Skip to content
Faultline Prefer us on Google

World nd

Gesundheitspolitik | Masern-Warnung: Angriff auf die Exekutive

Für die vielen Ausbrüche in den USA gibt es viele Gründe. Das Hauptproblem ist allerdings die ultrarechte politische Führung. Ein Kommentar.

Deutsch (original) ·Read in English ⇄

Der Präsident und sein Gesundheitsminister bei einer Wahlkampfveranstaltung Mitte Oktober Foto: dpa/AP/Chris O’Meara Viele schwere Infektionskrankheiten sind besiegbar und gelten dank medizinischer Fortschritte in vielen Ländern als eliminiert. Oft sind es schwache Gesundheitssysteme, Armut, mangelhafter Zugang zu Impfstoffen und politische Konflikte, die in manchen Ländern des globalen Südens für hohe Zahlen sorgen. Die Masern zum Beispiel waren auch in den USA schon vor Jahrzehnten eigentlich besiegt. Dass sie jetzt mit Wucht wiederkehren und ein erstes Todesopfer fordern, ist einerseits besorgniserregend, andererseits aber alles andere als überraschend.

Gerade wenn eine Krankheit als besiegt gilt, fragen sich nicht wenige Eltern, warum sie ihren Kindern die Zweifachimpfung zumuten sollen. Zudem wurden während der Corona-Pandemie andere Krankheiten vernachlässigt. Auch in anderen Industrieländern sind mangels Risikobewusstsein die Masern zurück, das Ausmaß in den USA ist aber ganz besonders groß. 43 Ausbrüche, über viele Bundesstaaten verteilt, zählt die Gesundheitsbehörde CDC.

Zudem wird irrationale Impfskepsis, die ebenfalls während Corona Zulauf bekam, als Grund genannt. Ganz so einfach ist es aber nicht: Anders als seinerzeit in der Pandemie müssen potenzielle Nebenwirkungen sehr viel genauer beobachtet werden, auch nach der Zulassung eines Impfstoffs. Und die Ergebnisse müssen transparent zugänglich sein, sodass sich die Leute auf die Sicherheit eines Vakzins wirklich verlassen können.

Radikale Impfgegner wird man mit Verweisen auf wissenschaftliche Evidenz aber natürlich nicht kriegen. Sind diese eine kleine Minderheit, kann man sich das bei den meisten Krankheiten erlauben. Auch bei den extrem ansteckenden Masern wäre dies keine ernste Gefahr, wenn diese weit verstreut leben. Allerdings finden sie sich in den USA oft in größeren, ultrakonservativ-religiösen Communitys, und dann kann aus einem Einzelfall ein lokaler Ausbruch werden.

Dem entgegenzuwirken, ist vor allem eine Frage der politischen Kommunikation. Mit einem Präsidenten, der unbelegte Behauptungen über schwere Nebenwirkungen der Masern-Impfstoffe verbreitet, und einem Gesundheitsminister, der wie Robert F. Kennedy jr. generell als Impfskeptiker gilt, kann dies natürlich nicht gelingen. Das ist eben die Besonderheit in den USA: Warnungen der Gesundheitsbehörden sind in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit, für das CDC ist dies mittlerweile ein mutiger Schritt. Denn zumindest indirekt ist das nichts weniger als ein Angriff auf die ultrarechte Exekutive.

Bei uns muss niemand zahlen, um informiert zu sein. Klingt nach einem schlechten Geschäftsmodell? Ist es auch. Aber uns sind unabhängiger Journalismus und Teilhabe für alle wichtiger als Profit. Journalismus kostet trotzdem Geld: Recherche, Druck und all die Menschen, die ihn machen. Deshalb sind wir auf dich angewiesen. Bis Ende des Jahres brauchen wir 300.000 Euro.

Spende einmalig oder regelmäßig, jeder Betrag zählt. Damit nd bleibt.

Originally published bynd
Read the original