Faultline Faultline Kommando 161

Germany · nd · · 2h

Medizin | Erfreuliches Defizit der Universitätsklinik

Deutsch (original) · Read in English ⇄

16 von 80 Professoren sind bereits berufen. Die Universitätsmedizin hat 2444 Beschäftigte für die Krankenhausversorgung und bislang 245 für Forschung und Lehre. Foto: dpa/Patrick Pleul Das bis dahin städtische Carl-Thiem-Krankenhaus in Cottbus wurde im Sommer 2024 zur Medizinischen Universität Lausitz hochgestuft. Nun sollen dort zum Wintersemester 2026/27 die ersten 36 von dereinst 200 Studierenden immatrikuliert werden.

Die Medizinische Universität bekomme Geld vom Bund, vom Land und von den Krankenkassen und außerdem seien dieses Jahr bereits acht Millionen Euro Drittmittel für Forschungsprojekte zugesagt worden. Das sagten der Kaufmännische Vorstand Alexander Hewer und die Professorin Astrid Kuhlmey am Mittwoch im Wissenschafts- und Kulturausschuss des brandenburgischen Landtags. Kuhlmey war per Video zugeschaltet, Hewer stellte sich den Abgeordneten persönlich vor. Er habe 23 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen. »Ich war an großen und namhaften Häusern in Berlin und Stuttgart tätig«, erzählte Hewer. Seit zwei Jahren sei er nun in Cottbus.

Hewer informierte über die wirtschaftliche Situation. Er bestätigte dem CDU-Landtagsabgeordneten und Medizinprofessor Michael Schierack, dass es Universitätskliniken in Deutschland derzeit schwer haben – aber nicht nur die, sondern auch kommunale Krankenhäuser. Eine Faustregel besage, dass Kliniken pro Jahr und Bett ein Defizit von 15.000 bis 20.000 Euro machen, welches von den Trägern ausgeglichen werden müsse. Vergangenes Jahr machte die Universitätsmedizin 5,9 Millionen Euro minus, dieses Jahr werden es voraussichtlich 6,9 Millionen Euro sein.

»Natürlich ist eine Universitätsmedizin ein teures Unterfangen, selbstverständlich.«

Für das Land Brandenburg summiert sich dies auch 160 Millionen Euro im Jahr. »Natürlich ist eine Universitätsmedizin ein teures Unterfangen, selbstverständlich«, gestand Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) ein. Doch wenn Brandenburg weiterhin keine Universitätsmedizin hätte, käme dies deutlich teurer zu stehen, ist sich Schüle sicher. Das Bundesland war bei der Ausbildung von Ärzten bislang vor allem auf die Berliner Charité und auch die Universität Greifswald angewiesen. Eine eigene staatliche Einrichtung dieser Art fehlte und wurde schmerzlich vermisst. Cottbus soll eine Antwort auf den Ärztemangel in Brandenburg und gerade auch die Versorgungsengpässe in der Lausitz sein.

Die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann hat das Gefühl, »es läuft richtig gut«. Der Vorstandsvorsitzende Eckhard Nagel berichtet, man habe in Cottbus ein »voll funktionsfähiges Universitätsklinikum in vielen Teilen schon heute«, denn bereits das große städtische Krankenhaus habe sehr viele Behandlungen angeboten. Beispielsweise die Nierentransplantation fehle noch zur Maximalversorgung. Die soll aber kommen.

Mit der Charité oder dem Universitätsklinikum Heidelberg könne sich Cottbus nicht messen, denn die betreiben ausgeprägte Grundlagenforschung, weiß Nagel. Die Forschung in Cottbus konzentriere sich auf die Schwerpunkte Versorgung und Digitalisierung. An Studien zu neuen Medikamenten sei Cottbus bereits beteiligt. Vergleichen könnte man sich, so meint Nagel, mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, deren Universitätsklinik 1952 aus einem 1914 gebauten städtischen Krankenhaus hervorgegangen ist.

Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.

Dank der Unterstützung unserer Community können wir:

→ unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen

Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.

Read the full story at the source →

Source: nd