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Science Fiction | »Star Trek« kann auch Antifa

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Aus der klassischen Periode der 60er Jahre: Commander Spock (Leonard Nimoy) gegen Captain Kirk (William Shatner) – geht es vielleicht um sozialistische Politik? Foto: imago/Everett Collection Das sind die unendlichen Weiten der Produktion. Als vor 60 Jahren die erste Folge »Star Trek« bei NBC über den Bildschirm flimmerte, hätte kaum jemand erwartet, dass es davon einmal 15 Serien mit mehr als 900 Episoden und 13 Spielfilme geben würde. Die erste Folge »The Man Trap« (»Das letzte seiner Art«) lief an einem Donnerstagabend um 20.30 Uhr Ostküstenzeit in den USA und Kanada und erzählte die Geschichte eines Gestaltwandlers, der Menschen auf einem fernen Planeten das Salz aussaugt und nebenbei noch aussieht wie die Ex-Geliebte von Dr. McCoy (aka Pille). Die Episode war aber erst 21 Jahre später in Deutschland bei Sat1 zu sehen. Das ZDF hatte sie bei der Erstausstrahlung der Serie nicht versendet.

Was reizt die Menschen an den Abenteuern der »Föderation« in den »unendlichen Weiten des Weltraums«? Darüber wird seit Jahrzehnten von Fans, Wissenschaftlern und Journalisten diskutiert. Für die erste Staffel schrieben unter anderem mit Harlan Ellison, Theodore Sturgeon und Robert Bloch (Autor von »Psycho«) namhafte Science-Fiction-Autoren die Scripts der Fernsehserie. Die erkannten das Potenzial des Fernsehens, um das Genre einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Was damals in die Glotze kam, war also keine der üblichen TV-Produktionen von der Stange. Die erste Serie »Raumschiff Enterprise« (1966 bis 69), wie sie in Westdeutschland hieß, brachte es auf drei Staffeln und 79 Episoden. Aber dann wurde dem NBC der Spaß zu teuer. Um noch Kapital aus schon produzierten Staffeln zu schlagen, wurde die Serie international vergleichsweise günstig verkauft, was heute als einer der Gründe für den globalen Erfolg dieses Franchise gilt.

Die Schauspieler bekamen nach der Absetzung ein Gnadenbrot und durften die Stimmen der folgenden Animationsserie (1973 bis 74) sprechen. Erst ein gutes Jahrzehnt später, als die ab 1979 produzierten Kinofilme im Zuge des Science-Fiction-Hypes erfolgreich waren, wurde mit »Star Trek – Die nächste Generation« die Folge-Serie aus der Taufe gehoben. Danach kamen noch so viele andere Filme und Serien dazu, dass mittlerweile nur eingefleischte Fans den Überblick behalten, was da alles mit welchen Bezugnahmen auf frühere Erzählschnipsel durch das popkulturelle »Star Trek«-Universum schwadroniert.

»Star Trek« hat sich einer radikalen Idee von Mitbestimmung, sozialem Ausgleich und der Überwindung speziezistischer Barrieren verschrieben. Damit steht es klar gegen die rechte Mobilmachung von Trump über Le Pen bis hin zum Islamfaschismus.

Doch »Star Trek« steckt mittlerweile in der Krise. Und das ausgerechnet zum 60. Geburtstag der wohl berühmtesten Science-Fiction-Produktlinie der Popgeschichte. Nachdem jahrelang Goldgräberstimmung geherrscht hatte und ein Serien- und Spielfilm-Derivat nach dem anderen auf den Weg geschickt wurde, hat Paramount unlängst die Reißleine gezogen. Ob das dem mäßigen Erfolg der neuen Starfleet-Academy-Serie und dem Flop des Films »Section 31« geschuldet ist oder den Kosten des Übernahme-Deals von Warner Brothers, bleibt dahingestellt. Aber alle weiteren Serien-Projekte sind fürs Erste auf Eis gelegt.

Doch »Star Trek« ist noch immer eine legendäre Marke. Aus dem ganzen Blumenstrauß an gesellschafts- und kulturpolitischen Fragestellungen, die in der Serie thematisiert werden, ist eine immer wieder aufgegriffene Frage auch fürs linke Feuilleton maßgeblich: Erzählt »Star Trek« eine sozialistische Zukunft? Ist die »Föderation« gar die institutionalisierte Überwindung des Kapitalismus? Eigentlich schon ein Widerspruch an sich.

Auf dem Raumschiff gibt es kein Geld, gearbeitet wird, um sich selbst zu verwirklichen, wie das Captain Picard im Kinofilm »Der erste Kontakt« (1996) einer verwunderten Erdenbürgerin aus der Vergangenheit erklärt. Aber kann das wirklich sein? Erzählt »Star Trek« nicht viel mehr von steilen Arbeitshierarchien, jeder Menge Druck innerhalb des letztlich fast militärisch organisierten Crew-Verbandes? Die Animationsserie »Lower Decks« hebt genau darauf ab und karikiert diesen immer wieder zentralen Aspekt. In einer Episode der Serie »Star Trek: Discovery« (2021) versucht ein weiblicher Bösewicht im Streit, einem blasierten »Star Trek«-Offizier die Aussage abzuringen, dass die »Föderation« kein Problem mit kapitalistischer Wertschöpfung habe. Das wird weder verneint noch bestätigt. Also so ganz ohne kapitalistisches Außen kommt auch das »Star Trek«-Universum nicht aus.

Aber zumindest ist Star Trek einer radikalen Idee von Mitbestimmung, sozialem Ausgleich und der Überwindung speziezistischer Barrieren verschrieben. Damit steht es natürlich auch klar gegen die große rechte autoritäre Mobilmachung von Trump über Le Pen bis hin zum Islamfaschismus. In »Picard«, einer der jüngeren Serienderivate, die den mittlerweile 86-jährigen Patrick Stewart als Jean-Luc Picard zurück auf den Bildschirm holte, kämpft das »Star Trek«-Urgestein gegen den Faschismus. Der ist die vorherrschende Ideologie der »Konföderation« (statt der »Föderation«) in einem veränderten Universum, das wieder gerade gerückt wird. Der Faschismus oder die Gefahr, in den Faschismus zu rutschen, so die naheliegende Grundaussage, ist nur einen Steinwurf entfernt. Natürlich wird das von der Crew der Enterprise mit Bravour gelöst. Star Trek kann eben auch Antifa. Zumindest das. Eigentlich dann auch kein Wunder, dass man bei Paramount, wo gerade die Steigbügelhalter Donald Trumps die US-Medienlandschaft umbauen wollen, kein Geld mehr für »Star Trek« hat. Also gilt es, erst mal die (spitzen) Ohren steif zu halten und gemeinsam gegen den rechten Spuk anzufliegen. Energie!

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Source: nd