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Indie für immer | Eine Atomuhr tickt bei Dinosaur Jr.
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Dinosaur Jr. im Moor der Gegenwart: Vorne Gitarrist Mascis, dann Murph, die Atomuhr und hinten Bassist Barlow. Foto: Jeff Fowler Im Einfach-immer-weitermachen kann auch eine Kraft liegen. Eine Ästhetik der Beharrlichkeit: Alles wie gehabt, aber feiner ausdifferenziert. Drei jüngst erschienene Alben von einst stilbildenden Bands knüpfen an vergangene musikalische Großtaten an, klingen so, wie man es kennt und trotzdem auf ihre je eigene Art schön und tatsächlich berührend. Zeitreisenmusik in die späten Achtziger, die Neunziger und die Nullerjahre.
Dinosaur Jr. hatten 1987 mit »You’re Living All Over Me« einen Blueprint für Indierock hingelegt, der fragilen Weltschmerz mit alles niederdrückenden, gleichwohl in alle Richtungen ausgreifenden Gitarrenmelodien und -wänden verband. Die Stimme war dünn und jammerte, die Gitarre laut, aber irgendwie nicht brutal. Mehr so eine klangliche Entsprechung des Innendrucks, den der Sänger so dann doch nicht artikuliert bekam. Letzterer, J. Mascis, hat dann nach zwei Alben in unterschiedlichen Konstellationen und irgendwann allein weitergemacht.
Doch seit 2007 spielt das ursprüngliche Trio mit Lou Barlow (Bass) und Murph (Schlagzeug) wieder zusammen, auf »There Near«, dem sechsten Album seit der Reunion, klingt alles wie gehabt. Mascis’ Fistelstimme, bei zwei Stücken singt Barlow, das Schlagzeug läuft präzise wie eine Atomuhr und die Verbindung zwischen Massivität und Zerbrechlichkeit ist immer noch bezaubernd, die Songs dann auch schwebender als bislang. Und die Gitarrensoli klingen immer mehr wie die von Neil Young, der hier eh wie ein guter Geist über allem thront.
Die Band Afghan Whigs fusionierte auf ihrem 1993 erschienenen bekanntesten Album »Gentleman« den damals omnipräsenten Grunge mit soullastigem Gesang. Auch da war länger Pause, Funkstille von 2001 bis 2011, seitdem bringen die Afghan Whigs mit einer stoischen Routine alle vier bis fünf Jahre ein Album heraus. Das aktuelle heißt »Soft Control« und klingt auch so. Durchkomponiert, aber mit viel Raum für die sehr präsente Stimme von Greg Dulli, die agil durch alle Register turnt, von rauem Barklagegesang bis Falsett.
Interpol schließlich haben mit ihrem Debüt »Turn On the Bright Lights« 2002 das bis heute andauernde Revival der Ian-Curtis-Gedenkstimmen eingeläutet. Tiefer, dauerpräsenter Bass und alles mit sonorer Sehnsucht vorgetragen. Nach einigen Ausflügen ins Schwulstige klingt das neue Album »This Mirror Weighs a Ton« wieder nach damals. Schwulst konnten die Epigonen besser, und beim Interpol-Hören wird noch mal klar, woher zum Beispiel The National ihre Ideen gemopst haben.
Alle drei Alben knüpfen an die jeweils schönste Phase an, ohne dabei alt oder nach finanziell motivierter Pflichterfüllung zu klingen. Alle drei Bands sind also auch Beispiele, wie man auch im Indierock würdevoll älter werden kann.
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Source: nd