Faultline Faultline Kommando 161

Politics · nd · · 2h

Reaktion auf AfD-Wahlsieg | Inhaltslose Halbsätze in Dauerschleife

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Porträt von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Herzform: Noch ist offen, ob die Rechtspartei erstmalig in einem Bundesland regieren kann. Foto: dpa/Sebastian Gollnow Es ist nicht gesund, sich in AfD-Wähler hineinzuversetzen. Am Sonntag habe ich es dennoch kurz versucht. Als ich nach dem schier endlos wachsenden blauen Balken die ersten Statements der Prominenz von CDU und SPD hörte, habe ich mir vorgestellt, wie es mir wohl jetzt gehen würde, wenn ich gerade AfD gewählt hätte. Vielleicht per Ausschlussprinzip, weil ich die gebrochenen Versprechen von Friedrich Merz nicht vergessen habe und der SPD nicht glaube, dass ausgerechnet sie »faire Mieten« hinbekommt. Und weil ich ausblende, dass die neoliberale AfD die letzte ist, die in Sachen Sozialpolitik eine Besserung verheißt, natürlich.

Ich mache also den Fernseher an, sehe, dass meine kleine dumme Protestwahl zu einem solch großen Balken beigetragen hat; dann schaue ich mir an, was die anderen Parteien so erzählen. Ob es so ein geschickter Move von der CDU war, statt der neuen Generalsekretärin die Praktikantin ans Mikro zu lassen? Oder ist das wirklich Franziska Hoppermann? Gab’s niemand anderen, der den Job machen wollte?

Christoph Ruf ist freier Autor und beobachtet hier politische und sportliche Begebenheiten.

Die Frau mit dem Job, den beispielsweise einmal Heiner Geißler innehatte, stotterte gefühlt 18-mal je zwei inhaltslose Halbsätze vor sich hin. Danach schaute sie ebenso irritiert in die Kamera wie Interviewer Markus Preiß, der nicht fassen konnte, dass da immer noch nicht mehr kam. Dabei hatte Hoppermann zuvor genug Zeit, um sich mehr zurechtzulegen als: nichts. Schließlich wusste sie schon Wochen vorher, dass ihrer Partei ein Debakel bevorstehen würde. Zwei Stunden nachdem sie erfahren hatte, wie drastisch es ausgefallen war, fiel ihr beim ARD-Talk dann nur der Schwachsinnssatz ein, die Linke habe ein »schweres Antisemitismusproblem«. Dabei hat sie nur ein Luigi-Pantisano-Problem, denn der Parteichef ist wiederholt mit verbalen Ausfällen in die Schlagzeilen geraten. Aber das ist wirklich schwer.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf war auch dabei. Und hat sich allen Ernstes gefreut, dass seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde nicht gerissen hat. Dass, wie auch bei den Grünen, 70 bis 80 Prozent ihrer Wähler ihr Kreuz nur bei ihnen gemacht haben, um die AfD zu verhindern, scheint man auch nicht als Bankrotterklärung zu begreifen. Bliebe das BSW, bei dem man sich wohl daran gewöhnen muss, dass bei ihm die Umfragen immer völlig falsch liegen. Diesmal waren drei Prozent prognostiziert, eine Abweichung von 57 Prozent zum realen Ergebnis. Beim BSW hat man’s schnell mit Verschwörungstheorien, aber allmählich fallen die Demoskopiepannen doch auf.

Wie dem auch sei, an Stelle des BSW würde ich mir jetzt ein paar Cocktails machen, die Füße hochlegen und ganz in Ruhe zusehen, wie sich AfD und CDU selbst zerlegen. Die einen, weil sie plötzlich kurz davor sind, all ihre komplett unrealistischen Wahlversprechen auch umsetzen zu müssen – und davor offenbar eine wahnsinnige Angst haben. Und die CDU, weil sie allmählich kapiert, dass sie in absehbarer Zeit keinen Regierungschef mehr stellt, wenn sie die Brandmauer aufrechterhält. Da der Wille zur Macht bei der Union seit jeher das zentrale Motiv für den Parteieintritt ist, werden alle, deren Karrierechancen jetzt massiv bedroht sind, auf der Matte stehen.

Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden Tage. Wenn sich CDU und AfD selbst zerfleischen, muss kein anderer mehr die Drecksarbeit machen.

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Source: nd