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War & Militarism nd

Krieg im Sudan | Kein Ende des Kriegs in Sicht

Im Sudan tobt ein Stellvertreterkrieg zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Deutschland pflegt zu beiden beste Kontakte.

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Die Hauptstadt Khartum und der Flughafen ist inzwischen wieder unter der Kontrolle der sudanesischen Armee. Foto: AFP/Ebrahim Hamid An Friedensvermittlungen fehlt es nicht, an Friedenswillen schon. »Der Krieg muss enden«, sagte der persönliche Gesandte des UN-Generalsekretärs für den Sudan, Pekka Haavisto, zum Auftakt der UN-Konferenz zum Sudan Mitte dieser Woche. Sie endete ergebnislos wie auch die fünf UN-Konferenzen zuvor.

Ein Bild vor Ort über den Stand der Friedensbemühungen macht sich derzeit Jan van Aken, Bundestagsabgeordneter der Linken. Bei einer digitalen Pressekonferenz aus Port Sudan schildert er am Freitag seine Eindrücke. »Der Krieg im Sudan hat eine der schwersten humanitären Krisen weltweit verursacht.« Die Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks belegen dies: Demnach sind seit Ausbruch der Kämpfe im April 2023 rund 14 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen worden. »Jetzt droht sogar eine akute Hungersnot«, berichtet van Aken. »Viele Fachleute sagen, sie könnte so schlimm werden wie jene Mitte der 80er Jahre in Äthiopien, die damals Anlass für das berühmte Live-Aid-Konzert gab.«

Seit dem 15. April 2023 tobt im Sudan der Krieg zweier Generäle, der sich längst internationalisiert habe, so van Aken. General Abdel Fattah Al-Burhan befehligt die sudanesische Armee (SAF), Gegenspieler Mohammad Hamdan Daglo, genannt Hemeti, die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF).

Al-Burhan und Hemeti hatten sich bis zum 15. April 2023 die Macht geteilt, bis sie der Streit über das Übergangsabkommen, das die Eingliederung der paramilitärischen RSF in die Armee vorsah, entzweite: der Ausgangspunkt des Krieges, der kein Bürgerkrieg ist, weil sich militärische und paramilitärische Truppen bekämpfen, während die Bürger*innen zwischen den Fronten stehen und verzweifelt versuchen zu überleben.

»Hier oben in Port Sudan und in der Region rund um die Hauptstadt Khartum ist es derzeit ruhig, das ist alles unter der Kontrolle der SAF. Die RSF kontrolliert Teile in Darfur und im Süden und dort eskalieren derzeit auch die Kämpfe«, beschreibt van Aken die Lage.

Beide Kriegsparteien wissen mächtige Unterstützer hinter sich: Die SAF bekommt Waffen vor allem über Saudi-Arabien, die RSF wird insbesondere von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) versorgt.

Die Bundesregierung erkennt weder die SAF als legitime, demokratische Regierung des Sudan an noch die RSF als legitime Bewegung, was van Aken begrüßt. »Wir haben bei unseren Gesprächen mehrfach gehört, dass Deutschland, das hier ein überaus positives Image hat, die Rolle eines neutralen Vermittlers spielen sollte«, erzählt van Aken. Dass das gute Image auch daher rührt, dass die BRD in der Konkurrenz zur DDR nach der Unabhängigkeit 1955 viel im Sudan investiert hat, aber auch viele Waffen lieferte, spart der Bundestagsabgeordnete nicht aus.

Die Dimension des Krieges im Sudan gehe weit über das Land hinaus. »Wir sind hier mitten in einem Krieg, in dem es um sehr viel Geld und um sehr viel Einfluss geht, um Einfluss am Golf und am Roten Meer, das mit dem Suezkanal eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt umfasst. Der Iran-Krieg, der Krieg in Äthiopien, der Krieg im Jemen, alles gehört zusammen«, sieht van Aken Wechselwirkungen zwischen diesen Konflikten. »Viele Gesprächspartner und auch ich haben die Befürchtung, dass sich der Krieg im Sudan zu einem Flächenbrand ausbreiten könnte, der dann ganz schnell auch unsere Geldbeutel in Deutschland betrifft, wie wir das beim Iran-Krieg schon mit den Preisen an den Tankstellen gesehen haben.«

Hinter dem Krieg im Sudan macht van Aken den Konflikt zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien aus. Unter den vielen Streitpunkten sei einer zentral: der Zugang zum Roten Meer. Saudi-Arabien verfüge mit Dschidda über einen bedeutenden Hafen am Roten Meer. Die VAE wollten einen großen Hafen am Roten Meer aufbauen, um im Welthandel ganz vorne mitspielen zu können. Dafür unterstützten die VAE Kräfte im Südjemen, dafür unterstützten sie die Regierung in Äthiopien, dafür unterstützten sie im Sudan die RSF. »Und dafür gehen sie über Leichen.«

Eine zentrale Botschaft, die van Aken von seinen Gesprächspartnern aus Kreisen der UN und der Zivilgesellschaft übermittelt bekam: »Ohne die Unterstützung der VAE für die RSF und ohne die Unterstützung Saudi-Arabiens für die SAF wäre dieser Krieg schnell beendet.« Und hier sieht van Aken auch die Bundesregierung in der Pflicht. »Im Moment genehmigt die Bundesregierung noch Waffenlieferungen an die VAE und an Saudi-Arabien, die beiden Länder, die mit ihren Waffenlieferungen den Krieg im Sudan möglich machen. Solche Länder darf die Bundesregierung nicht mit eigenen Waffenlieferungen unterstützen.«

Dass Deutschland im April in Berlin die dritte internationale Sudan-Konferenz ausgerichtet hat und damit Frankreich und Großbritannien nacheiferte, wurde im Sudan positiv gesehen und weiß auch van Aken zu würdigen. Immerhin gab es Mittelzusagen von fast 1,5 Milliarden Euro. Einer Friedenslösung näher kam man in Berlin aber nicht. »Sicherheit für die Handelsrouten im Roten Meer geht nicht militärisch, die geht nur über Diplomatie«, hätte ein ranghoher UN-Beamter dargelegt.

Van Aken stellt für die nächste Sudan-Konferenz an die Bundesregieung deswegen folgende Forderung: »Alle Interessensparteien am Roten Meer müssen an einen Tisch, und dann gilt es, nach Wegen zu suchen, die Interessen von VAE, Saudi-Arabien, Ägypten, Sudan, Jemen etc. unter einen Hut zu kriegen. Das ist selbstverständlich schwer, VAE und Saudi-Arabien führen gerade Krieg um den Zugang zum Roten Meer. Aber auf Dauer ist ein diplomatischer Interessensausgleich die einzige Lösung, um Frieden in dieser Region zu erreichen«, ist von Aken überzeugt. Der Weg dahin ist noch weit und Deutschland noch auf einem anderen Kurs, bedauert van Aken und verweist auf vergangene Woche. Da wurde im Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen, die Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Marineoperation EUNAVFOR Aspides im Roten Meer um ein weiteres Jahr zu verlängern. Mit Frieden in der Region rechnet so schnell offenbar keiner.

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Originally published bynd
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