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»Inter Alia« von Suzie Miller | Das Recht der Mütter?

»Inter Alia«, das neue Stück der Erfolgs­autorin Suzie Miller, kommt auf zahlreiche deutsch­sprachige Bühnen. Was steckt hinter dem Hype?

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Erfolgsautorin nicht nur in Londons Westend: Suzie Miller Foto: imago/Panama Pictures Drei Jahre ist es her, da wurde Suzie Millers Theaterstück »Prima Facie« im deutschsprachigen Raum an großen und kleinen Bühnen rauf- und runtergespielt. Es handelte sich gewissermaßen um den dramatischen Beitrag zur Me-too-Debatte. Ein Monolog für eine Frau, fein komponiert, mit zahlreichen Zeitsprüngen und Perspektivwechseln. Well-made-Play nennt man im Englischen ein solches Stück, das sich durch eine gewisse handwerkliche Perfektion des Autors, der Autorin auszeichnet, durch einen spannungsreichen Plot, akzentuierte Dialoge, nicht so sehr durch Tiefe in der Figurenzeichnung oder einen besonderen philosophischen Überbau.

Publikum und Kritik lassen solche Stücke hierzulande, wo es eine ganz andere Theatertradition gibt, oft ratlos zurück. Die australisch-britische Autorin Miller, die vor ihrer Dramatikerinnenlaufbahn als Juristin tätig war, trifft aber auch im deutschsprachigen Raum einen Nerv.

Ihr Stück um eine Anwältin lotet die Grenzen der Rechtsprechung aus, wenn es darum geht, Gerechtigkeit herzustellen, besonders bei Fragen sexuellen Missbrauchs. Klug hat die Autorin dafür eine Geschichte arrangiert, in der das Opfer selbst als Juristin tätig ist. Sie kennt alle Tricks und Unzulänglichkeiten des Systems – und erliegt ihm dennoch.

Antworten liefert Miller dem Publikum nicht mit, aber jede Menge Fragen. Im Vereinigten Königreich hat ihr Stück eine neue Debatte zur herrschenden Rechtspraxis angestoßen. Es verschiebt den Blick weg von einem simplen gerichtlichen Urteil und lenkt ihn zur komplexen Situation des sexuellen Übergriffs.

Nun wird auch Suzie Millers jüngstes Stück mit dem Titel »Inter Alia« an Bühnen in Deutschland und Österreich gegeben. Gleich zehn Theater haben es für die aktuelle Spielzeit ins Repertoire aufgenommen. An diesem Sonnabend macht das Düsseldorfer Schauspielhaus den Auftakt.

Auch für »Inter Alia« schöpft Miller aus ihrer juristischen Erfahrung. Und auch in diesem Stück geht es um sexuellen Missbrauch. Jessica ist eine erfolgreiche Richterin, die sich in einer Männerdomäne durchgekämpft hat. Sie muss ihr Leben austarieren zwischen Karriere und Mutterschaft, ihrer Rolle als Ehefrau und Freundin. Bei alldem will sie ihren feministischen Ansprüchen an sich selbst Genüge tun. Dabei bleiben auch Konflikte mit ihrem Mann Michael, einem Anwalt, nicht aus.

Als gegen ihren 17-jährigen Sohn Harry der Vorwurf der Vergewaltigung erhoben wird, gerät Jessicas Weltbild aus den Fugen. Wer hat hier versagt? Sie selbst? Der Vater, der es nicht vermocht hat, als positives Vorbild zu dienen? Jessica scheitert. Aber woran? Als Mutter, als Richterin oder als Feministin?

Anders als »Prima Facie« leuchtet das Stück nicht allein die Kluft zwischen Rechtsprechung und Gerechtigkeit aus, sondern es stellt die eigenen Ansprüche infrage, wenn es um die engste Familie geht. Auch hier überlagert ein letztlich zynischer Gestus den Glauben an die Justiz. Indem das Stück die Verantwortung der einzelnen Beteiligten thematisiert, zeigt es sexuelle Gewalt als kollektives Problem.

Dass »Inter Alia« wie das Vorgängerstück ein Publikum finden wird, ist so gut wie sicher. Suzie Miller packt die großen und schweren Themen an, schreckt dabei nicht vor Emotionen zurück, vor allem aber findet sie die neuralgischen Punkte in unserem aufgeklärten Selbstverständnis.

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Originally published bynd
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