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Geldpolitik | Frau im Finanzestablishment
Christine Lagarde gibt vorzeitig ihr Amt als Chefin der Europäischen Zentralbank auf. Die Nachfolge dürfte vor der Wahl in Frankreich geregelt werden.
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Christine Lagarde steht seit 2019 an der Spitze der EZB. Foto: dpa/Arne Dedert Letztlich gab Christine Lagarde dem Druck aus Finanzkreisen nach und macht reinen Tisch: Im Februar 2027 wird sie vorzeitig ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank aufgeben, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Angaben zu Gründen und zur Zukunft Lagardes wurden nicht gemacht.
Über Monate kursierte das Gerücht, die 70-Jährige stehe vor einem Wechsel zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Dies sorgte für Unmut im EZB-Rat, dem Entscheidungsgremium der für die Länder des Euroraums zuständigen Notenbank. Kritiker warfen der früheren französischen Finanzministerin vor, nur halbherzig ihren Job auszuüben, und das in einer geldpolitisch kniffligen Zeit. Die Dementis der in jungen Jahren national erfolgreichen Synchronschwimmerin zu diesem Wechsel klangen zuletzt immer halbherziger.
Lagarde stammt aus der Normandie. Sie studierte Sozialrecht am Institut d’études politiques in Aix-en-Provence und machte später ihr Diplom in Arbeitsrecht an der Universität Paris X-Nanterre, bevor sie einen Job in einer milliardenschweren Anwaltskanzlei annahm. Ab 2005 bekleidete sie verschiedene Ministerposten in konservativ geführten Regierungen. Viel Lob erhielt sie für ihr kluges Agieren als Finanzressortchefin während der Weltfinanzkrise ab 2008.
Wie Lagarde einmal äußerte, wurde ihr beim Karrierestart Ende der 70er Jahre wiederholt gesagt, als Frau werde sie es nie nach oben schaffen. Das strafte sie im Finanzestablishment mehrfach Lügen: Als erste Frau wurde sie Direktorin des Internationalen Währungsfonds (2011–2019), gleiches gilt für ihren anschließenden Posten an die EZB-Spitze. Dort hatte sie vor allem mit heftigen Inflationstendenzen im Gefolge des Ukraine-Kriegs zu kämpfen. Ihr wenig aufgeregter Umgang mit dem Problem mit maßvollen, angekündigten Leitzinserhöhungen und -senkungen wurde weitgehend begrüßt. Auch das Vorantreiben der Einführung des digitalen Euro fällt in Lagardes Amtszeit.
Aktuell hat es die EZB wieder mit Inflationszahlen oberhalb der Zielmarke zu tun. Zinserhöhungen würden aber der ohnehin schwachen Konjunktur schaden und könnten finanzielle Verwerfungen provozieren. Speziell in Frankreich, wo die bereits sehr hohen Zinsen für Staatsanleihen die Haushaltspolitik belasten. Eine drohende Machtübernahme durch die extreme Rechte sowie die aktuelle Regierungskrise im Zuge der Massenproteste könnten die Lage noch verschärfen. Der EZB-Rat wäre in der Lage, mit einem umfangreichen Anleihekaufprogramm mühelos für Entspannung zu sorgen, aber anders als ihr Vorgänger Mario Draghi ist Lagarde mehr einer konservativen Geldpolitik zugewandt. Und möglicherweise will sie sich als Französin nicht dem Vorwurf der Befangenheit aussetzen.
Ihr vorzeitiger Abgang – die Amtszeit läuft eigentlich bis Ende Oktober 2027 – dürfte einen weiteren politischen Hintergrund haben: Die Nachfolge muss vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich geregelt werden. Und damit, ohne dass die eurokritischen Ultrarechten um Marine Le Pen dazwischenfunken können. Als Nachfolger werden übrigens bislang ausschließlich Männer gehandelt.
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