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Marathon | Die deutschen Marathonläufer werden immer schneller

Drei Topathleten pushen sich gegenseitig zu neuen Bestzeiten. In Frankfurt will Europameister Amanal Petros einen neuen Rekord aufstellen.

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Richard Ringer (v.) und Amanal Petros (2.v.r.) wollen am Sonntag für ein historisches Rennen sorgen. Foto: imago/Stefan Mayer Renndirektor Jo Schindler verhehlt nicht, dass er sich kein besseres Abschiedsgeschenk hätte vorstellen können. Nach 25 Jahren organisiert der gebürtige Regensburger zum letzten Mal den Frankfurt Marathon, der in seiner 43. Auflage am Sonntag mit einem Stelldichein der deutschen Elite aufwartet: Europameister Amanal Petros (Bestzeit 2:04:03 Stunden), Samuel Fitwi (2:04:45) und Richard Ringer (2:05:46) starten gemeinsam an der Frankfurter Messe.

»Wir haben vor anderthalb Jahren angefangen, an dieser Konstellation zu arbeiten«, verrät Schindler. Sein Event ist deshalb so gefragt wie nie zuvor: Allein für die klassischen 42,195 Kilometer haben sich 19.676 Starter angemeldet. Die drei deutschen Asse sollen im besten Fall gemeinsame Sache machen, um den Europarekord des Belgiers Bashir Abdi (2:03:36) zu knacken.

Petros müsste dafür fast eine halbe Minute unter seinem deutschen Rekord bleiben, hält das aber grundsätzlich für möglich. »Ich habe so gut trainiert.« Einzige Einschränkung: »Es kann sein, dass es sehr kalt und windig wird und es regnet. Insofern kann ich nichts garantieren.« Der älteste Stadtmarathon in Deutschland ist sogar besser besetzt als die Leuchtturmveranstaltung in Berlin Ende September. Auch weil in diesem Jahr gerade mal 42 Tage Abstand zwischen dem Rennen in der Hauptstadt und der Leichtathletik-EM in Birmingham lagen, wo Petros am 16. August auf einem anspruchsvollen Kurs zu Gold stürmte.

Den Problemen mit der Visa-Erteilung für den gebürtigen Eritreer – dem Vernehmen nach kolossal unterschätzt vom Deutschen Leichtathletik-Verband – war er in England einfach davongelaufen. Er sei vor allem deshalb »15 Kilometer vor dem Ziel abgehauen«, sagt der 31-Jährige im Rückblick, weil er im Vorjahr bei der WM in Tokio eine Schwäche verraten habe, »als ich mich umgedreht habe«. Letztlich fehlten nur wenige Hundertstel zu Gold. Deswegen richtet Petros, der einst im Januar 2012 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus der umkämpften Grenzregion Tigray nach Deutschland kam, den Blick im EM-Rennen nur nach vorne.

Diese Devise hat auch sein Konkurrent und Freund Richard Ringer registriert, der 2022 bei der EM in München noch gewonnen und Petros als Vierten im Schlussspurt zurückgelassen hatte. Allein, dass deutsche Läufer die jüngsten beiden Europameisterschaften gewannen (und dazu noch jeweils Silber mit der Mannschaft holten), sagt viel über eine Entwicklung, die auch Organisator Schindler vor einem Jahrzehnt für undenkbar hielt.

Der 67-Jährige, der seine Veranstaltungsagentur an London Marathon Events verkauft hat, wünscht sich nur noch eins für sein letztes Rennen in offizieller Funktion: »Der deutsche Rekord soll fallen. Samuel hat versprochen, dass er da auf jeden Fall mitzieht. Richard geht seine Rennen etwas vorsichtiger an, hat aber den stärksten Schlussspurt von allen. Was Schöneres kann ich mir nicht vorstellen, als sportlich noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen.« Der letzte deutsche Sieger in der Bankenstadt war Michael Fietz 1997 mit einer Zeit von 2:10:59 Stunden.

Der derzeitige Aufschwung der deutschen Läufer hat nach Einschätzung von Jörg Ullmann viele Facetten. »Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir hatten nie eine solche Qualität von Athleten. Richard Ringer, der die Marathon-EM vor vier Jahren gewinnt. Amanal Petros, der seine sensationelle Entwicklung hingelegt hat. Und Samuel Fitwi, der in Hamburg mal eben Zweiter wird«, sagt der Laufmanager, bei dem der 30 Jahre alte Fitwi und der 37 Jahre alte Ringer unter Vertrag stehen. So unterschiedlich die Charaktere seien, gebe es bei diesem Trio Gemeinsamkeiten: »Sie besitzen nicht nur herausragendes Talent, sondern sie sind auch bereit, ihr ganzes Leben auf den Sport auszurichten.«

Ein Marathonprofi müsse viel Verzicht üben, um unentwegt an der Ausdauer zu arbeiten. Ullmanns These: »Nur wer die ganze große Leidenschaft mitbringt, ordnet sein ganzes Leben dem Laufen unter.« Vorzeigefigur Petros schwört darauf, sich im kenianischen Läufer-Mekka Iten vorzubereiten, das für ihn schon ein zweites Zuhause geworden ist.

Auch jetzt ist er fast direkt aus der entbehrungsreichen Zeit im ostafrikanischen Hochland nach Frankfurt gekommen. Ihn inspirierten die kenianischen Athleten, sagt er. »Es gibt ein gemeinsames Training jeden Tag frühmorgens und am Abend. Das ist wie eine Kultur. Ich habe gelernt, mich auf den Sport zu konzentrieren, also trainieren, essen, schlafen, und dabei mental stark zu sein.«

In Frankfurt will er diese Kultur wieder unter Beweis stellen. Sein Antrieb: »Der Sport ist heutzutage sehr wichtig, weil er Menschen verbindet – egal mit welcher Hautfarbe oder Religion. Sport ist Liebe, Freiheit und Demokratie.«

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Originally published bynd
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