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Konjunktur | Schlechte Stimmung und teure Autowerkstätten
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Nur im Kfz-Gewerbe gab es zuletzt ein Umsatzplus. Foto: dpa/Hannes P Albers Bedenkliche Nachrichten erreichen uns mittlerweile nicht allein aus der Industrie, sondern auch aus dem Handwerk. In dem traditionell erfolgsverwöhnten Wirtschaftszweig ist der Umsatz in der Zeit von April bis Juni um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Im zulassungspflichtigen Handwerk arbeiteten Ende Juni sechs Millionen Menschen – das sind 1,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Die Konjunkturflaute dürfte sich fortsetzen. Denn im zweiten Quartal sind nicht allein die Umsätze gesunken, sondern auch das Betriebsklima verschlechterte sich. »Die Stimmung nähert sich einem Niveau, das wir zuletzt in der Corona-Zeit erlebt haben«, sagte Handwerkspräsident Jörg Schmieder kürzlich in einem Interview der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Dies belegt der jüngste Konjunkturbericht des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): Der Geschäftsklimaindex, der die Lage und die Erwartungen der Betriebe widerspiegelt, rutschte gegenüber dem schon übellaunigen Vorjahresquartal um 13 Zähler auf 102 Punkte ab.
ZDH-Präsident Schmieder hält die Lage im Handwerk für »insgesamt besorgniserregend«. Die größte Sorge bereitet ihm die Abschwächung der Investitionstätigkeit der Betriebe: »Für die einen rechnen sie sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht, während die anderen wegen der großen Unsicherheit zurückhaltend sind.«
Anders als in gewöhnlichen Zeiten ist die Lage in dem vielfältigen Wirtschaftszweig fast flächendeckend nicht gut. Die stärksten realen Umsatzrückgänge aller sieben Gewerbegruppen im Handwerk wiesen im zweiten Quartal das Ausbaugewerbe, die Handwerke für den gewerblichen Bedarf und das Lebensmittelgewerbe mit jeweils minus 2,4 Prozent auf. Das Bauhauptgewerbe verzeichnete einen Umsatzrückgang von 1,8 Prozent, gefolgt von den Handwerken für den privaten Bedarf mit minus 1,6 Prozent und dem Gesundheitsgewerbe mit minus 1,0 Prozent.
Gerade das Schwächeln der personenbezogenen Dienstleistungen wie Physiotherapie oder medizinische Fußpflege zeigt, dass etwas grundsätzlich falsch läuft.
Gerade das Schwächeln der personenbezogenen Dienstleistungen wie Physiotherapie oder medizinische Fußpflege zeigt, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. Denn die Ausgaben im sonstigen Gesundheitswesen legten gleichzeitig rasant zu. Auch andere hautnahe Dienstleister wie Friseure schwächeln, obwohl die potenzielle Kundschaft leichte Einkommenszuwächse erzielte. Die Friseur-Innungen erklären dies mit der weit verbreiteten Verunsicherung von Verbrauchern angesichts globaler Polykrisen und einer in der Kritik stehenden Bundesregierung, was die Ausgabefreude dämpft.
Zudem sinkt seit einigen Monaten erstmals seit Jahren wieder die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland. Diese Entwicklung des Arbeitsmarktes schwächt laut ZDH zugleich die Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen. Von Sondervermögen, Bauturbo und Investitions-Sonderabschreibungen scheint im Handwerk bislang nichts angekommen zu sein. Es fehlen vor allem private Investitionen, die im Mittel rund drei Viertel aller Investitionen in Deutschland ausmachen.
Und dann sind da noch die Preise: Normale Leute können sich kaum noch einen Handwerker leisten, klagt Verbandschef Dittrich. Ganz oben auf der Wunschliste stünden daher die Lohnnebenkosten. Sie treffen das Handwerk besonders hart, da der Lohnanteil am Umsatz durchschnittlich 60 Prozent beträgt – das ist mehr als doppelt so viel wie in der Industrie. Hinzu kommen regulatorische Kostentreiber wie die Bonpflicht, welche teure Kassensysteme erfordert, sowie Preissteigerungen bei Energie und Material.
Einige Gewerke können die Herausforderungen besser meistern und innerhalb der sieben Gewerbe gibt es auch Unterschiede nach Region und Größenklasse. Einen realen Umsatzanstieg im zweiten Quartal gab es beim Kraftfahrzeuggewerbe mit 0,4 Prozent. Die Autowerkstätten können steigende Kosten leichter im Preis (an die Versicherer) weiterreichen als die meisten anderen der eine Million Handwerksbetriebe und profitieren von dem Trend zu teuren SUVs.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts beziehen sich auf das »zulassungspflichtige« Handwerk, was auf den sogenannten Meisterzwang zielt. Diese gesetzliche Regelung erlaubt es nur Meistern, einen Betrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden. Was die Qualität sicherte, galt der wirtschaftsliberalen rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder aber als Beschränkung des Marktzugangs. Im Jahr 2004 wurde die Zahl der Handwerksberufe mit Meisterzwang deutlich reduziert: von ursprünglich 94 auf nur noch 41. Nach schlechten Erfahrungen wurde der Meisterzwang von der Regierung Merkel in einem Dutzend Gewerke wieder eingeführt. Aber auch das zulassungsfreie Handwerk, auf das ein Viertel aller Betriebe entfällt, macht in diesem Jahr weniger Umsatz.
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Source: nd