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Künstliche Intelligenz | Der künstliche Jobkiller
Jedes zweite Geldinstitut in Deutschland will Personal reduzieren. Die Tätigkeiten von Bankangestellten sind durch KI besonders leicht automatisierbar.
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Foto: dpa/Boris Roessler »Ob man sie liebt oder fürchtet: KI ist da.« Begeisterung klingt anders. Doch so warnte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, im Vorfeld der diesjährigen Jahrestagung von IWF und Weltbank in Bangkok vor einer Verschlechterung der globalen Wirtschaftslage. Ein zentrales Thema der Tagung war der »disruptive« (zerstörerische) Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf den globalen Arbeitsmarkt.
Georgieva verglich die Auswirkungen von KI mit einem »langsam rollenden Tsunami«, der insbesondere junge Absolventen treffen werde, wenn sie den Arbeitsmarkt betreten. Laut IWF-Schätzung könnten weltweit rund 40 Prozent aller Arbeitsplätze durch KI »verändert, abgewertet oder eliminiert« werden. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften, also im Globalen Norden, liegt dieser Wert sogar bei 60 Prozent.
So berichten in den MINT-Berufen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik in Deutschland rund vier von zehn Fachkräften, dass in den vergangenen zwölf Monaten Kollegen aus KI-bezogenen Gründen das Unternehmen verlassen haben. Das ergibt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov.
Welche Berufe verschwinden werden und ob überhaupt, ist offen. Zu neu ist die KI-Technik und zu vage sind die Geschäftsideen, die damit verbunden sind. Als besonders gefährdet gelten Jobs von Finanzdienstleistern. In diesem Wirtschaftszweig arbeiten weit mehr als eine Million Menschen. Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften treiben KI auf zwei Ebenen voran: als Wachstumshebel im Kundengeschäft und als Effizienzhebel im Personalbereich.
67 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer sehen im Kundenerlebnis und in digitalen Kanälen wie Apps, kleinen Programmen auf dem Handy, den größten Effekt auf den Umsatz. Mehr als die Hälfte der Spitzenmanager erwartet, dass zugleich der Personalbedarf durch KI und die damit verbundene Automatisierung bis 2029 um 30 Prozent reduziert wird.
Das sind Ergebnisse der Studie »Banken und Finanzdienstleister 2026« von Horváth. Die internationale Managementberatung in Stuttgart hat dazu eine laut dem Unternehmen repräsentative Auswahl an Vorstands- und Geschäftsführungsmitgliedern aus Kreditinstituten und weiteren Finanzdienstleistern ausführlich interviewt.
Die Horváth-Umfrage zeigt auch, dass KI noch in den Kinderschuhen steckt. Zwar haben nur 12 Prozent der befragten Unternehmen noch nicht mit der KI-Einführung begonnen (2025: 24 Prozent), aber nach wie vor haben nur wenige Finanzdienstleister die neue Technik voll integriert und ziehen finanziellen Nutzen daraus.
Als größte Hürde sieht die Branche die mangelnde Datenbasis, gefolgt von Datensicherheit. »Eine sauber aufbereitete Datenbasis und der Schutz hochsensibler Kundendaten sind die Voraussetzung, um KI-Anwendungen im regulierten Bankgeschäft verantwortungsvoll einsetzen zu können«, lässt sich Frank Schindera, Partner bei Horváth, zitieren.
Für das maschinelle Lernen der KI müssen beispielsweise persönliche Daten der Kunden freigegeben und in die KI-Systeme eingespeist werden. Gleichzeitig spüren Sparkassen und klassische Banken den heißen Atem von digitalen Fin-Techs im Nacken. Das sind Technologien zur digitalen Verwaltung von Finanzen, wie N26, Revolut und Trade Republic. »Der Wettbewerb durch Fin-Techs verlangt Tempo, der Umgang mit Kundendaten Sorgfalt«, betont Schindera und beruhigt: Banken und Finanzinstitute lösten dieses Spannungsfeld bislang zugunsten der Sorgfalt auf.
Aktuell investiert die Branche vor allem in Technik. Die IT-Kosten legten immerhin um 5,5 Prozent zu und damit fast dreimal so stark wie die Personalkosten. Obwohl die Zahl der Beschäftigten weiterhin steigt. Beim geplanten Stellenabbau nennen 56 Prozent der Unternehmen die »strategische Neuausrichtung« als Grund, also die stärkere Orientierung auf Technologie und Automatisierung durch KI. 31 Prozent der Finanzunternehmen sind der Meinung, dass bestehende Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr zu den sich wandelnden Geschäftsanforderungen passen.
In Verbindung mit KI werden Internet, Computer und Roboter immer brauchbarer darin, Menschen zu ersetzen. Menschen in Finanz- und ähnlichen Büroberufen gelten dadurch als besonders gefährdet. Die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ermitteln fortlaufend das »Substituierbarkeitspotenzial« von Berufen durch KI. Danach sind die Tätigkeiten von Bankkaufmann/-frau – nach heutigem Stand – zu 78 Prozent automatisierbar.
Ob automatisiert wird, hängt allerdings von vielen Aspekten ab. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Mensch wirtschaftlicher oder flexibler arbeitet als jede Maschine. Denn auch KI kostet. Aktuell zahlen Firmen bei einem anspruchsvollen KI-Einsatz pro Beschäftigten schnell mal 200, 300 Euro am Tag. Doch auch wie sich die Preise für KI-Anwendungen entwickeln werden, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen.
KI muss also kein Jobkiller sein. Berufe im Handwerk, in körpernahen Dienstleistungen und Helferjobs wie Paketzusteller scheinen ohnehin kaum gefährdet zu sein. Arbeitsmarktforscher wie auch die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds halten es zudem für wahrscheinlicher, dass sich Berufe verändern, als dass sie ganz verschwinden. Gleichzeitig werden neue Tätigkeitsfelder entstehen.
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