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Germanwatch | Christoph Bals: Der Klimapolitik-Vordenker
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Germanwatch-Gründer Christoph Bals gehört zu den wichtigsten Stimmen der deutschen Klimaschutzbewegung. Foto: IMAGO / photothek »Größer, jünger und weiblicher« soll die Führungsspitze von Germanwatch werden. Bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation haben Jennifer Tollmann und Lutz Weischer jetzt ihre neuen Aufgaben als Geschäftsführende Vorstände Politik begonnen. Christoph Bals gibt dieses Amt Ende des Jahres auf und wechselt zur Stiftung Zukunftsfähigkeit, die Germanwatch nahesteht und laut Satzung den Erhalt der Lebensgrundlagen fördern will.
Damit scheidet eine der schillerndsten Persönlichkeiten der hiesigen NGO-Szene und einer der Vordenker der Klimapolitik in Deutschland aus dem Politikbetrieb aus. Bals (Jahrgang 1960) war kurz nach der Wende Mitgründer von Germanwatch in Bonn. Die Organisation verstand sich als Gegengewicht gegen neuen Nationalismus und ein befürchtetes Großmachtstreben des vereinigten Deutschlands. Ihr Ziel: als Thinktank die Politik der Industrienationen im Hinblick auf den globalen Süden und den Umweltschutz kritisch zu begleiten. Die Analysen der NGO zu dem komplexen Thema sind nicht nur präzise und tiefgründig; sie hatten auch lange als Alleinstellungsmerkmal, Nord-Süd-Konflikt und die Klimathematik zusammenzudenken.
Dass Klimaschutz nicht ohne Gerechtigkeit für die Menschen des globalen Südens geht, wurde lange ausgeblendet, etwa bei den mitgliederstarken Umweltverbänden. Aber auch die Verhandlungen bei den großen UN-Gipfeln wurden dadurch immer wieder gelähmt. Bals & Co. wiesen mit als erste darauf hin, dass arme Länder am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten sorgt der am Rande der UN-Gipfel veröffentlichte Klima-Risiko-Index von Germanwatch damit für Aufsehen. Kein Wunder, dass er schon mal Kritik aus konservativen Presse auf sich zieht.
Auch Bals’ politischer Werdegang war durchaus ungewöhnlich. Früh engagierte er sich in der Friedensarbeit für Nordirland. 1986/87 schrieb er in Belfast seine Diplomarbeit zur Rolle der Kirchen in den Unruhen und zu friedenspolitischen Ansätzen in dem britischen Landesteil. Während seines Studiums der Theologie, Volkswirtschaft und Philosophie war er 1984 auch ein Semester lang an der katholischen Fakultät in Erfurt. Dabei knüpfte er Kontakte zur DDR-Umweltbewegung, was später politische Folgen hatte: Bals und weitere Mitstreiter gaben als Berater der Modrow-Regierung Anstöße zu einer Energiewende weg von Atomkraft und Braunkohleverstromung, aber auch zu dem 1990 vom Ministerrat beschlossenen, wegweisenden Nationalpark-Programm, mit dem sieben Prozent der Fläche der DDR unter strengen Naturschutz gestellt wurden.
Solche Nähe zur Politik, aber auch zu willigen Unternehmen ist indes nicht unumstritten in der Klimabewegung: »Manch einer nimmt uns das durchaus krumm«, sagte Bals einmal vor einigen Jahren. »Wir setzen auf die Politik des besten Arguments«, lautet sein Credo. Kritik allein reicht ihm dabei nicht. Er plädiert etwa für »Rahmensetzungen für den Finanzmarkt, um ihn zu zwingen, keinen Schaden anzurichten«.
Wie diese Besonderheiten unter der neuen Führungsriege fortgeführt werden, muss sich zeigen. Germanwatch spricht von »schwierigen, aber auch entscheidenden Zeiten«. Bals selbst bleibt auch diesbezüglich optimistisch: Über seine Nachfolger sagt er, dass »sie Bewährtes wirkungsvoll fortsetzen und zugleich wichtige eigene Impulse mit dem Team entwickeln und umsetzen werden«.
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Source: nd