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Kraftstoffkosten | Zypern verliert den Preisvorteil

Die Mittelmeerinsel gehörte lange zu den EU-Staaten mit den niedrigsten Kraftstoffpreisen. Doch auch dort steigen die Kosten an der Zapfsäule.

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Vor einem Supermarkt in Nicosia: Noch hält sich der Anstieg der Lebenshaltungskosten insgesamt in Grenzen. Foto: imago/Joko Während europaweite Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten Bürger auf die Straße treiben, bleibt es auf Zypern vergleichsweise ruhig – zumindest vorerst. Doch auch auf der Mittelmeerinsel wächst die Frustration über die Regierung. Der Grund: die seit Monaten steigenden Preise an den Zapfsäulen. Zypern galt lange als eines der Länder mit den niedrigsten Kraftstoffpreisen in der EU. Laut dem »Weekly Oil Bulletin« der Europäischen Kommission vom Januar 2025 gehörte das Land mit einem Super-Benzinpreis von 1,39 Euro pro Liter zu den drei günstigsten Ländern der EU. Der EU-Schnitt lag bei 1,67 Euro, Deutschland bei 1,78 Euro. Auch Diesel kostete auf Zypern damals mit 1,46 Euro weniger als in Deutschland (1,67 Euro). Bei einer 50-Liter-Tankfüllung Super-Benzin sparten Autofahrer auf Zypern damals knapp 20 Euro gegenüber Autofahrern in Deutschland.

Doch mittlerweile schwindet der Preisvorteil. Im Oktober zahlen Zyprioten für Super-Benzin rund 1,76 Euro pro Liter, Diesel hat inzwischen die Zwei-Euro-Marke geknackt (2,02 Euro). Das Land liegt damit zwar weiterhin unter dem EU-Durchschnitt von 2,01 Euro pro Liter Benzin und 2,14 Euro pro Liter Diesel und ist von deutschen Spitzenpreisen von bis zu 2,47 Euro für Diesel noch ein Stück entfernt – aber der Unmut wächst.

Diesel hat inzwischen auch in Zypern die Zwei-Euro-Marke geknackt.

Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig. Neben geopolitischen Spannungen und Einschränkungen des weltweiten Ölangebots treiben auch höhere Transportkosten und Steuern die Kraftstoffpreise auf Zypern nach oben. Das erklärte Constantinos Hadjistassou, Professor und Energieexperte an der Universität Nikosia, in der Radiosendung Morning Briefing des Nachrichtenportals Politis.

Das Land sei besonders anfällig für internationale Energiepreisschwankungen, da die Stromerzeugung weiterhin stark von Öl und anderen fossilen Brennstoffen abhänge, so Hadjistassou weiter. »Während die Verbraucher früher pro Tankvorgang zwischen 30 und 50 Euro ausgaben, geben viele heute nur noch rund 20 bis 30 Euro aus«, beobachtet Marios Drousiotis, Präsident des zypriotischen Verbraucherschutzverbandes. Auch Heizöl sei betroffen.

Die Infrastruktur Zyperns verdeutlicht das Dilemma, vor dem die Bevölkerung steht: Die Insel verfügt über kein Eisenbahnnetz und »kein ausreichendes öffentliches Verkehrssystem, weshalb die Verbraucher auf ihre Privatfahrzeuge angewiesen sind«, sagt Drousiotis. Laut einer Datenanalyse der Deutschen Welle und des European Data Journalism Network (EDJNet) fahren zudem über 90 Prozent der Busse in der Hauptstadt Nikosia mit Verbrennungsmotoren.

Auch die deutsche Bundesregierung versucht, die steigenden Spritpreise einzudämmen. Seit dem 1. Oktober gilt ein befristeter Tankrabatt, der Ende des Jahres ausläuft. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wurde dafür um 14 Cent pro Liter gesenkt. Einschließlich des Mehrwertsteuereffekts ergibt sich daraus eine mögliche Entlastung von rund 17 Cent pro Liter.

Zypern führte seinen Tankrabatt bereits zum 1. April ein. Die ursprünglich im Juni auslaufende Maßnahme wurde wegen der stark steigenden Preise mehrfach bis zum 30. November verlängert. Trotz der Steuersenkung sind die Kraftstoffpreise weiter gestiegen. Verbraucherschützer Drousiotis hält die Entlastung angesichts der deutlich stärkeren Preissteigerungen für zu gering. Zugleich kritisiert er, dass der Staat durch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Kraftstoffe von den höheren Preisen profitiere. »Der Staat sollte diese zusätzlichen Einnahmen, die er derzeit einnimmt, an die Bürger zurückgeben, um sie angesichts der erheblichen Kraftstoffpreissteigerungen zu entlasten«, fordert er.

Die steigenden Preise führen mittlerweile auch zu Tanktourismus. So bestätigte ein Sprecher der zypriotischen Zollbehörde im Oktober gegenüber dem staatlichen Rundfunk (CyBC), dass mehr griechische Zyprioten zum Tanken nach Nordzypern fahren. Als Indikator verwies er auf die gestiegenen Mengen an Kraftstoff, die an den Übergängen beschlagnahmt wurden. Im türkisch-zypriotischen Norden kostet Benzin aufgrund der Abwertung der Türkischen Lira und staatlich festgelegter Höchstpreise umgerechnet 1,38 Euro pro Liter – rund 20 Prozent weniger als im Süden. Beim Diesel sparen Tanktouristen sogar rund 30 Prozent.

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Originally published bynd
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