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Oper Köln | 1,5 Milliarden später: Die Kölner Oper ist zurück
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Laser, Nebel und Krawall: Die neue Bühnentechnik der Kölner Oper soll einiges leisten. Foto: IMAGO/Panama Pictures Bei einem großen Volksfest feierte Köln am Wochenende mit Musik, Kölsch und Sonnenschein die Rückkehr seiner Theater aus dem rechtsrheinischen Exil an die alte Spielstätte am Offenbachplatz in der Innenstadt. Opernsänger und -sängerinnen schmetterten Arien über den Platz. Tausende sangen zusammen mit dem Männerchor Cäcilia kölsches Liedgut. Das Moka Efti Orchestra aus der Kultserie »Babylon Berlin« unterhielt mit Jazz und Ragtime die Massen. Besucher*innen nahmen lange Schlangen mit Wartezeiten von mehr als 90 Minuten in Kauf, um die Oper auch von innen in Augenschein nehmen zu können.
Dabei war es keine ausgemachte Sache, dass die Wiederöffnung der vier Spielstätten – Oper, zwei Schauspielhäuser und die neue Kinderoper – am Offenbachplatz großen Anklang finden würde. Der Ärger in der Stadt über die lange Bauzeit und Kostenexplosion ist groß. Die Arbeiten begannen 2013 und sollten 2015 abgeschlossen sein. 285 Millionen Euro waren für die Grundsanierung des 1957 eröffneten, denkmalgeschützten Opernhauses veranschlagt. 14 Jahre später stehen einschließlich der Kosten für die Ersatzspielstätten etwa 1,5 Milliarden Euro auf der Rechnung.
In einem kölschen Gassenhauer aus der Nachkriegszeit heißt es: »Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat soviel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?« Die Antwort beim Opernfinanzskandal ist klar: die Bürger, egal ob Opern- und Theaterfan oder nicht.
Das Loch in Kölns Kasse beträgt in diesem Jahr fast 450 Millionen Euro, bei einem Gesamthaushalt von 6,8 Milliarden. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat den Rotstift vor allem im sozialen Bereich, bei der Förderung der freien Kulturszene und beim Rosenmontagszug angesetzt. Die Kölner Finanzen verdeutlichen laut Experten das Spannungsfeld zwischen hausgemachten Millionenrisiken und der strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen durch Bund und Land.
Bei aller Feierlaune fiel der Finanzskandal nicht unter den Biertisch.
Bei aller Feierlaune fiel der Finanzskandal nicht unter den Biertisch. Andrea Trombelli stand als Einzelaktivistin den ganzen Samstag vor dem Opernhaus und wies mit Protestplakaten auf die Misere hin. »Ich bin der Eiterpickel bei dem Eröffnungsfest«, meinte sie. Die Millionen für die Sanierung wären besser für andere Projekte wie Obdachlosenhilfe, Wohnungsbau oder Frauenhäuser verwendet worden. »Viele bleiben stehen, sprechen mit mir, finden meine Aktion richtig und mutig«, freute sich Trombelli.
In Gesprächen unter Besuchern geht es immer wieder um den Baustil des Kölner Stararchitekten Wilhelm Riphahn. Wäre es nach ihr gegangen, so Trombellli, wäre der Komplex – »Grabmal des unbekannten Intendanten« genannt – abgerissen und durch einen Neubau ersetzt worden. Für einen Mann in einem sehr bunt gestreiften T-Shirt ist der Riphahn-Bau hingegen ein »architekturgeschichtlich bedeutendes, wichtiges und daher erhaltenswertes Gebäude«.
Dabei kennt sich Köln mit Abriss aus. Die 1902 nach nur zweijähriger Bauzeit glanzvoll eröffnete alte Oper mit 1800 Sitzplätzen hatte im Zweiten Weltkrieg so manchen Bombentreffer abbekommen. Sie wurde 1958 – wie ein großer Teil der alten Bausubstanz in Kölns Innenstadt in der Nachkriegszeit – abgerissen, um Platz für die städtische Neugestaltung zu machen.
Der Skandal um die Opernkosten ist kein Ausrutscher. Öffentliche Bauprojekte verzögern sich in Köln regelmäßig über Jahrzehnte und verschlingen ein Vielfaches der geplanten Budgets. Eine Mischung aus Fehlplanung, Inkompetenz, Bürokratie und Klüngel gilt als Ursache. Trombelli fordert eine Aufarbeitung des Desasters der Opernsanierung, um Lehren für künftige Großprojekte zu ziehen. Aber sie meint auch: »Das wird nicht geschehen.«
Mit einer festlichen Gala werden die Bühnen der Stadt Köln am kommenden Donnerstag offiziell eröffnet. Bei der Einweihung der Riphahn-Oper 1957 gab sich Bundeskanzler und Kölns ehemaliger Oberbürgermeister Konrad Adenauer die Ehre. Dem Festakt in Köln werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzler Friedrich Merz und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fernbleiben – obwohl sie eingeladen waren.
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Source: nd