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Games | Im Kettensägenmuseum mit »Resident Evil 4«
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ist viel weniger simpel als es aussieht: »Resident Evil 4«. Foto: Screenshot Im Nürnberger Spielzeugmuseum ist aktuell eine blutige Kettensäge ausgestellt. Es handelt sich um einen eigens für das Videospiel »Resident Evil 4« geschaffenen Controller. Im Begleittext zum Ausstellungsstück wird kurz die Hintergrundstory des Games zusammengefasst und als klischeehaft bezeichnet, aber: »Auf den zweiten Blick zeigt sich … eine durchaus vielschichtige und komplexe Erzählung«. Wie kommt man darauf? Wenn man »Anspielungen auf die Kunst- und Mediengeschichte« entdeckt: Caravaggio, Botticelli, Velázquez, Rembrandt, Raphael. Von diesen Malern hängen Gemälde in »Resident Evil 4«, genaugenommen in der Burg des Bösewichts Salazar, die Leon S. Kennedy durchläuft, der Held des Spiels.
Als es 2005 rauskam, fantasierte ich mir eine pazifistische Botschaft dieses äußerst gewalthaltigen Games zusammen. Nacheinander tötet man Bauern und Bäuerinnen, dann Mönche beziehungsweise Angehörige einer Sekte. Im Verschwinden begriffene Berufe, so sinnierte ich. Und schließlich tötet mensch: Soldaten. (Übrigens sind alle Genannten von Parasiten befallen, durch diese gesteuert und also quasi Zombies.) Capcom, die Herstellerfirma, sagt damit: Soldaten werden verschwinden. Kriege werden verschwinden. Gewalt wird verschwinden. Wie übrigens auch die von den Mönchen repräsentierte und sie quasi fernsteuernde Religion. Imagine there’s no heaven.
Na ja. »Diese Vermischung aus Hoch- und Popkultur zeichnet auch den Kettensägen-Controller aus, der sich sozusagen selbst musealisiert, indem er sich in eine viel zu kleine, hölzerne Vitrine zwängt, aus der sich das Sägeblatt bereits gewaltsam einen Weg gebahnt hat.« Wieder das Nürnberger Spielzeugmuseum, das hier dazwischenplappert.
Es ist völliger Quatsch, das Spiel mit einer Kettensäge zu steuern: Leon hat gar keine.
Es ist völliger Quatsch, das Spiel mit einer Kettensäge zu steuern: Leon hat gar keine. Nur ein bestimmter Feindtypus attackiert damit. »Die Kettensägenform ist zur Kontrolle eines Computerspiels völlig ungeeignet.« Dieses Museum muss immer das letzte Wort haben.
»Resident Evil 4« ist einer der beliebtesten Teile der Horror-Reihe, deren neunter Teil dieses Jahr erschien; insgesamt, inklusive der Ableger, ist es sogar der 27. - und der erste, in dem Leon tatsächlich mit einer Kettensäge hantieren darf. Bei den Endcredits läuft mensch immer ein Schauer über den Rücken, weil sie so eindringlich die Größe dieser Industrie vor Augen führen.
Im Vergleich zum hier behandelten vierten Teil (und auch zu anderen der Reihe) kommt »Requiem«, also der neunte, etwa bei einem Schriftsteller- und Gamingkollegen (sein neuer Künstlername steht noch nicht fest, drum keine namentliche Erwähnung) aber schlecht weg: »Mein Künstlerherz wurde so nulle angesprochen.« Ich verstand gleich, was er meinte. Der Vorgänger zum Beispiel, der sehr vom vierten Teil inspiriert wurde und ebenfalls zu großen Teilen in einem Dorf spielt, wartete noch auf mit poetischen Momenten und wirklich abgefahrenen Ideen. 2026 ist da dann dumpf wirkende Action.
Aber dazu ein Wort vom Nürnberger Spielzeugmuseum? Fehlanzeige. Hier schwelgt man in Kettensägen, es ist fast schon manisch: »Ist der Kettensägen-Controller nun ein selbstreflexives Kunstobjekt, ein alberner Merchandise-Artikel oder schlicht ein leicht dysfunktionaler Playstation 2-Controller?« Es stellt sich ernsthaft die Frage, warum das Museum nicht ausschließlich Kettensägen ausstellt.
»Die ›Resident Evil‹-Reihe hat insgesamt über 200 Millionen Einheiten verkauft und ist damit die erfolgreichste Horror-Videospielmarke der Welt.« Das sagt zur Abwechslung mal nicht das Nürnberger Spielzeugmuseum, sondern »Video Games Sales Wiki«. Es war aber leicht zu erkennen, dass es nichts vom Spielzeugmuseum Verlautbartes war. Weil sonst hätte hier nur wieder etwas gestanden wie: »Kettensäge, Kettensäge, Kettensäge«. Touché. Vrrrrrrroouummmmmm …
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Source: nd