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Kommunalwahl | Onyeka Oshionwu: Grüne Hoffnungsträgerin in Niedersachsen

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Foto: Bündnis90/Die Grünen Göttingen Göttingen steht vor einem politischen Wandel. Zwei Jahrzehnte hat die SPD die Stadtverwaltung geprägt. Doch zuletzt wurde die Kritik immer stärker, dass wichtige Vorhaben nur schleppend vorankommen. Ob neue Radwege, die Nachnutzung des alten Gefängnisses im Waage-Viertel oder der Neubau des Hainberg-Gymnasiums – bei mehreren Projekten wartet Göttingen seit Jahren auf Fortschritte.

Mit der Kommunalwahl haben sich nun die politischen Mehrheiten verschoben. In der Stichwahl um das Amt der Oberbürgermeisterin setzte sich am Sonntag mit Onyeka Oshionwu erstmals eine Grünen-Politikerin durch – mit 25 Prozentpunkten Vorsprung vor dem CDU-Kandidaten Ehsan Kangarani. Die bisherige Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) war nach fünf Jahren Amtszeit nicht erneut angetreten; der neue SPD-Kandidat Florian Binger war danach bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Auch im Stadtrat musste die SPD Verluste hinnehmen.

Mit Oshionwu an der Spitze der Stadtverwaltung verbindet sich die Hoffnung, dass die liegengebliebenen Vorhaben endlich vorankommen. Die 33-Jährige kennt die Stadt. Sie ist dort aufgewachsen und hat das Hainberg-Gymnasium selbst besucht – jene Schule also, deren Oberstufentrakt abgerissen und neu gebaut werden soll, weil eine Sanierung zu teuer wäre.

Oshionwu absolvierte anschließend zunächst eine Ausbildung zur Flugbegleiterin und arbeitet seit 15 Jahre bei der Lufthansa. Parallel dazu studierte sie Politik/Wirtschaft und Englisch auf Lehramt, um neben ihrer Tätigkeit noch Jugendliche zu unterrichten. Den Kontakt zu ihrer Heimatstadt verlor sie dabei nie. Seit fünf Jahren gehört sie dem Stadtrat an, zugleich ist sie ehrenamtliche Bürgermeisterin. Bei zahlreichen Anlässen repräsentiert sie bereits die Stadt und vertritt die Oberbürgermeisterin. Für ihr kommunalpolitisches Engagement erhielt Oshionwu 2024 den Helene-Weber-Preis. Mit der Auszeichnung würdigt das Bundesfamilienministerium Frauen, die sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagieren.

Nun soll Oshionwu Schwung in die Verwaltung bringen – und dafür sorgen, dass Beschlüsse auch umgesetzt werden. Einfach dürfte das nicht immer werden. Ein Beispiel dafür ist das alte Gefängnis mitten in der Innenstadt. Was dort entstehen soll, ist seit Langem umstritten: Im Gespräch sind Wohnungen, eine Mikrobrauerei oder ein soziales Zentrum. Um die beste Idee auszuloten, beschloss der Rat der Stadt eine Machbarkeitsstudie für 180.000 Euro. Seitdem ruht das Vorhaben.

»Pläne haben wir in den letzten Jahren genug gemacht«, sagte Oshionwu nach der Wahl dem »Göttinger Tageblatt«. »Wir müssen in die Umsetzung kommen.« Dafür will sie in der Verwaltung ansetzen, die Digitalisierung voranbringen und insbesondere den Fachbereich Bauen stärken.

Was es ihr bedeute, als erste Person of Colour eine Verwaltung in einer deutschen Großstadt zu führen, lautete eine weitere Frage der Lokalzeitung. Sie wich in ihrer Antwort zunächst aus und sagte dann eher beiläufig, Menschen würden bei ihr sicherlich genauer hinschauen, was sie erreichen wird.

Bei der Stichwahl unterstützten sie die SPD und das Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung. Die Basisbewegung sieht »zahlreiche Berührungspunkte« mit den politischen Schwerpunkten von Oshionwu. Das Bündnis hat vor zwei Jahren auch den erfolgreichen Radentscheid unterstützt.

Nun geht es in Göttingen weniger darum, die großen Ziele der Stadtentwicklung abzustecken, als sie umzusetzen. Radwege müssen geplant und gebaut, Gebäude saniert oder neu genutzt, Schulen neu errichtet werden. Daran wird sich Oshionwus Amtszeit messen lassen.

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Source: nd