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Housing First | So kämpft NRW gegen Wohnungslosigkeit

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Die breiten Konzepte gegen Obdach- und Wohnungslosigkeit in NRW kommen reichlich spät. Bis 2030 wollte die Bundesregierung Obdachlosigkeit bundesweit abschaffen. Foto: dpa/Paul Zinken Das Land Nordrhein-Westfalen verstärkt den Kampf gegen Wohnungs- und Obdachlosigkeit und will sogenannte Housing-First-Angebote gezielter fördern. Dabei hat das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in Düsseldorf ein Umsetzungskonzept geschaffen, um interessierte Kommunen und Träger bei der Einführung von lokalen Angeboten zu unterstützen. Es ist ein Baustein der landesweiten Initiative »Endlich ein Zuhause« und soll auf die »Schwächsten der Schwachen unter den wohnungslosen Menschen« fokussieren, wie Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) sie nennt.

Housing-First-Angebote verfolgen den Ansatz, dauerhaften Wohnraum ohne Vorbedingungen an obdach- und wohnungslose Menschen in komplexen Problemlagen zu vermitteln. Davon ausgehend sollen sie sozialarbeiterisch, therapeutisch und psychologisch unterstützt werden.

Bisher fallen in NRW schätzungsweise immer noch mehr als 5000 Menschen durch das Betreuungsraster. Oft sind es Menschen, die neben ihrer Obdach- und Wohnungslosigkeit zugleich mit weiteren Problemen, etwa psychischen oder Suchterkrankungen, zu kämpfen haben. Sie haben wenig Chancen auf dem angespannten Wohnungsmarkt, bestehende Hilfsstrukturen erreichen sie häufig nicht.

Eben jene Menschen soll Housing First dabei unterstützen, sich wieder ein stabiles Leben aufzubauen – durch eine feste Wohnung mit Mietvertrag und bei Bedarf wohnbegleitender und sozialpädagogischer Unterstützung. Finanziert wird das von der öffentlichen Hand oder Trägern.

»Housing First bietet Menschen ohne Umwege einen stabilen Wohnraum und damit die Chance auf ein neues Leben«, erklärt etwa Marco Schmitz, CDU-Landtagsabgeordneter und von der Sozialstiftung NRW. Erfahrungen und Studien zeigten, dass Housing First die gesundheitliche und soziale Stabilisierung deutlich verbessere und Betroffenen neue Perspektiven eröffne, so Schmitz.

Die Sozialstiftung NRW ist mit ihren Fördermöglichkeiten »ein wichtiger Baustein für die Schaffung entsprechender Angebote gegen Wohnungslosigkeit«, lobt Laumann die Stiftung, die in seinem Haus angesiedelt ist. Konkret stellt die Sozialstiftung NRW nach eigenen Angaben für Anschubfinanzierungen im Bereich Housing First bis zu fünf Millionen Euro bereit. Nur einen Bruchteil müssten die Kommunen oder Träger anfangs selbst stemmen. Fraglich ist allerdings, was nach der Anschubfinanzierung kommt und wie eine dauerhafte Regelfinanzierung aussehen könnte.

Gefördert werden im Rahmen eines Housing-First-Konzepts auch der Erwerb und Umbau von Immobilien, Umbaumaßnahmen sowie der Neubau von Gebäuden. Die Förderung beträgt bis zu 90 Prozent der Kosten. Antragsberechtigt sind Mitglieder eines Spitzenverbandes der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen.

Der Pionier von Housing First in NRW ist die Obdachlosenhilfe »fiftyfifty« aus Düsseldorf. Sie begrüßt den Schritt der Landesregierung. »Allerdings kommt diese Initiative reichlich spät«, so Gründer Hubert Ostendorf. Der Bund habe bereits 2024 im Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit das Ziel formuliert, Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden. »Aus Sicht von ›fiftyfifty‹ darf deshalb durchaus die Frage gestellt werden: Wie soll dieses Ziel noch erreicht werden?«

Housing First funktioniert nur, wenn es auch Wohnungen gibt. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts fehlten in NRW Ende 2024 rund 376.000 Wohnungen – mehr als in jedem anderen Bundesland. Besonders groß ist der Mangel bei bezahlbarem Wohnraum. Zugleich verliert NRW weiterhin Sozialwohnungen durch auslaufende Bindungen.

»Allein 2025 entstanden rund 6800 neue Sozialwohnungen, während mehr als 26.000 Wohnungen aus der Sozialbindung fielen – unter dem Strich also ein Verlust von rund 18.500 Sozialwohnungen«, rechnet Ostendorf vor. Minister Laumann rechnet deshalb nicht damit, das Ziel, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beseitigen, zu erreichen.

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Source: nd