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Jugendproteste | Wer regelt in der Gen Z?
Für Samstag ruft »Gen Z regelt« zu bundesweiten Protesten auf. Die Bewegung ist schwer zu greifen.
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Aufruf zur Demonstration an der Düsseldorfer Königsallee Foto: dpa/Christoph Reichwein Auf der Website von »Gen Z regelt« läuft ein Countdown. Im Sekundentakt kann man ablesen, wie lange es noch bis zu den geplanten Protesten am Samstag dauert. Über 150.000 sind es laut Organisator*innen inzwischen, die in 32 Städten auf die Straße gehen wollen. »Wir sind junge Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie ohne uns über unsere Zukunft entschieden wird«, schreiben sie auf der Webseite. Was die Jugendlichen auf die Straße bringt? Kaputte Schulen, der Sparkurs, die steigenden Lebenshaltungskosten, die drohende Wehrpflicht, immer mehr Überwachung und der Klimawandel. Themen gibt es genug, außerdem ein Vorbild: die Proteste von Schüler*innen in Frankreich, die eine landesweite Bewegung auf den Plan gerufen haben.
Nicht alles will sich »Gen Z regelt« allerdings aus Frankreich abschauen und distanziert sich vorsorglich von »jeder Gewalt«. Das ändert nichts daran, dass in den letzten Tagen viel von »französischen Verhältnissen« die Rede war. Vor Gewaltexzessen und Plünderungen wird gewarnt, ein CDU-Politiker bringt Demo-Verbote ins Spiel und die Junge Union Berlin-Mitte will die Bundeswehr gegen die Demonstrant*innen einsetzen. Die Bundesschülerinnenkonferenz distanzierte sich von »Gen Z regelt« und kündigte eigene Aktionen im November an. In einer Pressemitteilung schreibt sie, sie unterstütze die Forderungen der Initiative, halte die Organisationsstrukturen allerdings für undurchsichtig. Außerdem lenkten Gewaltaufrufe von den eigentlichen Problemen im Bildungssystem ab.
Wer steckt also hinter »Gen Z regelt«? Und wo kommen all die Warnungen vor Gewaltexzessen und politischer Vereinnahmung her? Veronika Dinter, die Pressesprecherin von »Gen Z regelt Berlin«, erzählt, eigentlich sei die Bewegung als Social-Media-Phänomen gestartet, »als Reaktion auf den krassen Frust der Jugend«, etwa über steigende Kosten und die drohende Wehrpflicht. Es sei also keine feste Organisation, sondern eine Bewegung, die sich unter geeinten Forderungen zusammenfindet und wo sich alle, die diese Sorgen teilen, anschließen können.
»Wir lassen uns nicht spalten in ›gute‹ und ›schlechte‹ Protestierende«
Auf der Webseite schreiben die Organisator*innen, sie seien überparteilich. »Wir sind die Mitte von allem. Egal ob links, rechts, grün oder eine andere Richtung: Alle sind willkommen.« Wer daran beteiligt ist und die Demonstrationen plant, das sei von Stadt zu Stadt unterschiedlich, erzählt Dinter. Auf einer Karte mit den beteiligten Städten ist angegeben, wo »Gen Z regelt« die Demos hauptverantwortlich betreut: in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt am Main und München. Alle anderen Städte hätten sich angeschlossen, hier sei Gen Z regelt nicht für Inhalt und Organisation zuständig.
Die Bewegung formiert sich gerade erst und versucht, den Funken aus Frankreich und anderen Ländern auf Deutschland zu übertragen. Auch genau deshalb ist schwierig zu sagen, wer genau hinter dem »Gen Z regelt« steckt. Sehr unterschiedliche Gruppen und Personen haben ein Interesse daran, auch in Deutschland eine große Jugendbewegung auf die Straße zu bringen. Akram Selo, ein 18-jähriger Schüler, erzählt der »Taz«, er sei Teil des Orgateams aus etwa 30 Personen, die sich erst über Social Media kennengelernt hätten. Aus einem gemeinsamen Interesse hätten sie die Webseite aufgebaut und riefen zum Aktionstag auf. Eine spontane Organisierung vieler Einzelpersonen also.
Einigen wächst das Momentum, dass sie damit losgetreten haben, bereits über den Kopf. Gianni Matheja, der auf Instagram Content über das Unileben macht, trat von seiner Funktion als Sprecher nach kurzer Zeit zurück und erklärte auf Instagram, unter dem Namen »Gen Z regelt« kämen inzwischen unterschiedliche Gruppen zusammen, deren Vorstellungen über Ziele und Formen des Protests stark auseinandergingen. Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe er unter diesen Umständen nicht mehr.
Gleichzeitig gibt es Solidarisierungen. Am Mittwoch wurde ein Gebäude der FU Berlin blockiert, am Donnerstag dann die Alice-Salomon-Hochschule. Die Teilnehmer*innen beziehen sich eindeutig auf die Proteste am 31. Oktober. »Als Blockade schließen wir uns den Berlin-weiten Forderungen der Gen Z regelt – Bewegung an«, schreiben sie in einer Presse-Mitteilung und kritisieren »die mediale und rassistische Hetzkampagne der bürgerlichen Medien« gegen Gen Z: »Wir lassen uns nicht spalten in ›gute‹ und ›schlechte‹ Protestierende«. So sieht das auch Dinter. Die Aussagen einiger Politiker*innen, die »Gen Z regelt« als gewaltbereiten Mob framen würden, gegen den man mit aller Härte zurückschlagen müsse, kritisiert sie scharf: »Ich würde mir wünschen, dass mit der gleichen Energie, mit der gerade versucht wird, unseren Protest zu delegitimieren, mal die Forderungen der Jugend angegangen werden.«
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