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Schule | Brandenburgs Billiglehrkräfte

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Hat Schulbücher, aber zu wenig Lehrer: Mario Kaun leitet das Ludwig-Leichhardt-Gymnasium in Cottbus. Foto: dpa/Sebastian Christoph Gollnow Mit dem neuen Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) sei Brandenburgs Bildungsministerium »in der Realität angekommen«, sagt am Mittwoch Günther Fuchs, Landesvorsitzender und Urgestein der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Dass Minister Hoffmann das neue Schuljahr, das am 24. August begann, als das dramatischste in der Geschichte des Bundeslandes bezeichnet hatte, das könne man so formulieren, findet Fuchs. Denn Brandenburg habe »keine Lehrkräfte, mehr Schüler und jetzt auch kein Geld mehr«. Früher sei wenigstens noch Geld dagewesen.

»Wir haben keine Lehrkräfte, mehr Schüler und jetzt auch kein Geld mehr.«

Natürlich ist es nicht so, dass Brandenburg überhaupt keine Lehrer hätte. Es unterrichten 22.311 Kollegen an den rund 850 staatlichen Schulen des Landes, darunter etwa 17.200 regulär ausgebildete. Die übrigen seien Seiteneinsteiger, von denen die Hälfte nicht einmal einen Hochschulabschluss vorweisen könne und die leider auch nicht weitergebildet werden, berichtet Fuchs. Gerade angesichts des historisch schlechten Abschneidens der 15-jährigen deutschen Schüler beim Pisa-Leistungsvergleich 2025 sei das ein schwerwiegendes Versäumnis. »Das ist ein politischer Skandal, dass ein Großteil der Lehrkräfte von Qualifizierung ausgeschlossen ist«, sagt Fuchs.

Er spricht von Brandenburgs »Billiglehrkräften«, weil die Seiteneinsteiger ohne Qualifizierung deutlich schlechter entlohnt werden. Wenn nun infolge eines Gerichtsurteils die Besoldung der Beamten aufgebessert werden muss, entsteht auch noch ein ungerechtes Lohngefälle zu jenen Kollegen, die regulär ausgebildet, aber nicht verbeamtet sind, sondern nur angestellt. Brandenburg hat dann von der Bezahlung her drei Klassen von Lehrern.

Die tatsächliche Quote der Seiteneinsteiger an den Schulen sei sogar noch höher als 20 Prozent, wenn man die 1100 Kollegen mit befristeten Arbeitsverträgen dazurechne, von denen nur 352 regulär ausgebildet seien. Hinzu kommen ungefähr 3000 Vertretungslehrer, die überwiegend Seiteneinsteiger seien. »Wir bilden nach wie vor zu wenig aus – und falsch, am Bedarf vorbei«, beklagt Fuchs.

4600 Studierende der Universität Potsdam streben den Lehrerberuf an und weitere rund 160 junge Leute haben den in Senftenberg neu eingerichteten Studiengang Grundschulpädagogik belegt. Fatal hoch ist die Abbrecherquote. Nur 350 Absolventen sind dieses Jahr im Schuldienst angekommen. Viele haben Fuchs zufolge auch noch Fächerkombinationen, die gar nicht so dringend gebraucht werden. Sie werden trotzdem eingestellt und müssen dann ohne entsprechende Ausbildung Fächer unterrichten, in denen ein besonderer Lehrermangel herrscht, beispielsweise Mathematik und Physik, aber auch Musik und Sport.

Um Geld zu sparen, erhöhte noch die alte, Anfang 2026 zerbrochene Koalition aus SPD und BSW die Pflichtstundenzahl vieler Lehrer um eine Stunde pro Woche. Somit konnte auf die Besetzung von 750 offenen Stellen verzichtet werden. 250 dieser Stellen wolle die neue Koalition aus SPD und CDU nun zurückgeben, erkennt Fuchs an. Doch für ihn fehlen dann immer noch 500 Stellen.

Erst jetzt und nicht schon zum Schuljahresbeginn informierte Fuchs über die Situation, weil er die Ergebnisse einer Blitzumfrage abwarten wollte. Demnach hat Brandenburg jetzt 324.000 Schüler – 1500 Schüler mehr als im vergangenen Schuljahr. Auch im kommenden Schuljahr werde die Schülerzahl weiter steigen, prophezeit Fuchs. Entspannung werde es frühestens im Schuljahr 2033/34 geben. Nach Rechnung der GEW bräuchte Brandenburg mindestens 1500 zusätzliche Lehrer. Weitere 3000 Lehrer wären notwendig, wenn das Land den gemeinsamen Unterricht mit Schülern mit Handicap ernstnehmen würde. Denn dann müssten eine Lehrerin und eine Sonderpädagogin vor maximal 22 Kinder stehen, wie Fuchs sagt. In der Realität seien es 28 Kinder und die Sonderpädagogin vertrete Stunden in anderen Klassen, die sonst ausfallen würde.

»Wir geben zu wenig Geld aus, aber wir geben nicht wenig Geld aus«, gesteht Fuchs zu. Angesichts dessen seien die Pisa-Ergebnisse ernüchternd. Man müsse sich einmal vorstellen, dass im Land der Dichter und Denker viele Kinder nicht richtig lesen können. Da brauche es nicht nur mehr Lehrer, man müsse das Bildungswesen ganz neu denken.

Nach den am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse der Pisa-Studie 2025 sind die Leistungen 15-jähriger Schüler in Deutschland in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften schlechter geworden. Das bestätige den dringenden Handlungsbedarf, reagierte Bildungsminister Hoffmann noch am Dienstag. »Dass wir gegensteuern müssen, wissen wir in Brandenburg nicht erst seit heute«, erklärte er. »Deshalb haben wir bereits klare Schwerpunkte gesetzt: Wir stärken Lesen, Schreiben und Rechnen, schaffen mehr Lernzeit und setzen früher bei der Sprachförderung an.« Es sei aber klar, dass Verbesserungen im Bildungssystem Zeit brauchen und »ihre volle Wirkung erst über mehrere Jahre entfalten«.

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Source: nd