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Romane von Frank Goosen | Kann man davon leben?

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In »Spiel ab!« werden zwei fußballerisch unbedarfte 50-Jährige Trainer einer C-Jugend-Mannschaft Foto: IMAGO/Zoonar Es ist nur eine Randnotiz, aber eine, die stutzig macht. Dort, wo die Angaben zu Erscheinungsjahr und Auflage stehen, findet sich der Hinweis: »Die Arbeit an diesem Buch wurde gefördert aus Mitteln der Corona-Soforthilfe des Landes NRW sowie durch ein Stipendium der Kunststiftung NRW.« Also ein subventionierter Roman. Seltsam. War Frank Goosen nicht mal Bestsellerautor?

In der Tat. Damals, im Jahr 2001, setzten er (»Liegen lernen«) und Sven Regener (»Herr Lehmann«) dem Slacker – dem dahindriftenden, orientierungslosen, karrieredesinteressierten Babyboomer – ein Denkmal. Es waren Bücher, in denen nicht viel passierte (beruflich schon gar nicht und privat verlief auch vieles im Sande), weshalb sich vor allem männliche Leser, in deren Leben ebenfalls nicht viel passierte, darin wiedererkannten. Beide Romane wurden verfilmt und kamen 2003 in die Kinos. Doch bei allen inhaltlichen und zeitlichen Parallelen gab es einen wesentlichen Unterschied. »Herr Lehmann« verkaufte sich über anderthalb Millionen Mal, »Liegen lernen« kam auf rund 150.000 Exemplare.

Was das finanziell bedeutete: Während Sven Regener über zwei Millionen Euro brutto verdiente, erreichte Frank Goosen etwa eine Viertelmillion. Und Regener erwies sich danach als der Geschäftstüchtigere. Weil Leser das Vertraute mögen, brachte er in der Folge zwei weitere Romane heraus, in denen Herr Lehmann die Hauptrolle spielte (»Neue Vahr Süd«, »Der kleine Bruder«). Beide Bücher verkauften sich hunderttausendfach. Frank Goosen hingegen schlug mit »Pokorny lacht« einen anderen Weg ein. Auf diesem wollten ihm nur noch 40.000 Leser folgen – macht rund 60.000 Euro brutto. Das ist kein übermäßiges Salär für ein Buch, an dem er knapp zwei Jahre schrieb. Und dennoch: 40.000 verkaufte Exemplare gelten als satter Erfolg in einer Branche, in der die meisten Romane keine 4000 Mal über den Ladentisch gehen.

Schriftsteller zu sein, muss man sich leisten können. Vom Buchverkauf allein können nur wenige, wie Daniel Kehlmann und Juli Zeh, leben. Multitalente sind daher im Vorteil. Frank Goosen war bereits jahrelang als Kabarettist aktiv gewesen, bevor er »Liegen lernen« veröffentlichte. Gemeinsam mit Jochen Malmsheimer bildete er das Duo Tresenlesen. Über 900 Auftritte hatten die zwei auf dem Buckel, als sie sich im Jahr 2000 zerstritten. Danach machten beide solo weiter. Was zumindest den Vorteil hatte, dass das Honorar nicht mehr geteilt werden musste (seit 2020 treten sie übrigens wieder zusammen auf).

Hinzu kommen die Einnahmen aus Lesungen. Hier hat eine ähnliche Entwicklung wie bei Konzerten stattgefunden. Weil das künstlerische Produkt (Alben, Bücher) immer weniger Geld abwirft, muss beim Liveauftritt ordentlich draufgeschlagen werden. Die Ticketpreise bei Lesungen haben sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Aus 6 bis 7 Euro sind 20 geworden. Frank Goosen wird es recht sein. Wer Daniel Kehlmann oder Juli Zeh in natura lauschen will, zahlt übrigens 35 Euro aufwärts – dafür konnte man Mitte der 90er drei Stunden lang Bruce Springsteen erleben.

Auch Literaturpreise sind eine willkommene Einnahmequelle. Und da es derer über 1100 in Deutschland gibt, haben sie schon die Haushaltslöcher zahlreicher Schriftsteller gestopft. Frank Goosen gewann 2003 den Literaturpreis Ruhr. Dafür erhielt er damals 10.000 Euro; heute ist der Preis mit 15.000 Euro dotiert.

Schriftsteller zu sein, muss man sich leisten können.

Wer schreiben will, ohne einen 40-Stunden-Job im Nacken zu haben, kann sich zudem auf ein Arbeitsstipendium bewerben. Der Haken daran: Man muss schnell fertig werden. Viele Stipendien sind auf drei bis sechs Monate befristet. Die monatliche Unterstützung liegt in der Regel zwischen 1000 und 1500 Euro.

Der Wohnsitz ist dabei ein wichtiges Kriterium. Das Alfred-Döblin-Stipendium gibt’s nur für Berliner Autoren. Und während die Kulturstiftung NRW ihre literarischen Wunderkinder in spe bis zu zwei Jahre lang mit monatlich 2000 Euro unterstützt, sieht es in Rheinland-Pfalz mau aus. Da konnte Frank Goosen froh sein, dass er in Bochum (NRW) lebt und nicht in Trier (RLP).

Er hat sein Stipendium der Kunststiftung NRW gut genutzt. Man merkt seinem Buch »Spiel ab!« den Feinschliff an. Hier hatte ein Autor alle Zeit der Welt, an Dialogen zu feilen und eine einfache Story – zwei fußballerisch unbedarfte 50-Jährige werden Trainer einer C-Jugend-Mannschaft – zu einem facettenreichen, detailgespickten Roman auszubauen.

Das wurde von der Leserschaft honoriert. »Spiel ab!« schaffte es auf Platz 12 der Spiegel-Bestsellerliste. Jubelgesänge sollten dennoch ausbleiben. Es gilt in der Branche die Faustregel: Der Zweitplatzierte verkauft sich nur halb so gut wie der Erstplatzierte, und der Drittplatzierte nur halb so gut wie der Zweitplatzierte. Frank Goosen wird also weiterhin Kabarett machen müssen, um auf seinen Schnitt zu kommen – was für seine Fans ja keine schlechte Nachricht ist.

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Source: nd