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Gipfel in Dehli | Brics-Bündnis: China und Indien geben den Ton an
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Letzter Anstrich vor dem Brics-Gipfel bei den Gemälden der Staats- und Regierungschefs in Amritsar Foto: AFP/Narinder Nanu Die Nachricht aus dem chinesischen Außenministerium machte erst am Donnerstag die Runde: Auch Chinas Präsident Xi Jinping ist dabei beim Brics-Gipfel, der dieses Wochenende in der indischen Hauptstadt stattfindet. Dass er tatsächlich die Reise von Peking nach Delhi angetreten hat, ist ein wichtiges Signal. Beim vorigen Brics-Treffen in Brasilien ließ er sich durch Premier Li Qiang vertreten; dem ebenfalls von Indien ausgerichteten G20-Gipfel 2023 war er ebenfalls ferngeblieben. Generell sind die Auslandsreisen von Xi in jüngerer Vergangenheit seltener geworden, was jedem Auftritt mehr Gewicht verleiht. Es ist sogar das erste Mal seit einem bilateralen Treffen in Südindien 2019, dass sich der 73-jährige Xi und Indiens Premierminister Narendra Modi wieder in dessen Heimat begegnen.
Der Gastgeber Modi sagte in seiner Eröffnungsrede, der »globale Süden« stehe »an vorderster Front der weltweiten Krisen«, spiele bei der »Entscheidungsfindung« aber nur eine untergeordnete Rolle. Modi forderte, diese »pyramidenförmige Struktur in eine Partnerschaft umzuwandeln«.
Die Zusage zur Teilnahme illustriert Chinas Bereitschaft, im übergeordneten Interesse über den noch immer ungelösten Grenzstreit und andere Hürden im Verhältnis der beiden Nachbarn und Rivalen hinwegzusehen. Die »South China Morning Post« meldete, die chinesische Gipfeldelegation werde 400 Mitglieder umfassen. Auch dies spricht für den Ansatz Pekings, die Bedeutung des Events zu untermauern. Denn gerade in den sieben Jahren, seit Modi und Xi zuletzt in Indien in direkten Austausch traten, hat sich die Welt radikal verändert. Erst recht in den vergangenen sechs Monaten mit den global zu spürenden Folgen des Krieges zwischen den USA und Iran, den US-Präsident Donald Trump zusammen mit Israel vom Zaun gebrochen hat. Am Sonnabend, so etwa das indische Newsportal Firstpost, könnte es am Rande der Gipfelrunde sogar zu einem bilateralen Austausch zwischen Xi und Modi kommen.
Auch Russlands Staatschef Wladimir Putin, Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, Indonesiens Staatsoberhaupt Prabowo Subianto und der iranische Präsident Massud Peseschkian werden in Delhi erwartet. Der Iran gehört ebenso wie Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Äthiopien und Indonesien zu den Neumitgliedern im seit 2024 erweiterten Bündnis, das längst weit über die vier Gründer 2009 (Brasilien, Russland, Indien, China) und das ein Jahr später hinzugekommene Südafrika hinausreicht. Aktuell repräsentiert der heterogene Staatenbund gerade mit den beiden Schwergewichten Indien und China (je 1,4 Milliarden Menschen) 48 Prozent der Weltbevölkerung, zudem 39 Prozent der globalen Wirtschaftskraft – die alten Industrienationen der G7 bringen es nur auf schlappe zehn und 29 Prozent.
So unterschiedlich in Staatsform, Geschichte, Kultur und Strategien die Mitglieder sein mögen, wächst doch der bilaterale Handel im Bund. Markantestes Beispiel sind Indien und China: Mag es außenpolitisch zwischen Delhi und Peking wegen des unklaren Grenzverlaufs im Himalaya und anderer Rivalitäten oft knirschen, hat der Warenaustausch zuletzt massiv zugelegt, woran die »Financial Times« gerade erinnerte. Von gut 50 Milliarden Dollar im Jahr 2008 hat er sich 2025 auf 155 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht.
Insgesamt hat das Brics-interne Handelsvolumen laut einem Unctad-Bericht bis 2024 auf nun 1,17 Billionen US-Dollar zugenommen. Dass speziell einige der Altmitglieder eine Loslösung von der globalen Dollar-Dominanz anstreben, ist kein Geheimnis. Gerade Russland wickle inzwischen 90 Prozent des Handels mit seinen Brics-Partnern in den nationalen Währungen ab, schrieb das indische Magazin und Newsportal »Outlook« unter Verweis auf Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
USA und Westeuropa versuchen, die heterogene Allianz gern als »antiwestlich« darzustellen. »Xi nutzt Trumps Chaos und greift nach der Welt«, war etwa drei Tage vor Gipfelstart ein Kommentar in der deutschen Wirtschaftszeitung »Handelsblatt« überschrieben. Solche Angstmacherei ist selbst den Medien im Gastgeberland, beileibe kein großer Freund Chinas, völlig fremd. »Die Brics will keine neue Weltordnung schaffen. Sie ist in ihrem Charakter reformorientiert und in ihrer Orientierung pluralistisch«, ordnete etwa der »Indian Express« ganz unaufgeregt ein. Es gehe um Brückenbau und eine stärkere Stimme für den Globalen Süden. Beim nunmehr 18. Gipfeltreffen wird an den zwei Tagen eine Vielzahl von Themen auf der Agenda stehen, von Energie- und Ernährungssicherheit über Technologie und Handel bis zu nachhaltiger Entwicklung.
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Source: nd