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Rüstungsindustrie | Hanwha-Munition, Made in Germany

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Foto: Imago/NTB Han Seong-sook schien etwas klarstellen zu wollen, als sie Anfang der Woche zu einem internationalen Publikum sprach: All die Rüstungsgüter, die zuletzt in diverse Länder exportiert wurden, dienten nicht etwa dem Krieg, sondern dem Frieden. Ihr Heimatland Südkorea sei zwar ein großer Rüstungsproduzent, wolle diese Industrie aber vor allem dafür nutzen, weltweit für Wohlstand zu sorgen. Zerstörung, betonte die Premierministerin, spiele hier gar keine Rolle.

Die Beteuerungen waren wohlkalkuliert: Han traf sie im Zuge des Seoul Defense Dialogue, einem seit 2012 jährlich ausgetragenen Event, das Südkorea dazu nutzt, sich auf dem Markt der Rüstungsexporte zu platzieren. Auch diesmal wurden wieder mehrere Deals eingetütet oder konkretisiert: Kroatien kauft Raketenwerfer vom Typ »Chunmoo« vom größten Rüstungskonzern Hanwha Aerospace, die Philippinen wollen ihr Militär südkoreanisch modernisieren.

Seit einigen Jahren verfolgt Südkorea das ambitionierte Ziel, zu den vier größten Rüstungsexporteuren der Welt aufzusteigen. Auch unter dem aktuellen liberalen Präsidenten Lee Jae-myung promoten Staatsvertreter nationale Produzenten unter dem Banner »K-Defense«, quasi in einer Reihe mit K-Pop oder K-Beauty. Und das mit Erfolg: Über die vergangenen Jahre hat sich Polen, das sich seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ab 2022 akut bedroht sieht, mit Panzerhaubitzen aus Südkorea versorgt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate fragen Gerät aus dem ostasiatischen Land nach. Diese Woche wurde eine vertiefte Zusammenarbeit mit Tschechien angebahnt.

Die jüngsten Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri sehen Südkorea für den Zeitraum 2021 bis 2025 auf Platz neun im Ranking der größten Exportnationen im Rüstungsgeschäft. Kürzlich kam aber eine Zählung des »Seoul Economic Daily« bereits zu dem Ergebnis, dass Südkorea mit Waffenexporten von rund 15,4 Milliarden US-Dollar auf Platz vier der Welt liegt – hinter den USA, Frankreich und Israel und knapp vor Deutschland.Die Bundesrepublik wiederum bemüht sich selbst um mehr Austausch mit Südkorea, das seit 2023 als Nato-gleichgestellter Staat gilt, was den Handel mit Rüstungsgütern erleichtert. Einige Kooperationsprojekte, etwa bei der Entwicklung von Lenkflugkörpern, sind beschlossen. Aktuell bahnt sich auch eine Großinvestition einer neuen Dimension an: Die Hanwha Group plant ein Munitionswerk in Deutschland.

Der Konzern – laut Sipri lag er 2024 mit Exporten von 7,79 Milliarden US-Dollar auf Platz 21 der größten Rüstungsexporteure der Welt – will langfristig in Deutschland investieren. »Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass in Europa der Ruf nach resilienten Lieferketten immer größer wird«, so Thorsten Kutz, Chef der neu gegründeten Deutschlandtochter im Gespräch. »Das heißt, dass es bevorzugt wird, wenn in Deutschland oder Europa produziert wird.«

Aktuell sucht der Konzern nach einem passenden Standort in Deutschland, der nach Polen und Rumänien der dritte in Europa wäre.

Aktuell sucht der Konzern nach einem passenden Standort in Deutschland, der nach Polen und Rumänien – wo derzeit gebaut wird – der dritte in Europa wäre. Gespräche finden laut Kutz mit mehreren Bundesländern statt. Zu den Kriterien gehören »Sicherheitsabstände« und Fördergelder, aber auch die »Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, der Zugang zu Ausbildung, vielleicht auch die Nähe zu Produktionsstätten, die wir in Osteuropa aufbauen, um Synergien zu schaffen«.

Diese Kriterien lassen einige Vermutungen zu, die Hanwha aber weder bestätigen noch dementieren will: Die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen und Infrastruktur scheint künftig dort hoch, wo Konzerne wie VW Fabriken schließen dürften, etwa in Sachsen oder Niedersachsen. Die geografische Nähe zu Osteuropa spräche für ein ostdeutsches Bundesland. Auch Faktoren wie die »politische Stabilität« würden bedacht, so Kutz.

Hanwha erwartet, dass mit dem Werk, in das ein »hoher dreistelliger Millionenbetrag« in Euro investiert würde, wohl um die 200 bis 300 Arbeitsplätze entstünden. Die Produktion solle etwa 18 Monate nach Vertragsabschluss starten. Das Werk in Deutschland könnte eine Art Drehkreuz für die Lieferkette in Europa werden, wo die Nachfrage nach Rüstungsgütern auch jenseits der deutschen Grenzen steigt. Was konkret hergestellt werden soll, ist noch unklar; dies hänge auch von Aufträgen anderswo in Europa ab, heißt es.

Zum Portfolio des Konzerns gehört alles von Munitionstransportern über Schützenpanzer bis hin zu Panzerhaubitzen. Ein Verkaufsargument südkoreanischer Hersteller ist, dass sich ihr Land seit dem Koreakrieg – der 1953 nur mit einem Waffenstillstand endete – formal im Kriegszustand befindet und insofern an schnelle Produktionsvorgänge gewöhnt ist. Durch hohe Skalierung schafft dies auch günstigere Preise.

Dabei hat Südkoreas Rüstungsexportboom auch Grenzen. Denn die Rüstungsindustrie füllt nach aktuellem Stand nur europäische Lager auf, liefert aber nicht an die Ukraine. Alles andere wäre »ein großer Fehler«, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin gewarnt. Südkoreas Präsident Lee, der Kontakt zu Moskau halten will, um womöglich auch wieder zum Austausch mit dem verfeindeten Nordkorea zu finden, will dies nicht riskieren. Bei Rüstungsexporten soll es laut südkoreanischer Darstellung ja um Frieden gehen.

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Source: nd