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Mitteleuropa | Allgemeinplätze als Hitzeschutz

Patienten und Bewohner von Krankenhäusern und Pflegeheimen leiden besonders unter der Erwärmung. Schnelle Anpassung ist in Deutschland nicht in Sicht.

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Deutschlabds Kliniken sind bisher kaum auf extreme Hitzetage eingestellt. Foto: IMAGO/Funke Foto Services Es war der übliche politische Reflex, als im Hitzesommer 2026 die Sonne unerbittlich brannte. So forderte etwa die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, ein Sofortprogramm für den Einbau von Klimaanlagen in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Schulen. »Das Wichtigste wäre, dass man alte Menschen und Kinder besser schützt«, sagte sie. Da die Temperaturen gesunken sind, wird mittlerweile kaum mehr über Hitzeschutz gesprochen. Passiert ist dementsprechend: wenig. Und das, obwohl nach offiziellen Schätzungen mindestens 15.000 Todesopfer zu beklagen waren.

Beispiel Thüringen: Hier hatte es im Sommer eindringliche Mahnungen dazu gegeben, was die hohen Temperaturen für alle bedeuten, die sich in Krankenhäusern und Pflegeheimen aufhalten. Also neben Patienten und Bewohnern auch die Mitarbeiter. Die Lage in vielen Einrichtungen sei »katastrophal«, warnte etwa Stefanie Döll, Oberärztin im Notfallzentrum der Zentralklinik Bad Berka. Zwar seien die OPs aus Hygienegründen klimatisiert und in Notaufnahmen gebe es zusätzlich Klimaanlagen, aber in den allermeisten Bereichen von Krankenhäusern gebe es keine Möglichkeit, die Temperaturen zu senken. »Wir tragen Funktionskleidung«, sagte Döll mit Verweis auf Ärzte und Pflegepersonal. »Das ist ausgelegt für Wind und Wetter, aber nicht für Temperaturen von 35 Grad und darüber.«

Wenn man heute mit den Verantwortlichen in Thüringer Krankenhäusern oder bei der Landeskrankenhausgesellschaft darüber sprechen möchte, welche Konzepte für besseren Hitzeschutz es mittlerweile gibt, dann ist da nur Schweigen. Woraus im Sommer 2027 ganz sicher wieder schlimmes Schwitzen werden wird.

Das hat natürlich auch mit der Finanzlage zu tun. Denn viele Kliniken und Pflegeheime können die großflächige Nachrüstung von Klimaanlagen für ihre Stationen nicht selbst bezahlen. Und angesichts des Geldmangels in den öffentlichen Kassen tut sich der deutsche Staat schwer damit, die Mittel bereitzustellen.

Es fehlt das Geld, um alle Patientenzimmer in Kliniken oder Pflegeheimen mit Klimaanlagen auszustatten.

Immerhin wird bei Neu- oder umfangreichen Umbauten an medizinischen Einrichtungen inzwischen darauf geachtet, dass sie möglichst gut gegen Hitze schützen. »Neue Bauprojekte, die durch das Land im Rahmen der Einzelförderung finanziert werden, sollen natürlich den aktuellen baulichen Standards entsprechen, auch im Bereich Hitzeschutz«, sagt eine Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums. Grundsätzlich sind die Länder für Krankenhausinvestitionen zuständig. Außerdem gebe es einen Transformationsfonds, der anteilig vom Bund finanziert werde und über den ebenfalls einige Dinge bezahlt werden könnten, die zu mehr Schatten, mehr Grün oder mehr kühlen Innenräumen führten. Für Bestandsbauten existiere das Programm »Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen« des Bundesumweltministeriums.

Insgesamt fehlt das Geld, um alle Patientenzimmer in deutschen Kliniken oder Pflegeheimen mit Klimaanlagen auszustatten. Das Gleiche gilt für die Aufenthalts- und Arbeitsräume von Ärzten, Pflegern, Reinigungskräften, Servicemitarbeitern. Das auch, weil die Stromkosten für den Betrieb solcher Anlagen immens sind. »Für die bauliche und technische Anpassung der Krankenhäuser müssen wir weiter genau prüfen, welche bestehenden Fördermöglichkeiten von Bund und Land genutzt werden können«, sagt Landesgesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD).

Für ein bisschen Linderung können alle nur auf bestehende Hitzeschutzpläne hoffen: »Mit dem Thüringer Hitzeaktionsplan haben wir einen Rahmen geschaffen, den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze systematisch zu begegnen«, so die Ministerin.

Ein Blick in derartige Dokumente zeigt allerdings, dass davon keine Wunder zu erwarten sind. Oft sind dort eher allgemein bekannte Hinweise niedergeschrieben: »Medikamente sollten generell in verschattbaren Räumen aufbewahrt werden, um die für die Lagerung angegebenen Temperaturbereiche einzuhalten«, heißt es etwa im Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums. Oder: »Vulnerable Patientinnen und Patienten sollten in kühlere Zimmer verlegt werden.« Oder: »Es sollte nur nachts beziehungsweise in den frühen Morgenstunden gelüftet werden.«

Die Aufzählung solcher Allgemeinplätze einen »Musterhitzeschutzplan« zu nennen, ist freilich nicht mehr als ein Reflex. Das Papier war im Übrigen schon im April 2024 veröffentlicht worden.

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