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Olympia 2036 | Olympia und Paralympics: München gewinnt die Wahl mit 91:50
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Hoppla: Noch vor dem Bundespräsidenten hielt der DOSB-Präsident schon den Ergebniszettel in Richtung Publikum und Kameras. Foto: dpa/Marijan Murat Die große Enthüllung des Nachmittags besorgte Thomas Weikert unfreiwillig. Bei der Kür des deutschen Olympiabewerbers für die Spiele von 2036, 2040 oder 2044 hielt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) den Zettel mit dem Wahlergebnis so in Richtung Publikum, dass »München« schon zu lesen war, bevor wie vorgesehen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Sieger verkünden konnte. Moderatorin Esther Sedlaczek verrutschte kurz das Lächeln: So viel Transparenz war an diesem Sonnabend nicht vorgesehen im Kurhaus Baden-Baden. Steinmeier indes versuchte, gute Miene zum verdorbenen Spiel zu machen: »Wer es jetzt eben nicht gesehen hat, dem sage ich: Sieger ist ... München.«
Als der DOSB später auf einer Pressekonferenz das genaue Resultat der Abstimmung verkündete, wurde der Sieg der Münchner über die Konkurrenz von Köln-Rhein-Ruhr noch klarer erkennbar: 91 zu 50 lautete das Ergebnis auf der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung. Insgesamt wurden 141 von 144 möglichen Stimmen abgegeben. Die 42 olympischen Spitzenverbände verfügten über 126 der 141 Stimmen. Die Landessportbünde durften nicht abstimmen. Auch der Deutsche Behindertensportverband hatte kein Stimmrecht – obwohl es ausdrücklich ebenso um Paralympische Spiele ging.
»Jetzt heißt es: hart arbeiten.«
41 Stimmen Vorsprung für die Bayern, von dem viel beschworenen »Krimi« war an den elektronischen Abstimmungsgeräten nicht viel zu erkennen. Es war ein klarer Favoritensieg. München darf nun Anlauf auf seine zweiten Olympischen Spiele nehmen. Die Sommerspiele von 1972 waren zugleich die bislang letzten Olympischen Spiele auf deutschem Boden. Die Paralympics fanden damals in Heidelberg statt; für München wäre ihre Austragung eine Premiere. Bei einer Rückkehr nach München 2036 wären 64 Jahre seit den letzten deutschen Spielen vergangen.
Nach der Verkündung wurden Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) auf die Bühne gebeten. Bayerns Landesvater gab sich staats- und sportsmännisch. Er lobte die Konkurrenz aus Nordrhein-Westfalen: »Ihr habt uns ganz schön ins Schwitzen gebracht.« Um sogleich wieder Disziplin zu verkörpern: »Der Moment der Freude ist ganz kurz. Jetzt heißt es: hart arbeiten.« OB Krause sagte, die Freude sei »unendlich«. Das ungleiche Duo will den Sieg nun mit einer Fahrt im »Olympia-Looping« auf dem Oktoberfest feiern. Anders als bei Olympia 2036 steht dort wenigstens vorher fest, was der Spaß kostet.
Die Bayern überzeugten mit zur Schau getragener Zuversicht und einem starken olympischen Erbe: Der bestehende Olympiapark von 1972 soll den Kern möglicher neuer Spiele bilden, dazu kommen vorhandene Wettkampfstätten, ein geplantes zentrales Olympisches Dorf und vergleichsweise kurze Wege. Laut Konzept sollen 90 Prozent der Wettkampfstätten weniger als 30 Kilometer vom Dorf entfernt liegen. Im DOSB-Prüfbericht hatten die Bayern die höchste Punktzahl bekommen: 87,03 Punkte für München, 85,02 für Köln-Rhein-Ruhr, 74,64 für Berlin, das allerdings am Donnerstag seinen Rückzug verkündet hatte. Zudem hatten beim Münchner Bürgerentscheid im Oktober 2025 66,4 Prozent der Abstimmenden Ja zu Olympia gesagt, bei einer Beteiligung von 42 Prozent.
Der Erhalt des olympischen Erbes ist indes mittlerweile selbst zu einem kostspieligen Unterfangen geworden. Allein für die Sanierung des ikonischen Zeltdachs im Olympiapark sind 298,4 Millionen Euro bewilligt. Dort sollen unter anderem 11.000 Acrylglasplatten ausgetauscht werden. Der Beschluss dazu stammt allerdings aus dem Jahr 2025, weswegen sich diese Kosten nicht einfach neuen Olympischen Spielen zuordnen lassen. Sie zeigen aber, wie viel Aufwand auch vorhandene Wettkampfstätten machen können. Die Regattastrecke in Oberschleißheim und die Olympiaschwimmhalle beispielsweise gelten als sanierungsbedürftig.
Der echte Nutzen der Spiele wird sich daran messen lassen müssen, was nach einer möglichen Austragung bleibt: bezahlbare Wohnungen im Olympischen Dorf, dauerhaft nutzbare Anlagen für Schulen und Vereine, eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur.
Auch wenn München 2036 am Sonnabend als gesamtdeutsches Projekt beschworen wurde, konzentriert es sich am Ende stark auf Bayern. Abgesehen von Segelwettbewerben in Kiel und Fußballspielen in Stuttgart sieht das Münchner Konzept sämtliche Wettkämpfe im Freistaat vor. Anders als bei Köln-Rhein-Ruhr, das Rostock-Warnemünde als Segelrevier und Markkleeberg für die Kanuwettbewerbe eingeplant hatte, bleibt Ostdeutschland in Sachen Münchner Bewerbung außen vor.
Die nächste Wahlentscheidung hat nun das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu treffen. Im März 2027 soll der Kreis der Interessenten für den sogenannten »strategischen Dialog« benannt werden. Ende 2028 soll der »gezielte Dialog« mit einem oder mehreren Bewerbern beginnen, ehe im Sommer 2029 die Entscheidung über den Ausrichter der Spiele 2036 fällt. Zu den möglichen Konkurrenten zählen Ahmedabad in Indien, Doha in Katar und Istanbul; auch Budapest hat Olympia-Pläne, ebenso Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana. Ein abschließendes Bewerberfeld steht noch nicht fest. Ebenso ist offen, ob das IOC die Spiele 2036 und 2040 gemeinsam vergeben wird.
Unmittelbar vor der Wahl war der DOSB noch einmal in die Kritik geraten. Wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtete, musste der DOSB kurz vor der Abstimmung einen seiner Prüfberichte korrigieren: Im begleitenden Bericht der Arbeitsgruppe »Kosten und Finanzierung« war zunächst fälschlicherweise behauptet worden, der Haushaltsausschuss des Bundestages habe die Ergebnisse bestätigt. Tatsächlich hatte sich das Gremium damit gar nicht befasst. Nach der Korrektur war nur noch von der Zustimmung des CSU-Abgeordneten Stephan Mayer die Rede. Der DOSB sprach von einem Redaktionsfehler. Konkrete Zahlen fehlen in dem Bericht weiterhin.
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Source: nd