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Miete | Wohnen oder Leben?

Die Hälfte der Mieter*innen hat wegen zu hoher Mieten Lebenspläne geändert. Noch schlimmer sieht es bei der Gen Z aus. Ein guter Grund für Protest.

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Foto: Immer höhere Mieten fressen immer mehr Geld eines Großteils der Menschen auf. Eine neue, vom Sozialverband Deutschland (SoVD) in Auftrag gegebene Umfrage zeigt das Ausmaß des Mietelends. Im Rahmen der Umfrage wurden etwa 2500 Mieter*innen bezüglich Miete und Finanzen befragt. Es ist eine Umfrage, die Bestürzung und Wut auslöst.

Der Wohnungswahnsinn ist vollkommen außer Kontrolle. Foto: dpa/Oliver Berg 53 Prozent der Mieter*innen gaben an, sich angesichts ihrer Wohnsituation stark finanziell einzuschränken. Davon 18 Prozent sogar »sehr stark«. Seit Jahrzehnten geht es im neoliberalen Wahn aus Austerität, steigenden Kosten und Steuergeschenken an die Bonzen bergab für die arbeitenden Menschen. Nirgends ist die Lage so kurz vor dem Explodieren wie bei der Miete.

Während sich die besitzende Klasse am ureigenen Bedürfnis der Menschen nach einem Zuhause die Kassen füllt, strampeln sich die Mieter*innen mehr und mehr ab, nur um nicht immer weiter vom Stadtzentrum verdrängt, in immer marodere Wohnungen abgeschoben oder letztlich gar auf die Straße geworfen zu werden.

Also heißt es, sich zusammenzureißen. Den Gürtel enger zu schnallen und alles zu geben, nur um wenigstens den Status quo noch halten zu können. Fast die Hälfte der Befragten gab außerdem an, wegen zu hoher Wohnkosten bereits konkrete Lebenspläne geändert oder aufgegeben zu haben. Zehn Prozent haben ihre Familienplanung wegen der Miete verändert. »Wohnst du noch oder lebst du schon?« – hieß es in der bekannten Ikea-Werbung der 2000er-Jahre. Treffender wäre heute: »Lebst du noch oder wohnst du schon?« Es ist ein Trauerspiel, das sich angesichts der kommenden Kürzungen beim Wohngeld nur noch weiter zuspitzen wird. Statt dass Mieter*innen ihre Lebenspläne wegen zu hoher Mieten aufgeben, sollten Bonzen dazu gebracht werden, ihre Mietwohnungen aufzugeben – siehe Vergesellschaftung.

Hinzu kommt ein katastrophaler Trend. Je jünger die Mieter*innen, desto schlimmer die Mietsituation. Bei 30- bis 39-Jährigen gaben 60 Prozent an, sich wegen der Miete finanziell einschränken zu müssen, statt der generellen 53 Prozent. Bei 18- bis 29-Jährigen sind es sogar gut zwei Drittel. Wer sich jetzt noch über Gen-Z-Proteste wundert, hat den Kontakt zur Realität in diesem Land verloren. Man sollte sich eher fragen, warum es so wenige Proteste gibt.

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Originally published bynd
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