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Krankenhäuser | Mehr Aufklärung soll Notfallreform retten

Barmer-Krankenhausreport zeigt Mängel der Reform. Die Belastung der Notaufnahmen kommt demnach auch von schlechter Patientensteuerung.

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Freiwillige Pflegekräfte und Ärzteteams bei der Simulation eines Massenunglücks an der Universitätsmedizin Rostock. Foto: afp/Stefan Sauer Die Notfallreform wurde zwar schon Mitte Oktober vom Bundestag verabschiedet und soll ab Januar in Kraft treten. Letzteres aber nur in Teilen: Die neuen integrierten Notfallzentren (INZ) und die digitale Zusammenlegung der Rufnummer 112 und 116 117 brauchen etliches an Vorbereitung, und das wird dauern. Zumal außerdem auch noch die Zustimmung der Länderkammer zwingend ist, die für den 20. November vorgesehen ist.

Obwohl einerseits alles schon recht fortgeschritten ist, reisst die Kritik an der Reform nicht ab. Bei den Skeptikern reihte sich jetzt auch die Krankenversicherung Barmer ein, die Argumente aus ihrem neuesten »Krankenhausreport« einbringt. Demnach ist unter anderem die Zahl der ambulanten Notfallbehandlungen in Deutschland innerhalb von zehn Jahren um 8,7 Prozent gestiegen. In jedem zehnten Krankenhaus hat sich die Anzahl dieser Behandlungen sogar mehr als verdoppelt.

»Es bringt nichts, Patienten an eine Arztpraxis zu verweisen, die keine Termine hat.«

Nun setzt auch Barmer-Chef Christoph Straub darauf, dass die telefonische Ersteinschätzung, digital unterstützt, zur Entlastung der Notaufnahmen (von fehlgesteuerten Patienten) sehr sinnvoll wäre, einschließlich einer inklusiven Terminvergabe. Allerdings: Verbindlich ist das im Rahmen der Reform nicht festgelegt worden. Patienten können zwar telefonieren, bevor sie selbst zur Rettungsstelle fahren, aber sie müssen es nicht. Ohne eine klare Vorgabe sei der Erfolg der Reform fraglich, meint der Kassenchef. Derartige Mängel im Gesetz gibt es einige. Offensichtlich hat auch Straub wenig Hoffnung, dass hier schnell nachgebessert wird – aber er stellt die Forderung trotzdem.

Indessen sieht der Report-Autor Daniel Grandt die Sache optimistischer, auch wenn Patienten die telefonische Ersteinschätzung noch nicht verbindlich durchlaufen müssen. »Wer vorher telefoniert, ist im Vorteil, er spart Wartezeit und muss vielleicht überhaupt nicht zum Arzt.« Diese Patienten könnten beruhigt werden und auch ohne Notaufnahme oder sogar ohne weiteren Arzttermin zu ihrer Zufriedenheit »behandelt« werden. Das müsse nur besser kommuniziert werden. Ein notwendiger Bestandteil der Reform sei also auch eine Aufklärungskampagne für die Patienten, so Grandt.

Dass Entlastung der Notaufnahmen möglich ist, hätten Erfahrungen in Dänemark gezeigt, die ebenfalls im Barmer-Report zusammengefasst wurden. Hier müssen die Patienten durch die telefonische Ersteinschätzung – und in 42 Prozent der Fälle waren die Telefonate fallabschließend.

Laut Straub suchen aber in Deutschland einzelne Patienten die Notaufnahme bis zu 32 Mal im Jahr auf, ohne ein einziges Mal stationär aufgenommen zu werden. Umfragen haben zudem ergeben, dass 60 Prozent der Notaufnahmepatienten ohne Nutzung apparativer Diagnostik behandelt wurden – was durchaus auch Hausärzte leisten können. Dann aber müsste es jederzeit genug freie Hausarzttermine geben, und hier liegt ein weiterer Engpass im System. Immer weniger Hausärzte müssen immer mehr ältere, chronisch Kranke behandeln. Hinzu kommt, dass Patienten die Notaufnahme durchaus als übliche Alternative zum Hausarzttermin wahrnehmen.

Barmer-Chef Straub sieht darin ein grundlegendes Problem des deutschen Gesundheitswesens mit seinen häufigen Arztkontakten. »Hier sind wir immer noch in der Quartalslogik.« Das heißt, chronisch Kranke werden regelmäßig alle drei Monate einbestellt und blockieren vielleicht den Zugang für akut Kranke. Für die Barmer geht es in diesem Zusammenhang um die Einbindung nichtärztlicher Berufsgruppen – ein Punkt, der ebenfalls noch nicht abschließend gesetzlich geklärt ist. Unter anderem wäre das nützlich für mehr Hausbesuche und für die Versorgung in Pflegeheimen, wo durchaus examinierte Pflegekräfte tätig sind.

Noch einmal zu Wort meldete sich in der Frage auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Auch sie wünscht sich mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. »Patienten müssen wieder verstehen, dass Erkältungen, Schürfwunden, verstauchte Finger und Ähnliches keine Fälle für Notaufnahmen sind, oftmals von selbst abheilen oder überhaupt keiner ärztlichen Versorgung bedürfen«, heißt es in einer Stellungnahme. Nötig seien aber auch mehr ambulante Versorgungsangebote und die ausreichende Finanzierung der Notaufnahmen.

Grundsätzlicher fällt die Reform-Kritik von Stella Merendino aus, Sprecherin für Krankenhaus- und Notfallversorgung der Linke-Fraktion im Bundestag. Das Versagen der Versorgungsstrukturen dürfe nicht zum Fehlverhalten von Patienten umgedeutet werden: »Es bringt nichts, Patienten an eine Arztpraxis zu verweisen, die keine Termine hat. Und eine Notaufnahme kann nicht entlastet werden, wenn Patienten mangels freier Betten nicht auf Station verlegt werden. Notaufnahmen müssen endlich bedarfsgerecht finanziert und ausreichend Stellen geschaffen werden.«

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Originally published bynd
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