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Proteste in Frankreich | Bally Bagayoko: Das Gesicht des neuen Frankreichs
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Mittendrin statt nur dabei: Bally Bagayoko ist bei den Schülerprotesten in der ersten Reihe anzutreffen. Foto: xxx Die Szene ging viral: Bally Bagayoko stellte sich bei den Schülerprotesten als Schutzschild zwischen die Polizisten und die Demonstranten. Das Tränengas der Polizei nahm er notgedrungen in Kauf. Bagayoko ist nicht irgendwer, sondern der Bürgermeister von Saint-Denis in Paris, einer von Einwander*innen geprägten Banlieue. Er selbst kam 1973 als Sohn einer Einwandererfamilie aus Mali in Levallois bei Paris auf die Welt.
Bagayoko ist schon seit 2000 in der Lokalpolitik aktiv, zu nationaler Bekanntheit gelangte er bei den Kommunalwahlen im Frühjahr. Er trat als Spitzenkandidat einer gemeinsamen Liste der Linkspartei La France insoumise (LFI) und des Parti Communiste Français (PCF) an und holte schon in der ersten Runde mehr als 50 Prozent der Stimmen. Eine mittlere Sensation. Mit ihm regieren die Linken erstmals eine Stadt in Frankreich mit mehr als 100.000 Einwohnern. Bagayoko ist zwar nicht der einzige Schwarze Muslim, der im Zuge der Kommunalwahlen für die Linke reüssierte, aber der prominenteste. Seit seinem Sieg ist er mehr denn je rassistischen Kampagnen der Rechten ausgesetzt. Die französische Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen wegen rassistischer Beleidigung und Cybermobbing aufgenommen.
»Ich verkörpere alles, was sie verabscheuen. Ich passe nicht in ihr Machtmodell, in diese ›weiße‹ Vorstellung von der Republik«, sagt er. »Aber das ist die Realität, und heute hat Frankreich in seiner Vielfalt Menschen hervorgebracht, die vor einigen Jahren noch kein Recht hatten, diese Ämter zu bekleiden.«
Auch als Bürgermeister bleibt er sich treu und setzt seine Tätigkeit als Basketballtrainer für Jugendliche an zwei Tagen der Woche fort. Bagayoko wuchs in einem Sozialwohnungsviertel auf und arbeitete nach seinem Studium in Paris für das Verkehrsunternehmen RATP. Und er lebt mit seiner Familie dort, wo er arbeitet.
Dass das Porträt von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in seinem Büro mit dem Gesicht zur Wand auf dem Boden steht, geht nicht auf ihn zurück: »Das Porträt? Als ich ankam, stand es schon so da. Ich habe es nicht abgenommen, ich habe es einfach nicht wieder an die Wand gehängt.« Nachvollziehbar: Im Büro der Symbolfigur für das neue Frankreich wäre Macron an der Wand verfehlt.
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Source: nd