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Linke Berlin | Migrantische Linke stellt sich hinter Ferat Koçak

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Ferat Koçak (Linke) ist seit 2025 Bundestagsabgeordneter. Foto: dpa/Elisa Schu Die Bundesarbeitsgemeinschaft »Migrantische Linke/Links*kanax« in der Linkspartei hat dem in der Kritik stehenden Linke-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ihre Unterstützung ausgesprochen. »Wir stehen hinter Ferat«, heißt es in einem Statement auf Instagram. »Ferat hat einen Fehler gemacht und trägt dafür Verantwortung. Aber wir lassen nicht zu, dass an einen migrantischen Genossen andere Maßstäbe angelegt werden als an alle anderen.« »Migrantische Linke/Links*kanax« ist ein bundesweiter innerparteilicher Zusammenschluss von Menschen, deren Lebensrealitäten durch Migration, Flucht und Rassismus geprägt sind. Auch Koçak ist Teil der Arbeitsgemeinschaft.

Koçak hatte sich am Dienstag vorerst aus der Öffentlichkeit und aus dem Innenausschuss des Bundestags zurückgezogen, nachdem bekannt geworden war, dass er mit einem vermeintlichen Angehörigen eines »kriminellen Clans« gechattet hatte. Der direkt gewählte Neuköllner Abgeordnete hatte den Kontakt eingeräumt, als Fehler bezeichnet und um Entschuldigung gebeten. »Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen«, so Koçak in einem Statement auf X. In Absprache mit der Linke-Bundestagsfraktion zog er sich wegen der Affäre aus der Öffentlichkeit und aus dem Innenausschuss des Bundestags zurück. Weitere Konsequenzen sind nach Angaben von Linke-Fraktionschef Sören Pellmann möglich. Zunächst erwarte die Fraktion von Koçak volle Transparenz.

»Wir lassen nicht zu, dass an einen migrantischen Genossen andere Maßstäbe angelegt werden als an alle anderen.«

»Wir haben die Schnauze voll von dieser widerlichen rassistischen Doppelmoral, die jeden verdammten Tag von Medien und Politik an den Tag gelegt wird«, heißt es im Statement von »Migrantische Linke/Links*kanax«. Man werde immer Gründe finden, um Menschen mit Migrationsgeschichte in eine rechte Feindbilderzählung zu zwingen. »Dass hochrangige Politiker*innen anderer Parteien Milliarden an Steuergeldern verzocken, Rechtsextreme Vetternwirtschaft im Parlament betreiben, dass Konservative tatsächlich Geschäfte und gemeinsame Sache mit Clans machen, das blendet man selektiv aus«, so die Gruppe weiter.

Die »rassistische Hetzkampagne« sei eine Ablenkung davon, dass die Linke in Berlin nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus stärkste Kraft geworden sei, heißt es weiter. »SPD und Grüne wollen den demokratischen Mehrheitswillen der Berliner*innen nicht umsetzen.« Damit bezieht sich die »Migrantische Linke/Links*kanax« auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen zwischen der Linken, den Grünen und der SPD in Berlin.

Zuvor hatten mehrere Grünen-Bundestagsabgeordnete von der Linken gefordert, diese solle Koçak aus der Bundestagsfraktion ausschließen. Den Anfang machte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge. Sie hatte dies am Dienstag der Linke-Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek nahegelegt. Koçak habe wiederholt an Veranstaltungen teilgenommen, bei denen Menschen aufgetreten seien, bei denen von vornherein klar gewesen sei, »dass sie Terror verherrlichen, wo von vornherein klar war, dass sie das Existenzrecht Israels infrage stellen, von vornherein klar war, wie antisemitisch sie sind«, sagte Dröge. »Und deswegen würde ich Heidi Reichinnek empfehlen, dass Herr Koçak nicht Teil der Fraktion der Linken ist.« Zugleich äußerte Dröge Zweifel an Koçaks Erklärungen zu seinen Kontakten zur organisierten Kriminalität in Berlin.

»Es braucht hier rote Linien, gerade beim Kampf gegen Antisemitismus«, sekundierte Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic am Mittwoch in Berlin. Auch sie forderte von der Linke-Bundestagsfraktion den Ausschluss des Abgeordneten Ferat Koçak wegen seiner Kontakte ins Berliner Clan-Milieu. Mit seiner »offen zur Schau gestellten Sympathie« für »Größen der organisierten Kriminalität« und »Personen, die aus dem Unterstützerumfeld von Terrororganisationen kommen«, versuche Koçak, bestimmte Milieus »salonfähig zu machen«, kritisierte Mihalic.

Koçak ist ein bekannter Kritiker des Konzepts der »Clan-Kriminalität«. Als »kriminelle Clans« werden arabisch- oder kurdischstämmige Großfamilien bezeichnet, die im Verdacht stehen, Teil der organisierten Kriminalität zu sein. Kritiker verweisen darauf, dass mit diesem Konzept Personen nur wegen ihres Nachnamens ins Visier von Sicherheitsbehörden gelangen und insbesondere migrantisch geprägte Stadtteile durch überzogene Polizeieinsätze stigmatisiert werden.

Koçak hatte bei der Bundestagswahl überraschend seinen Neuköllner Wahlkreis direkt gewonnen – das erste Mal für die Linke im ehemaligen West-Berlin. Zuvor war er von 2021 bis 2025 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Überregional bekannt wurde er, nachdem 2018 Neonazis einen Brandanschlag auf das Haus seiner Familie verübt hatten. Dieser war Teil einer rechten Anschlagsserie im Bezirk, die als »Neukölln-Komplex« bekannt wurde. Recherchen brachten ans Licht, dass sowohl Polizei als auch Verfassungsschutz darüber informiert waren, dass zwei bekannte Neuköllner Neonazis Koçak in den Wochen vor dem Anschlag beobachtet und verfolgt hatten. mit dpa

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Source: nd