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Gewerkschaften | »Angebot im Cent-Bereich ist völlig inakzeptabel«
IG BAU kritisiert das Verhalten der Arbeitgeberseite bei den Tarifverhandlungen für die rund 700.000 Gebäudereiniger. Warnstreiks gibt es vorerst nicht.
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Noch ist keine Einigung auf einen neuen Tarifvertrag in Sicht. Foto: dpa/Robert Michael Auch nach der dritten Tarifrunde hat sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) nicht mit der Arbeitgeberseite über einen neuen Tarifvertrag für die Gebäudereinigerbranche einigen können. Beide Parteien werfen sich nach zwölfstündigen Verhandlungen fehlende Kompromissbereitschaft vor. Warnstreiks wird es dennoch erst einmal nicht geben, da die Friedenspflicht noch bis zum 31. Dezember gilt. Die nächste Verhandlungsrunde ist noch nicht terminiert.
Dass kaum Bewegung in die Tarifverhandlungen kommt, liegt in erster Linie an den Arbeitgebern. Der Bundesinnungsverband für das Gebäudereiniger-Handwerk (BIV) bietet bisher eine Nullrunde in den ersten vier Monaten des nächsten Jahres an. Erst ab Mai soll es eine Erhöhung von zwei Prozent geben, und nur für die unterste Lohngruppe. Das neueste Angebot der Arbeitgeber sieht zudem für 2028 eine weitere Anhebung um 1,83 Prozent vor. In absoluten Zahlen würde die erste Lohnerhöhung eine Steigerung beim Stundenlohn von 15 Cent auf gerade einmal 15,30 Euro bedeuten, ab 2028 kämen weitere 28 Cent dazu.
»Die Arbeitgeber haben wieder ein Angebot im Cent-Bereich vorgelegt, das absolut nicht hinnehmbar ist«, sagt Zeynep Bicici, Verhandlungsführerin für die IG BAU. »Die Reinigungsunternehmer verstehen einfach nicht, dass die Beschäftigten deutlich mehr im Portemonnaie brauchen, um im ganz normalen Leben über die Runden zu kommen.«
Die Gewerkschaft fordert zwei Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen und zwar für zwölf Monate. Damit würde der Branchenmindestlohn, für den die meisten der Gebäudereiniger arbeiten müssen, von derzeit 15 auf 17 Euro steigen, Glas- und Fassadenreiniger*innen würden 20,40 statt 18,40 Euro pro Stunde bekommen.
»Die Reinigungsunternehmer verstehen einfach nicht, dass die Beschäftigten deutlich mehr im Portemonnaie brauchen, um im ganz normalen Leben über die Runden zu kommen.«
Nach Ansicht des Vorsitzenden der BIV-Verhandlungskommission, Christian Kloevekorn, ist man der IG BAU bereits entgegengekommen und hat Kompromissbereitschaft gezeigt. »Was wir allerdings nicht mitmachen, ist ein Tarifpoker auf Kosten der ökonomischen Realität«, sagte er. Die konjunkturelle Lage sei angesichts »massiv steigender Kosten, insbesondere bei den Sozialabgaben, und einer spürbar nachlassenden Kundennachfrage« mehr als angespannt.
Laut der jüngsten Konjunkturumfrage des BIV bewerten seine Mitgliedsunternehmen die Aussichten sowie Kunden- und Auftragsdynamik für das kommende Geschäftsjahr eher schwach. Allerdings rechnen fast 70 Prozent der befragten Firmen mit positiver oder zumindest gleichbleibender Geschäftsentwicklung für das laufende Geschäftsjahr.
Dem gegenüber stehen seit mehr als zehn Jahren steigende Umsätze in dem mit knapp 700.000 Beschäftigten größten Handwerk in Deutschland. »Im Jahr 2025 betrug der Umsatz 29,5 Milliarden Euro, eine Steigerung von 81 Prozent seit 2016«, rechnet ein IG-BAU-Sprecher auf Anfrage von »nd« vor. Da die BIV Gewinnzahlen generell nicht veröffentliche, sprächen die Zahlen für sich. Angesichts dessen wolle die IG BAU an der Forderung nach zwei Euro mehr festhalten, denn auch in Zukunft müssten Fensterscheiben und Büroräume gereinigt werden. Und viele Betriebe hätten diese Tätigkeiten bereits seit vielen Jahren an Reinigungsfirmen ausgegliedert.
Aber weisen die höheren Umsätze auf bessere Geschäfte hin? »Natürlich sind die Umsätze im Gebäudereiniger-Handwerk in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Darüber sollte sich die IG BAU freuen, denn zum überwiegenden Teil wird dies von den starken Lohnsteigerungen getragen«, so BIV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Molitor auf nd-Anfrage. So sei der allgemeinverbindliche Branchenmindestlohn für Ungelernte seit 2016 um mehr als 70 Prozent im Osten und mehr als 50 Prozent im Westen gestiegen. Molitor verweist zudem auf höhere Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sowie gestiegene Material-, Energie-, Maschinen-, Fahrzeug- und Verwaltungskosten. »Inflation berührt auch Unternehmen, nicht nur Beschäftigte.«
Das alles will Annette Hofmann nicht gelten lassen. Die langjährige Gebäudereinigerin und Gewerkschafterin aus Baden-Württemberg war bei einer Kundgebung vor der dritten Verhandlungsrunde Mitte dieser Woche in Köln dabei. »Die Stimmung war gut, wir waren sehr laut und sind streikbereit«, sagte sie im Gespräch mit »nd«. Das neuerliche Angebot der Arbeitgeberseite sei weiterhin nicht akzeptabel, da es sich im »Pfandbereich« bewege. »Der Arbeitgeber zwingt uns so zum Streik.«
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