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Kassel und Thun | Anschläge auf Rheinmetall in Hessen und B&T in der Schweiz
In Kassel-Calden brannten Baumaschinen, in Thun ein Gebäude eines Herstellers von Gummigeschosswerfern. Zu beiden Taten gibt es Erklärungen im Netz.
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Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) bei der Eröffnung des »Defence Hub Nordhessen« am kriselnden Zivilflughafen Kassel-Calden. Rheinmetall erhält dafür vom Land 25 Millionen Euro. Foto: imago/Florian Gaertner Das linke Webportal Indymedia war in der vergangenen Woche von den Administrator*innen wegen einer kritischen Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP vom Netz genommen worden. Am Samstag war es wieder erreichbar und brachte Licht ins Dunkel eines Brandanschlags auf Baufahrzeuge am Flughafen Kassel-Calden: Einer auf Indymedia veröffentlichten Erklärung zufolge handelte es sich um eine Aktion gegen Rheinmetall.
In der Nacht auf den 30. Oktober seien auf einer Baustelle des Düsseldorfer Rüstungskonzerns in Kassel-Calden mehrere Bagger und Radlader angezündet worden, heißt es in dem Schreiben. Die Polizei macht genauere Angaben: Drei Baumaschinen seien vollständig ausgebrannt und daneben stehende Maschinen beschädigt worden. Das Feuer sei gelegt worden, deshalb ermittle nun der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz. Die Schadenshöhe ist bislang nicht bekannt.
Rheinmetall will sich in Calden in einem neu entstehenden Gewerbegebiet auf 30.000 Quadratmetern mit seinem Drohnen- und Logistikgeschäft ansiedeln. Für diesen »Defence Hub Nordhessen« investiert der Konzern mehr als 260 Millionen Euro in Calden sowie in den Ausbau eines Panzerwerks im benachbarten Kassel. Das Land Hessen beteiligt sich mit weiteren 25 Millionen Euro.
»Tag für Tag überschlagen sich die Nachrichten von Rüstungsinvestitionen. Fast kein Abend vergeht, ohne Panzer in unseren Straßen zu sehen, die in die Kriegsgebiete der Welt exportiert werden. Kaum ein Kommunalpolitiker, mittelständisches Unternehmen oder Forschungsstandort, der nicht hofft, etwas von den Milliarden der Zeitenwende abzubekommen«, heißt es in der auf Indymedia veröffentlichten Erklärung. Die »Zeitenwende« zur militärischen Aufrüstung hatte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Februar 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine in einer Regierungserklärung ausgerufen.
Auch nach dem 2013 vollendeten Ausbau des Verkehrslandeplatzes Calden zu einem vollwertigen Flughafen war das zivile Projekt »Kassel Airport« nicht in Gang gekommen. Rheinmetall wolle ihn nun zu einer »militärischen Drehscheibe« ausbauen, erklärte Firmenchef Armin Papperger bei der Einweihung des »Defence Hub«.
Auch in der Schweiz gab es vergangene Woche einen größeren Anschlag auf eine Waffenschmiede. In der Nacht auf den 29. Oktober brannte in Thun das Hauptgebäude von Brügger & Thomet (B&T) nieder. Der Schaden könnte sich umgerechnet auf bis zu 21 Millionen Euro belaufen.
Ein auf dem französischen Portal »Contre attaque« veröffentlichtes Bekennervideo legt nahe, dass die Tat aus Solidarität mit der »Gen Z«-Bewegung verübt wurde. Es zeigt, wie Brandsätze gegen B&T geworfen werden, außerdem Ausschnitte von Polizeigewalt und die Botschaft »Swiss, France, Germany, in the street with Gen Z«. Zu sehen ist auch das Kürzel »GL06«. So heißt der Mehrzweckwerfer von B&T, der an Militär und Polizei verkauft wird.
Der »GL06« kann unter anderem mit Gummigeschossen geladen werden. In Frankreich, wo ihn Polizei und Gendarmerie nutzen, firmiert das Gerät unter dem Kürzel »LBD 40«. In den vergangenen Jahren sollen Dutzende Menschen durch die Geschosse Augen verloren haben. Die Waffe soll zudem Menschen getötet haben, etwa indem sie einen Herzstillstand auslöste.
In der Selbstbezichtigung heißt es: »Zum ersten Mal wird der Hersteller dieser Terror- und Folterwerkzeuge direkt ins Visier genommen.« Gegenüber dem »Blick« äußerte sich B&T-Inhaber Karl Brügger zu den schweren Verletzungen durch den in Thun gefertigten Gummigeschosswerfer. Die französische Polizei setze Munition eines französischen Herstellers ein, erklärte Brügger. Diese passe nicht zu dem Gerät von B&T.
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