Germany nd
Politisches Theater | »InsideBundestag« am Ballhaus Prinzenallee: Völkische Narren
Das Windrad fest im Blick: In der dritten Episode von »InsideBundestag« widmet man sich am Ballhaus Prinzenallee ein weiteres Mal der rechten Hegemonie.
Deutsch (original) ·Read in English ⇄
Ein theatraler Rückblick auf die letzte Sitzungswoche: »InsideBundestag« Foto: Dominik Maringer In der dritten Folge der theatralen Inspektion der parlamentarischen Verhältnisse werden wieder die Debatten und Diskurse im Ballhaus Prinzenallee auseinandergenommen. Es soll ja, so das Konzept der Reihe, nicht nur reinszeniert, sondern auch analysiert werden, was und wie im Hohen Haus gesprochen und diskutiert wird. Denn: Was und wie da gesprochen wird, geschieht nicht im luftleeren Raum, es findet sein Echo in der Sprache, im Kopf des Volks. Nun gut, alles etwas hochtrabend, mag man denken. Wer hört sich das schon alles an, wäre eine Gegenfrage.
Es sind nicht nur die harten Fakten, die einen umdenken lassen. Im aktuellen Wahltrend liegt die AfD bundesweit bei rund 30 Prozent; auch ihre Präsenz in den Köpfen der anderen Parteien, das wird an diesem Abend immer wieder voller Verzweiflung bewusst, ist gesetzt. Alle arbeiten sich an ihr ab, ganz gleich, wie sehr die Partei selbst sich auch zum Narren macht.
Das Ensemble von »InsideBundestag« um Regisseur Lukas David Schmidt betrachtet diese Debatten wie unter einem Brennglas. Hier gärt etwas, hier entsteht ein neues Miteinander und diese neuen Verhältnisse sind in Form und Inhalt der Debatten erkennbar. Es gibt, so arbeiteten es die letzten Episoden bereits aus, eine sich festsetzende rechtskonservative Hegemonie, die auch in dieser neuen Episode zu erkennen ist.
Nun geht es um den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, um die geplante Unterstützung für das Land, um den, so sieht es die AfD, einen das eigene Land verachtenden und die Ukraine liebenden Kanzler Friedrich Merz. Ähnlich nationalistisch verdrehte Züge nimmt die Debatte um das Gedenken und Erinnern in der von der AfD einberufenen aktuellen Stunde dann an. Da wird bejammert, dass die Sichtachsen der Denkmäler durch Windräder verstellt würden. Es ist ein Vortrag, der, wäre er nicht so gehalten worden, nicht hätte erfunden werden können. Nicht weniger irritierend ist auch die ohne Ausschreibung ausgezahlte Milliarde durch die Koalition an einen ehemaligen Bundestagsmitarbeiter, der nun fröhlich für eine Drohnenfabrik in der Ukraine lobbyiert.
Ansonsten war es in der diesmaligen Episode etwas free-floating und langatmig dazu. Der Zugang, wie mit theatralen Mitteln diese Sitzungswoche intellektuell und spielerisch anspruchsvoll verarbeitet werden kann, ließe sich vielleicht als dokumentarische Reinszenierung bezeichnen. Ein theatraler Rückblick auf die letzte Sitzungswoche sozusagen, bei dem besonders das kleine Ensemble um Aljoscha Stadelman, Ännie Engelhardt und Christoph Schüchner eine größere Rolle zukam als noch in den Episoden davor. Eine lustige, weil alberne, ansonsten aber belanglose Bingo-Show gab es auch.
Stadelmann ragte mit lässig desavouierenden Gesten hervor und machte damit, ganz nebenbei, die von ihm porträtierten AfD-Politiker zu den interessanteren Showmastern. Auch das immer wieder eine bittere Erkenntnis: die Lust der AfD an der Narretei und die Unfähigkeit der anderen, diese gewieft zu kontern.
Dieser Artikel hat dich nichts gekostet. Uns schon: Recherche, Produktion und Technik. Wir haben bei der Büromiete sowie bei Druck und Vertrieb gespart. Und wir haben auf Gehalt verzichtet. Trotzdem gilt: Ohne dich geht die Rechnung nicht auf. Bis Ende des Jahres brauchen wir 300.000 Euro. Du zahlst, was du kannst, dafür schreiben wir weiter.
Keine Paywall, kein Kleingedrucktes, nur ein Ziel: dass nd bleibt.