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Südpazifik | Klimadebatte in Fidschi: »Wir müssen die Stimmen der Gemeinschaften hören«
Umweltaktivistin AnneMary Raduva über die Klimadebatte in Fidschi, die Rolle der Jugend und ihre Erwartungen an die COP 31.
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Zerstörung nach dem Zyklon »Winston« in Fidschi Foto: AFP/Fiji Government Wie sind in Ihrer Heimat die Auswirkungen des Klimawandels?
Wir erleben schwere Stürme, heftige Regenfälle und Zyklone. Besonders erinnere ich mich an den Zyklon »Winston« 2016. Die starken Winde und Regenfälle sowie die aufgewühlte See machten meiner Familie und mir große Angst. Im Rahmen eines Klima-Workshops besuchten wir ein paar Jahre später mit der »Alliance for Future Generations Fiji« verschiedene betroffene Gemeinden. Obwohl »Winston« schon viele Jahre zurücklag, erinnerten sich die jungen Leute noch genau an ihre Angst und ihre Erlebnisse. Die Menschen brauchen weiterhin Unterstützung, doch ihre psychische Gesundheit wird von den Verantwortlichen nicht ausreichend berücksichtigt.
Wie diskutieren die Menschen in Fidschi über den Klimawandel?
Die Debatte hat sich verändert. Früher ging es stärker um persönliche Erfahrungen und die Zusammenarbeit in den Gemeinden. Heute wird das Thema zunehmend politisiert und der Fokus liegt oft auf Geld. Wir wissen, dass etwas getan werden muss. Viele Menschen reagieren aber erst dann, wenn sie unmittelbar sehen, wie ihre Häuser von Extremwetter und dem steigenden Meeresspiegel bedroht werden.
AnneMary Raduva ist eine Jugend- und Umweltaktivistin aus dem Inselstaat Fidschi im besonders vom Klimawandel betroffenen Südpazifik. Die 22-Jährige wurde schon mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet und 2025 vom UN-Entwicklungsprogramm als »Student Ambassador« berufen. Bei der Parlamentswahl Anfang 2027 tritt sie als Kandidatin der Social Democratic Liberal Party an, die sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung und die Stärkung traditioneller Institutionen einsetzt.
Vom Meer kommt natürlich nicht nur Unheil. Was bedeutet der Ozean persönlich für Sie?
Als Menschen im Pazifik sind wir eng mit dem Ozean verbunden. Er versorgt uns mit Nahrung und beherbergt eine enorme Vielfalt an Meereslebewesen. Für mich ist diese Verbindung zudem familiär geprägt. Mein Großvater Ma’piga Jimi war Fischer. Er wusste, wie Gezeiten und Mondphasen den Fischfang beeinflussen und wann welche Arten zu finden sind. Dieses Wissen wurde über Generationen weitergegeben. Wenn ich auf das Meer schaue, denke ich an ihn und er erinnert mich daran, verantwortungsvoll mit dem Ozean umzugehen.
Wie hat Ihr Engagement für den Umweltschutz begonnen?
Das war 2018. Ich war damals 14 Jahre alt, als ich auf You-Tube ein Video von einem Vogel sah, der durch ein Ballonfragment verendet war. Das hat mich sehr bewegt. Meine Familie und ich hatten bereits regelmäßig Strände gereinigt und dabei immer wieder Reste von Partyballons gefunden, die bei uns auf Fidschi sehr beliebt sind. Viele konzentrieren sich auf Plastik- und Styroporabfälle im Meer und vergessen dabei, dass auch diese Luftballons für die Umwelt äußerst gefährlich sind. Wir starteten dann die Kampagne »Say NO to Balloon Releasing« (Sag NEIN zum Steigenlassen von Luftballons).
Welche Rolle spielen junge Menschen bei der Umwelt- und Klimadebatte?
Junge Aktivisten werden häufig nicht ernst genommen. Wenn wir mit Fakten argumentieren und konkrete Vorschläge machen, gelten wir manchmal als Bedrohung oder als respektlos gegenüber unseren Eltern und politischen Führungskräften. Auch in den sozialen Medien werden junge Menschen oft angegriffen, wenn sie offen über die Klimakrise sprechen. Das kann dazu führen, dass sie sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern. Deshalb haben Freunde und ich die »Initiative Young Eco Champs« gegründet. Sie bietet Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren eine Plattform, auf der sie über verschiedene gesellschaftliche Themen sprechen können. Ich möchte, dass junge Menschen gehört werden und lernen, sich aktiv einzubringen.
Sie kritisieren die Verteilung staatlicher Klimagelder in Ihrem Land.
Als wir die besonders stark von Zyklon »Winston« betroffenen Dörfer Vatukarasa und Taveuni besuchten, fragten wir, ob die versprochenen Hilfen eingetroffen seien. Nach Angaben der Bewohner war das nicht der Fall. Die Menschen brauchen Transparenz. Schließlich geht es um ihr Leben. Gleichzeitig sprechen unsere politischen Führer über Demokratie und Inklusion, schließen aber marginalisierte Gemeinschaften von wichtigen Entscheidungen aus. Das ist nicht akzeptabel. Die Menschen müssen ihre Erfahrungen und Sorgen in die politischen Entscheidungsprozesse einbringen können.
In diesem Monat findet in der Türkei die internationale Klimakonferenz COP 31 statt. Werden Sie vor Ort sein?
Ich war noch nie auf einer COP und kann auch in diesem Jahr nicht weg, da ich mich auf den Wahlkampf konzentrieren muss. Aber Freunde von mir haben schon an früheren COPs teilgenommen. Sie waren überrascht von der Größe der Delegation aus Fidschi, die aber kaum etwas bewirkt hat. Das Geld zur Finanzierung der Delegation wäre besser bei uns für Wassertanks, Solarpanele und Saatgut verwendet worden.
Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen wieder stärker an die Menschen denken. Wir verstricken uns oft in politische Strategien und wirtschaftliche Interessen und vergessen dabei, dass unsere Entscheidungen das Leben kommender Generationen beeinflussen. Klimaschutz bedeutet, die Menschen und ihre Umwelt zu schützen. Unsere Zukunft hängt davon ab, ob wir heute verantwortungsvoll handeln. Wir müssen die Stimmen der betroffenen Gemeinschaften hören, junge Menschen an Entscheidungen beteiligen und sicherstellen, dass zugesagte Mittel dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Es geht darum, dass auch künftige Generationen ein sicheres und nachhaltiges Leben führen können. Politiker denken an die nächsten Wahlen, ich denke an die nächste Generation.
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