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Kabarettpreis Eddi | Matthias Tretter: Nicht nach rückwärts
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Foto: dpa/Daniel Karmann Am Sonntag bekommt Mathias Tretter den Berliner Kabarettpreis Eddi. Er kommt aus Franken, wohnt in Leipzig und ist unter anderem in Dieter Nuhrs Fernsehshow zu sehen. Doch er ist nicht so plump und unwitzig regierungsnah wie Nuhr, etwa wenn Tretter in dessen Sendung zur Aufrüstung anmerkt, dass auch er schon immer für einen Mentalitätswechsel eingetreten sei – »aber nicht nach rückwärts«. Er habe geglaubt, »man sollte zivilisierter werden, aber nicht zurück zur Barbarei«. Wenn Carsten Breuer, der Generalinspektor der Bundeswehr, meint, »wir müssen wieder über Krieg nachdenken«, dann sagt Tretter: »Nein, mach ich nicht«. Für die Jury beschäftigt sich Tretter »konsequent mit den relevanten Themen unserer immer verzwickter werdenden Welt«, dafür gibt es einen Eddi, der insgesamt zum 26. Mal verliehen wird.
Der erste Eddi ging an Edgar Külow, also an den Namensgeber. Das war im November 1981 an einem Freitag den 13. um 13 Uhr in der 15. Etage des Berliner Verlags in Ostberlin. Anwesend waren zwei Personen: Der beliebte Autor, Schauspieler und Kabarettist Edgar Külow und der Grafiker und Karikaturist Heinz Behling, der sich den Preis ausgedacht hatte und zwar bei einem »nachbarschaftlichen Abendbier«, wie sich seine Ehefrau Christel Behling 45 Jahre später erinnerte. Weil doch in der DDR so viele Preise und Auszeichnungen verliehen wurden, sollte dies ausdrücklich ein Preis sein, der nicht vom Staat vergeben wurde. »Das Ungewöhnliche an diesem Eddi ist, dass er nicht verliehen wird, wenn es keinen Anlass gibt. Insofern unterscheidet er sich in gewissem Sinne von manchem anderen Kunstpreis«, sagte Behling damals im »Eulenspiegel«.
Dieser Ansatz wird bis heute beibehalten, nur dass der Kabarettpreis, der seit 2013 vom Verein »Der Eddi« in Kooperation mit dem Berliner Bezirk Lichtenberg verliehen wird, vor Publikum übergeben wird – jedes Jahr im Kulturhaus Karlshorst. Und auch nicht mehr an einem Freitag, den 13., sondern stets um den 3. Oktober herum, wenn anderswo der Anschluss der DDR an die BRD gefeiert wird. Von Edgar Külow, bzw. einer seiner Bühnenfiguren, ist der Spruch überliefert: »Jeder Tag, an dem du nicht auf die Regierung geschimpft hast, ist ein verlorener Tag.«
Auch daran hat sich nichts geändert, selbst wenn es Dieter Nuhr vielleicht anders sieht. 2016 sagte Tretter dem Bayerischen Rundfunk: »Ich bin grundsätzlich menschenfreundlich und werde darin sehr, sehr oft enttäuscht. Das heißt, ich bin doch eher ein bisschen pessimistischer Typ. Deswegen auch der Humor, weil das für mich die Form ist, der Welt standzuhalten.« Damals rühmte er sich auch noch seiner »Politischen Inkorrektheit«, die er bei seinen selbstorganisierten Poetry-Slam-Veranstaltungen in den 90ern in Würzburg und dann auf bundesweiten Touren mit dem »Ersten deutschen Zwangsensemble« (im Trio mit Claus von Wagner und Philipp Weber) propagierte. Das war durchaus brachial und witzig, beispielsweise ging es gegen Islamisten, Buddhisten und peruanische Fußgängerzonenmusikanten.
Die »politische Inkorrektheit« braucht Tretter heute nicht mehr zu preisen, weil es die »Politische Korrektheit« als Wert nicht mehr gibt, Trump und Putin haben sie vorerst erledigt. Über Trump hat Tretter auch gearbeitet, wie wir Autoren und Wissenschaftler sagen würden. Wenn Tretter ins Internet schaut, dann »lächelnden Auges in die Katastrophe«, wie er mal gemeint hat, denn das Dumme liegt so nah. Wenn ein Paar meint, »wir haben uns im Internet kennengelernt«, mag er das nicht hören. »Sie könnten auch sagen, wir haben uns beim Shoppen auf dem Weltmarkt kennengelernt, dann haben wir einen Zeitfensterbummel gemacht und jetzt sind wir auf Cloud 7«. Dann schon lieber ein »nachbarschaftliches Abendbier« trinken.
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Source: nd