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Nach Rassismusvorwürfen | Simpsons lernen nie aus

Die Serie parodiert seit 1989 die US-Politik. Dass »Apu« jetzt eine neue Stimme bekommt, ist überfällig und ein gutes Zeichen.

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Apu Nahasapeemapetilon von den Simpsons hat wieder eine Stimme. Foto: Imago/Cinema Publishers Collection Apu Nahasapeemapetilon spricht nach jahrelanger Pause wieder. Der Verkäufer im »Kwik-E-Mart« der animierten US-Kultserie »Simpsons« hat einen neuen Synchronsprecher: den Schauspieler Sunil Malhotra. Mit Apu kehrt auch seine Frau Manjula als sprechender Charakter zurück. Ihre Stimme ist nun die der Schauspielerin Janina Gavankar. Beide sind US-Bürger*innen mit indischen Wurzeln.

Damit unterscheiden sich die neuen Stimmen von ihren Vorgänger*innen Hank Azaria und Jan Hooks. Azaria und Hooks sind beide weiß und sprechen vermutlich keine einzige der 22 indischen Amtssprachen, geschweige denn eine der über hundert weiteren verbreiteten Sprachen in Indien.

Dem Verstummen Apus ging eine Debatte um Rassismus und stereotype Darstellungen über indische Migrant*innen in der Serie voraus. Angestoßen hatte sie der Komiker und Simpsons-Fan Hari Kondabolu mit seiner Dokumentation »The Problem with Apu« (2017). Kondabolu spricht darin mit mehreren Schauspieler*innen mit indischen Wurzeln, die bei Castings aufgefordert wurden, »wie Apu zu sprechen« – also einen übertriebenen indischen Akzent im Englischen nachzuahmen.

Hank Azaria, der Apu jahrzehntelang sprach, hatte sich nach eigener Aussage an der Darstellung eines Inders durch einen weißen britischen Schauspieler in den 1960er Jahren orientiert, nach der Kritik jedoch seine Rolle nicht erneuern wollen. Dass er sie überhaupt bekommen hatte, liegt auch daran, dass die Macher*innen der Serie vor allem aus finanziellen Gründen anfangs mehrere Rollen an ein- und denselben Sprecher vergaben. Azaria spricht noch heute mindestens zehn wiederkehrende Nebenrollen-Charaktere der Serie.

Es liegt auf der Hand, dass die Neubesetzung von Apus Stimme nicht nur erfreulich, sondern überfällig ist. Ebenso wenig lässt sich bestreiten, dass Apu dem stereotypen westlichen Bild eines Inders in den USA entspricht: Er lebt in einer arrangierten Ehe, ist Veganer, hat acht Kinder und verkauft seine Ware überteuert.

Die Serie thematisiert aber auch die prekäre Lage einer migrantischen Familie in den USA. In einer Folge von 1996 geht es etwa um ein Gesetz zur Abschiebung von Migrant*innen ohne gültige Papiere, zu denen auch Apu zählt. In typischer Simpsons-Manier parodiert die Folge ganz konkret die damalige Einwanderungspolitik, nämlich ein kalifornisches Gesetz von 1994, das Einwander*innen Arbeitsrechte und staatliche Leistungen entziehen wollte.

Auch die Kritik von Komiker Hari Kondabolu ließen die Serienmacher*innen nicht unbeantwortet. Sie griffen sie 2018 in einer Folge auf, in der es um sogenannte political correctness ging. Kondabolu zeigte sich mit dieser Reaktion unzufrieden. Andere Simpsons-Fans verwiesen hingegen darauf, dass die Serie bewusst mit Klischees und stereotypen Charakteren spiele, auch wenn diese Minderheiten beleidigen können.

Wie stark Rassismus gegen Menschen mit südasiatischen Wurzeln in den USA verbreitet ist, zeigt sich nicht zuletzt in rassistisch motivierten Anschlägen weißer US-Bürger*innen auf Migrant*innen in den vergangenen Jahren. Serien mit Millionen Zuschauer*innen wie »Die Simpsons« können dazu beitragen, stereotype oder gar rassistische Bilder von Migrant*innen aufrechtzuerhalten. Dennoch muss man für »Die Simpsons« eine Lanze brechen: Es gibt kaum andere Serien, die sich derart kritisch mit dem aktuellen gesellschaftspolitischen Geschehen auseinandersetzt. Seit 1989 richten die Macher*innen ihren Humor gegen die Gewalt und den Krieg durch die herrschende US-Politik. Dass Apu nun von jemandem gesprochen wird, der keinen übertriebenen indischen Akzent spielen muss, zeigt: Die Serie kann auch an sich selbst arbeiten.

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Originally published bynd
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