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Haushaltskrise | Frankreichs Verschuldung wächst

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Menschen schlendern durch das Geschäftsviertel La Defense außerhalb von Paris. Die französische Staatsverschuldung ist gemessen an der Wirtschaftsleistung zum Ende des zweiten Quartals 2026 auf 119,0 Prozent und damit auf einen neuen historischen Höchststand gestiegen. Foto: dpa/AP/Thibault Camus Berlin. Renommierte Ökonomen haben angesichts der hohen Verschuldung Frankreichs vor einer neuen Schuldenkrise gewarnt. »Die Schuldenkrise in Frankreich ist sehr ernst«, sagte die Ökonomie-Professorin Ulrike Neyer von der Universität Düsseldorf der »Rheinischen Post«. In Frankreich gebe es derzeit »eine dramatische Gemengelage aus hohen Schulden, extrem angespannter Haushaltslage, kaum Wirtschaftswachstum, politischen Instabilitäten«. Diese Gemengelage schwäche das Vertrauen der Anleger in französische Staatsanleihen erheblich. Frankreich sei »derzeit das größte Problem im Euroraum«.

Zwar wiesen Griechenland und Italien noch höhere Schuldenquoten auf, »aber Griechenland erzielt inzwischen Haushaltsüberschüsse und Italien hat sein Defizit auf rund drei Prozent gedrückt«, sagte die Ökonomin. Hinzu komme die instabile politische Situation in Frankreich. Eine Besserung sei nicht in Sicht.

Derzeit steht Frankreich finanziell so schlecht da wie lange nicht. Die Regierung rechnet für das kommende Jahr mit einer Staatsverschuldung von 121,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Frankreich weist damit derzeit die höchste Schuldenquote in der EU auf. Die Zinslast beläuft sich im laufenden Jahr auf fast 80 Milliarden Euro, deutlich mehr als der Haushalt des Bildungsministeriums. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg zuletzt auf 4,9 Prozent – ein Höchststand seit 2002. An den Finanzmärkten wächst deshalb die Sorge angesichts des hohen Schuldenstands Frankreichs.

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht vor allem langfristige Probleme. »Die größere Sorge ist heute ein Teufelskreis, bei dem steigende Schulden und politische Lähmung das Vertrauen in die staatlichen Institutionen weiter schwächen und damit die Zinsen in die Höhe treiben«, sagte Fratzscher der Zeitung. Das Resultat seien »eine schwächere Wirtschaft und eine steigende Gefahr einer Rezession, wodurch Defizite und Schulden noch stärker zunehmen«.

»Langfristig kann diese Dynamik in eine Schuldenkrise führen«, warnte er. Daher sei ein Kurswechsel in der französischen Finanzpolitik »dringend notwendig«. Sorgen vor einer unmittelbar bevorstehenden Schuldenkrise in Frankreich seien jedoch übertrieben, sagte der Ökonom.

Ein Punkt würde ich allerdings vor Veröffentlichung noch faktisch prüfen: die Aussage »höchste Schuldenquote in der EU« sowie die 121,7 Prozent für das kommende Jahr. Das sind konkrete aktuelle Zahlen, bei denen Prognosejahr und Datenquelle entscheidend sind. dpa/nd

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Source: nd