeit im Science-Fiction-Genre eine immer größere Rolle spielen. Wobei nicht alles, was in der Literatur passiert, im massenkompatiblen Film ankommt. William Gibsons in dieser Hinsicht wegweisender Roman »Peripherie« wurde zwar von Amazon als Serie verfilmt, nach einer Staffel aber wieder abgesetzt. Im Januar wartet Apple TV mit einer Adaption von Gibsons Opus magnum »Neuromancer« auf, in dem es zwar vor allem um den virtuellen Raum geht (der Autor verwendete in dem Buch vor über 40 Jahren als Erster den Begriff Cyberspace), aber auch dort werden allenthalben Drohnen zu sehen sein. Das Gleiche gilt für »Blade Runner 2099«, eine Serie, die im November anläuft und den SF-Klassiker fortschreibt – ganz zeitgemäß mit weiblicher Hauptperson.

Drohnen sind also präsent wie nie. Wobei sie in der filmischen Fiktion fast immer nur Werkzeug einer autoritären Überwachung und militarisierter Polizeiarbeit zur Aufstandsbekämpfung sind. Ob es da auch mal utopische Möglichkeiten für humanitäre Aktionen oder für den Widerstand gegen autoritäre Bevormundung gibt, bleibt abzuwarten.

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