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War & Militarism nd

Proteste in Europa | Wie Kriege die Preise treiben

Das Leben in Europa wird rasant teurer – dagegen gehen die Menschen auf die Straße

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Aneignung ohne Zahlung: Geplündertes Geschäft in Paris Foto: IMAGO/Jumeau Alexis/ABACA In vielen Ländern Europas gehen Menschen auf die Straße und fordern die »Bezahlbarkeit« des Lebens – von Nahrungsmitteln über Wohnraum bis zu Gas und Diesel. Mit dieser Forderung einher geht eine bemerkenswerte Neuinterpretation der Lage: Früher galt als zentrales Problem die Armut, also der Geldmangel der privaten Haushalte. Heute dagegen heißt es, die Preise seien zu hoch, das Leben sei zu teuer. Damit liegt der schwarze Peter bei den Anbietern der Güter: den Unternehmen und dem Staat.

Tatsächlich klettern die Preise immer schneller. Im Euroraum lag die Inflationsrate im September bei 3,8 Prozent nach 3,2 Prozent im August. In Deutschland war das Leben im Durchschnitt 3,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, in Frankreich waren es 3,4 Prozent, in Italien 4,2 Prozent und in Spanien sogar 5 Prozent. Und nirgendwo halten die Löhne mit diesem Anstieg Schritt.

Zentraler Preistreiber ist die Energie, die in Europa fast 20 Prozent mehr kostet als im September 2025. Kraft- und Schmierstoffe verteuerten sich um 31 Prozent. Zudem explodierten seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar 2026 die Gaspreise. Mitte Oktober kostete die Megawattstunde fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Dies wiederum zieht den Strompreis nach oben, der am Gaspreis hängt. Strom ist in Deutschland so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr.

Damit setzt sich die Kette fort: Höhere Energiepreise führen zu höheren Kosten für Transport, Verpackungen, Bekleidung, Dünger und damit für Lebensmittel. Die Preiswelle ist in den Supermärkten noch gar nicht richtig angekommen. Die Zentralbanken wiederum reagieren auf die höhere Inflation mit Zinserhöhungen, was Kredite teurer macht.

Motor der Preissteigerungen sind die aktuellen Kriege. Der Iran-Krieg hat den Ölpreis auf ein Fünf-Monats-Hoch und den Dieselpreis auf Rekordniveau gehievt. Auch beim Gas ist keine Besserung in Sicht, da durch die Straße von Hormus 75 Prozent weniger Flüssiggas geliefert wird als vor dem Krieg. Die Abhängigkeit vom Flüssiggas ist wiederum eine Folge des Lieferstopps Russlands, durch dessen Pipelines so gut wie kein Gas mehr nach Europa kommt.

Den Forderungen der Bevölkerung nach Entlastungen begegnen die Regierungen mit dem Verweis auf die angespannte Haushaltslage. Die Staatsschulden liegen in Ländern wie Frankreich, Italien oder Belgien bereits über dem von der EU erlaubten Niveau. Und auch in Ländern wie Deutschland, wo das nicht der Fall ist, wird auf staatliche Sparzwänge verwiesen.

Verschärft werden diese Sparzwänge durch die Tatsache, dass zwei Haushaltsposten absehbar immer größere Summen verschlingen werden: Zum einen die Ausgaben für den Schuldendienst, der im Zuge steigender Zinsen immer weiter wächst. Zum anderen die Ausgaben für die Aufrüstung. Die EU will bis zu 800 Milliarden Euro mobilisieren, um ihre militärisch-industriellen Kapazitäten auszubauen. Allein in Deutschland steigt der Verteidigungshaushalt 2027 auf 140 Milliarden Euro – »das ist mit großem Abstand der größte Posten im Bundeshaushalt, über den die Politik tatsächlich frei entscheiden kann«, so das Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Die Kriege treiben also die Lebenshaltungskosten in die Höhe, rechtfertigen die wachsende Aufrüstung und lassen die Zinsen steigen, was den Regierungen wiederum als Argument dient, die Forderungen nach Bezahlbarkeit zurückzuweisen – und die Bevölkerung auf weitere Opfer vorzubereiten.

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Originally published bynd
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