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Kardiologie | Frauenherzen: Risiken und Anatomie sind unterschiedlich
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Typisches Bild aus dem Herzkatheterlabor: Unter den Kardiologen sind Frauen hier deutlich unterrepräsentiert. Foto: dpa/Hendrik Schmidt Herzinfarkte zeigen sich bei Frauen anders als bei Männern. Das war schon häufig zu lesen – und durchaus auch in der Laienpresse, wie sie von Fachleuten gern bezeichnet wird. Jetzt schaffte es das Thema auf die Tagesordnung der Herztage, die noch bis zum heutigen Sonnabend in Hamburg stattfinden, organisiert von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Der Anspruch der Großveranstaltung ist, Neuigkeiten aus der Herzmedizin vorzustellen. Mitunter besteht die Neuigkeit darin, eigentlich bekannte Fakten zu einem Thema zusammenzutragen und daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. Bei einem Herzinfarkt geben beide Geschlechter Brustschmerz als ein Symptom an. Aber die Frauen berichten noch von weiteren Beschwerden: Kopf- und Rückenschmerzen, Übelkeit. Ausreichend, um das Fachpersonal abzulenken – und in der Folge kommt die richtige Verdachtsdiagnose oft deutlich später. Das könnte dazu beitragen, dass die Sterblichkeit bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK), die sich akut in einem Herzinfarkt zeigen kann, bei den Geschlechtern unterschiedlich hoch ist. Diese Mortalitätsrate in Kliniken liegt nämlich für die Frauen bei 14,4 Prozent und für die Männer bei 10,1 Prozent – obwohl Frauen nur halb so oft von der KHK betroffen sind.
»Kardiologinnen sind mit 11 Prozent im Herzkatheterlabor gegenüber ihren männlichen Kollegen unterrepräsentiert.«
Unterschiedlich sind auch die Risiken für eine kardiovaskuläre Krankheit verteilt: Die Männer liegen bei Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Rauchen vorn bzw. treten diese Risikofaktoren bei ihnen schon in jüngeren Jahren auf. Das heißt nicht, dass sie für Frauen ungefährlich sind. Aber bei ihnen werden Krankheiten eher durch Stress, Depressionen oder Autoimmunerkrankungen begünstigt. Laut Tanja Katharina Rudolph, die in Bad Oeynhausen am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen ein Katheterlabor leitet, werden zudem frauenspezifische Risikofaktoren im klinischen Alltag kaum berücksichtigt.
Wenn zum Beispiel die körperliche Geschlechtsreife vor dem 12. Lebensjahr eintritt, erhöht sich damit das Lebenszeitrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Oder Chemotherapien und Bestrahlung bei Brustkrebs steigern das Risiko für ein akutes Koronoarsyndrom. Auch wenn die Menopause vor dem 52. Lebensjahr beginnt, sieht es für die Herzgesundheit ungünstiger aus.
Außerdem gibt es anatomische Unterschiede. Im Herzkatheterlabor wird ein feiner Schlauch entweder über eine Arterie im Handgelenk oder in der Leiste zum Herzen vorgeschoben, um dort Kranzgefäße, Kammern oder Lungengefäße zu untersuchen oder verengte Gefäße zu weiten und durch Stents abzustützen. Aber die Katheter, so Kardiologin Rudolph, »sind für das Männerherz gemacht«. In der Folge kommt es in Zusammenhang mit den genannten Prozeduren bei Frauen häufiger zu Blutungen und anderen Komplikationen. Außerdem gebe es bei Frauen dreimal häufiger einen Myokardinfarkt, ohne dass ein Kranzgefäß verengt wäre. Störungen der Mikrozirkulation am Herzen sind ebenfalls bei Frauen häufiger – damit ist hier eher eine andere Diagnostik nötig, als sie von medizinischen Leitlinien eben für Männer bestimmt wird.
Eine eindeutige Gender-Lücke tut sich dann bei der Geschlechterverteilung unter den Fachleuten auf, erklärt Rudolph: »Kardiologinnen sind mit 11 Prozent im Herzkatheterlabor gegenüber ihren männlichen Kollegen unterrepräsentiert. Ein Trend, den man EU-weit verfolgen kann, wenn auch beispielsweise Spanien und Italien Deutschland mit 20 und 19 Prozent ein Stück voraus sind.« Die Ursachen für die geringe Frauenbeteiligung in der interventionellen Kardiologie sind schnell zu finden: Strahlenbelastung, Rufbereitschaft mit Nachtdienst und ein Mangel an Karrierechancen sowie fehlende positive Rollenbilder – das hat eine Umfrage zu dem Thema ergeben. Da die Medizinstudierenden zu 80 Prozent weiblich sind, sollte die Herzmedizin mit der Nachwuchsgewinnung früh im Studium anfangen, empfiehlt Rudolph.
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Source: nd