Germany nd
Probetraining | Die Antwort auf alle Fragen
Unser Kolumnist hat sich eine neue Sportart ausgesucht: Im Tischtennis will er es vom Freizeitspieler zum ersten Turnier schaffen.
Deutsch (original) ·Read in English ⇄
Ein Hin und Her: Zum Tischtennistraining braucht es reichlich Bälle. Foto: dpa/David Kluthe Ups, wo fliegt mein Ball denn diesmal hin? Weit über die Platte hinweg. Herrje! Eigentlich halte ich mich für jemanden, der Tischtennis kann. Und da kommt auch schon der nächste Topspin-Aufschlag, schnell, lang, auf die Rückhand – und wieder: Ball weg. So geht das schon seit Minuten. Oh Mann!
Ich stehe an der linken Seite der Tischtennisplatte, diagonal gegenüber meine Trainerin Domino. Sie nimmt im Sekundentakt Bälle aus einem Korb, die sie mir auf die Rückhand spielt. Domino, eigentlich Viet Than Tran, ist die amtierende Berliner Meisterin und wird in den nächsten Wochen auch meine Trainerin sein. Tischtennis sei ein Dialog, hat sie mir vorhin erklärt. Der Gegner stellt eine Frage – und man braucht eine Antwort. Meine Erkenntnis nach fünf Minuten Bälle ins Nirgendwo semmeln: Auf manche Fragen habe ich nichts zu erwidern.
nd-Redakteur Jirka Grahl probiert sich in verschiedenen Sportarten, diesmal Tischtennis. Im Januar will er beim Tischtennisturnier der Tausende antreten.
Das ist hart. Seit dem Sommer spiele ich mit meinen Kumpels Douglas, Nathan, Robin und Heiner wieder regelmäßig Tischtennis – auf einem Prenzelberger Hinterhof, wo wir dafür eine schmucke rosa Holzplatte aus dem Schuppen ziehen. Einzel, Doppel, Englisch – manchmal sind schöne Ballwechsel dabei. Wir schnippeln und schmettern, aus der Bluetooth-Box plätschern Kraftwerk-Songs, nebenher gibt’s Bier und Gespräche. Wir sind ehrgeizig genug, dass Niederlagen nerven, aber natürlich »trainieren« wir nie. Die Technik verstehen wir bestenfalls instinktiv. Jetzt im Spätherbst hängen wir im Nieselregen Akkulampen über die Platte, auf der Tröpfchen glitzern. Retourniert wird im Halbdunkel, eher nach Gehör als nach Augenschein. Es macht trotzdem irre Spaß.
Aber beim ersten Training mit Domino überkommen mich nun Zweifel: Spielen wir Hinterhof-Experten überhaupt Tischtennis? Oder sind wir eher noch beim Pingpong? Wie geht Tischtennis wirklich?
Den Sport erlernt hierzulande jeder von klein auf, im Osten wie im Westen. Als Kind der DDR habe ich es geliebt, dass es im Sommer, im Winter und sogar im Herbst ins Ferienlager nach Mecklenburg ging. Denn dort gab es Nachtwanderungen! Disko! Erste Küsse! Und als absolutes Highlight – das Tischtennisturnier! Unvergessen der Tag, an dem ich im KFL »Hans Litten« Canow vor den Augen aller zum ersten Mal die Goldmedaille umgehängt bekam: Lagermeister!
Vielleicht kann ich ja nun noch mal ein bisschen von der Süße des einstigen Erfolgs naschen? Ab Januar steht in Berlin wieder das Tischtennisturnier der Tausende an, das TTT, das 1960 in Ostberlin erstmals ausgetragen wurde. Heute ist es das älteste Breitensportturnier Deutschlands. Ich hab da als Steppke selbst mitgespielt, einmal war ich immerhin Dritter auf Stadtbezirksebene. Beim TTT will ich nun anno 2027 erneut antreten. Vielleicht gewinne ich ja das ein oder andere Match?
Bis zum Turnier-Versuch werde ich Sie in dieser Kolumne auf meine Tischtennisreise mitnehmen: Was kann das Material bewirken, welche psychologischen Tricks helfen an der Platte, wie trainiert man am schlauesten – eine Menge Fragen gilt es zu klären. Eine ganz dringende ist nun schon klar formuliert: Wie bringe ich diesen verdammten Rückhandball zurück?
Bei uns muss niemand zahlen, um informiert zu sein. Klingt nach einem schlechten Geschäftsmodell? Ist es auch. Aber uns sind unabhängiger Journalismus und Teilhabe für alle wichtiger als Profit. Journalismus kostet trotzdem Geld: Recherche, Druck und all die Menschen, die ihn machen. Deshalb sind wir auf dich angewiesen. Bis Ende des Jahres brauchen wir 300.000 Euro.
Spende einmalig oder regelmäßig, jeder Betrag zählt. Damit nd bleibt.